Formel E: Streckenführung ist die grösste Knacknuss

Bern

Auf dem Weg zu einem E-Prix in Bern gibt es noch viele offene Fragen zu klären. Die grösste Knacknuss: Wo sollen die E-Boliden durchfahren? Die Stadt und die Veranstalter suchen eine für alle verträgliche ­Streckenführung.

Vieles liegt noch im Dunkeln, unter anderem die Streckenführung für ein Formel-E-Rennen durch die Stadt Bern.

Vieles liegt noch im Dunkeln, unter anderem die Streckenführung für ein Formel-E-Rennen durch die Stadt Bern.

(Bild: Johnny Fidelin)

Markus Ehinger@ehiBE

Den Grundsatzentscheid fällte der Berner Gemeinderat letzte Woche: Er gibt grünes Licht für ein Formel-E-Rennen im nächsten Jahr in der Bundesstadt. Die Stadt Zürich, wo der erste Schweizer E-Prix im Juni stattfand, erteilt für 2019 keine Bewilligung (wir berichteten). 2020 könnte das Rennen dann nach Zürich zurückkehren.

Bis der Schweizer Sébastien Buemi, der einstige Sauber-Formel-1-Pilot Nick Heidfeld und ­ihre Formel-E-Kollegen durch Bern zischen, müssen die Veranstalter und die Stadt Bern noch zahlreiche Fragen klären. Offen ist zum Beispiel das Austragungsdatum. Gemäss Kalender auf der Website der Formula E ist Sonntag, der 9. Juni 2019, als Renntag vorgesehen. Wo der ­E-Prix stattfinden wird, ist ­gemäss Website noch unklar.

Brücken als Hindernis?

Die wohl grösste Knacknuss dürfte in Bern die Streckenführung sein. «Wir haben unter Umständen weniger Optionen als Zürich, wenn man etwa an die Lage mit der Aarehalbinsel denkt», sagt Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP).

Er denkt dabei vor allem an die zahlreichen Brücken, die bei einem Rundkurs durch die Innenstadt passiert werden müssten: zum Beispiel via Lorrainebrücke aus der Stadt raus und via Kornhausbrücke wieder in die Stadt rein. Die ­Innenstadt werde deshalb kaum oder nicht ausgeprägt zur Verfügung stehen – auch wenn das Unesco-Weltkulturerbe als Kulisse sehr attraktiv wäre.

Ob die E-Rennwagen überhaupt Brücken passieren können, wollen die Veranstalter zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht kommentieren. Auch welches Gefälle die empfindlichen Boliden überwinden können, bleibt offen. Somit kann noch nicht gesagt werden, ob sie zum Beispiel den Aargauerstalden hinauffahren könnten.

«Die Gespräche mit der Stadt und der Verwaltung laufen.»Stephan Oehen

«Die Gespräche mit der Stadt und der Verwaltung ­laufen», sagt Stephan Oehen, ­Mediensprecher der Swiss E-Prix Operations AG, welche die ­Formel-E-Rennen in der Schweiz veranstaltet, zum Thema Streckenführung.

Verträgliche Streckenführung

Bei einer Streckenführung durch die Innenstadt wäre der stern­förmig angelegte öffentliche ­Verkehr in der Stadt und über die Stadtgrenzen hinaus blockiert. «Das ist genau das, was wir nicht wollen. Wir müssen eine verträgliche Streckenführung finden, welche die Quartierbevölkerung nicht über Gebühr einschränkt», sagt Nause.

In diesem Zusammenhang betont der Sicherheitsdirektor auch, dass die Auf- und Abbauzeiten definiert werden müssen. Diese sollen minimiert werden. Die Stadt Bern will, dass – anders als in Zürich – nicht in der Nacht gebaut wird. Damit ­sollen Lärmimmissionen vermindert werden. Der Dialog mit den Quartieren soll auch seitens der Veranstalter so oder so intensiv geführt werden.

Alternativen zur Innenstadt

Denkbar wäre für Nause auch ein Rennen ausserhalb des Stadtzentrums. Gegenüber verschiedenen Medien erwähnte er unter anderem das Bernexpo-Gelände und das Stade de Suisse. Diese Standorte liegen aber für die Veranstalter offenbar zu weit ausserhalb der Stadt.

Deshalb kommt auch der Flughafen Belp nicht als Austragungsort infrage. Anders in Berlin: Dort findet der E-Prix auf dem Gelände des Flughafens Tempelhof statt (siehe Infobox). In Bern dürfte für die Organisatoren auch das Westside, wo Ende August das Grand Prix Suisse Berne Memorial ausgetragen wurde, kein Thema sein.

Tramschienen kein Problem

Keine Schwierigkeiten hätten die E-Boliden mit gepflästerten Strassen. «Das ist grundsätzlich kein Problem. Auch in Rom ­führte die Strecke teilweise über Kopfsteinpflaster», sagt Stephan Oehen. Tramschienen sind ebenfalls unproblematisch, diese ­Erfahrung machten die Organisatoren in Zürich, wo die Formel-E-Piloten ebenfalls auf einem ­Abschnitt über Tramschienen fahren mussten.

«Ursprünglich gingen wir davon aus, dass wir die Schienen abkleben müssen. Es stellte sich heraus, dass das nicht nötig war», sagt Stephan Oehen. Im Gegenteil: Die ­Piloten nahmen es sportlich. «Für sie waren die Tramschienen eine zusätzliche Schikane.» Das Rennen ­verlief sehr gut und ohne ­Zwischenfälle.

Berner Zeitung

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