Bern

Franz A. Zölchs leere Versprechungen

BernSeit mehr als zehn Jahren schichtet der Berner Medienanwalt und Ex-Ehemann von Alt-Regierungsrätin Elisabeth Zölch Schulden um. Die Zahl der enttäuschten Gläubiger wächst an. Ebenso die ausstehenden Forderungen: Auf 1,9 Millionen Franken beläuft sich der Schuldenberg aktuell.

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Geld kann Freundschaften zerstören. 8831 Franken lieh ein Berner Geschäftsmann seinem Studienfreund Franz A.Zölch: «Er fragte mich im Dezember 2010 um Hilfe an, weil er in finanziellen Schwierigkeiten stecke. Einem Freund hilft man doch aus.» Seither wartet er auf die Rückzahlung. Anfänglich sei er vertröstet worden. Schliesslich habe sich Zölch gar nicht mehr gemeldet. «Nun habe ich genug», fährt der Geprellte fort.

Mehr als drei Seiten lang ist das Betreibungsregister des bekannten Berner Medienanwaltes. Gegenwärtig belaufen sich die Schulden auf über 1,9 Millionen Franken. Im Herbst 2010 sanken sie von damals 1,6 Millionen kurzzeitig auf 1,2 Millionen. Damals beglich Zölch unter Druck endlich Löhne von Angestellten seiner Berner Anwaltspraxis Zölch&Partner.

Riesige Steuerausstände

Zölch führt sein Problem auf «Debitorenverluste in den Jahren 1999 bis 2001» zurück. Seit Jahren verschleppt er die Zahlung von Steuern und Zahlungen an die Ausgleichskassen, wie der Blick in diverse dieser Zeitung vorliegende Betreibungsregisterauszüge offenbart. Riesig sind Ausstände bei den Mehrwertsteuern. Die betriebenen Beträge reichen von etwas mehr als 160 Franken bis über 200'000 Franken. Letztgenannten Betrag schuldet er einer Gläubigerin aus der Nähe von Thun.

Unter den Gläubigern figuriert auch ein bekannter Berner Galerist. Die Ausstellung mit Fotografien von Franz A.Zölch fand nie statt. Ausser Spesen nichts gewesen. Zölchs Hinhaltetaktik ist aufgegangen. «Ich zahle meiner geprellten Angestellten 2500 Franken, und den Rest schreibe ich ab», sagt der Galerist. Es gehe um insgesamt 15'000 Franken. Verärgert schiebt er eine Qualifikation nach, die hier nicht wörtlich zitiert werden kann. Ein anderer Gläubiger Zölchs warnt vor dessen Geldbeschaffungsaktionen. Trotz der jahrelangen Vorgeschichte finde er nämlich dank seinem bekannten Namen immer neue Opfer, die ihm aushelfen.

«Ungebrochener Wille»

Franz A.Zölch will zu den einzelnen Vorwürfen nicht Stellung nehmen: «Ich verstehe den Unmut. Es hat unanständig lange gedauert. Aber mein Wille ist ungebrochen, dass ich alle rechtmässigen Ansprüche rasch befriedigen kann», erklärte er gestern lediglich.

Gemäss Website beschäftigt seine Kanzlei keine Juristen mehr, vor einigen Jahren waren es noch vier. Zölch vertritt seit Juni 2011 die Dozenten im Stiftungsrat der Schweizer Journalistenschule MAZ. Er doziert dort auch noch, wie auf Nachfrage zu erfahren war. Doch laufe die Dozententätigkeit «langsam aus». In Olten unterrichtet er «ab und zu» an der Hochschule für Wirtschaft.

Einen Hinweis auf den möglichen Ursprung der finanziellen Probleme liefert die Zeitschrift «Beobachter» in ihrer heutigen Ausgabe: Zölch habe in Gstaad den englischen Geschäftsmann Simon Welsh kennen gelernt, der dort auf grossem Fuss lebte und breite Anerkennung zu geniessen schien. Noch wusste damals niemand, dass Welsh von der französischen Justiz wegen Betrugsverdacht gesucht wurde.

Schlechte Gesellschaft

Zölch widmete sich offenbar intensiv den Geschäften von Welsh und trat als Generalbevollmächtigter für dessen Rechtsangelegenheiten auf. Diese gaben offenbar zu tun. Zölch habe immer intensiver für ihn gearbeitet und die Gläubiger des Briten beruhigen müssen, schreibt der «Beobachter». Schliesslich verschwand der schillernde Klient.

Franz A. Zölch kündigte auch vor der Publikation dieses Artikels an, die Lösung seiner Probleme stehe unmittelbar bevor. Noch zwei, drei Tage benötige er. Doch dies sagte er seit den ersten Berichten über seine finanziellen Probleme in diversen Medien immer wieder. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.09.2011, 12:58 Uhr

Franz A.Zölch hat Schulden von 1,9 Millionen Franken. (Bild: Andreas Blatter)

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