Flutlicht an für Manchester United

In einer Woche geht es in Bern los mit der Champions League. Vor sechzig Jahren standen sich YB und ManU zum ersten und bisher letzten Mal gegenüber.

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Die Vorfreude war gross in Bern. Man könne, so schrieb das «Berner Tagblatt», mit einer «hervorragenden Demonstration englischen Fussballs durch hart trainierte Profis» rechnen. Zudem biete sich den Young Boys eine herausragende Chance, den in­ternationalen Namen erneut aufzupolieren. Sechzig Jahre sind seit diesen euphorischen Zeilen in der lo­kalen Presse vergangen.

Am 24. September 1958 spielte YB im Wankdorfstadion gegen Manchester United. Es war das erste und bleibt bis nächsten Mittwoch auch das einzige Gastspiel des Traditionsvereins in Bern. YB war zu jener Zeit das Team, das es zu schlagen galt in der Schweiz. Walter Eich, Heinz Schneiter, Willi Steffen, Leon Walker oder Geni Meier hiessen die damaligen Helden. Unter Trainer Albert Sing gewannen die Young Boys 1957 die Schweizer Meisterschaft. Es folgten drei weitere Meistertitel in Serie.

Der «Kennedy-Moment»

Manchester United begeisterte damals mit einer jungen und erfolgreichen Mannschaft weit über die Landesgrenzen hinaus. Das Jahr 1958 jedoch begann mit einer Tragödie, die den Verein jahrelang prägen sollte. Am 6. Februar landete das Flugzeug mit der Mannschaft an Bord auf dem Rückflug von einem Europacupspiel zum Tanken im winterlichen München. Zwei Startversuche klappten nicht, der dritte endete in einer Katastrophe. Das Flugzeug durchschlug einen Zaun, touchierte ein Haus und ging in Flammen auf.

23 Passagiere starben. Unter den Toten waren acht Spieler von Manchester United. Der «Spiegel» schrieb später einmal vom «Kennedy-Moment» Englands.

Die Einladung aus Bern

Bei YB freute man sich im Sommer 1958 als Meister auf das ­Engagement im noch jungen Europapokal der Landesmeister. Manchester hatte die englische Meisterschaft nach der Tragödie auf Rang 9 beendet. Trotzdem bot die Uefa dem leidgeprüften Verein einen Platz im Europapokal an. Manchester nahm vorerst an. Der Gegner in der Vorrunde: YB.

«Fans können mit einer hervorragenden Demonstration englischen ­Fussballs durch hart trainierte ­Profis rechnen.»Aus dem «Berner Tagblatt»

Die englische Liga stand den Engagements der Vereine im europäischen Wettbewerb aber skeptisch gegenüber. Die Funktionäre drohten Manchester mit einem Ausschluss in der Liga, wenn man das Angebot der Uefa annehme. Manchester zog sich zurück. Der Verein umging so auch die Situation, dass einem möglichen Titelgewinn der Makel angehaftet hätte, dass er auf einer Katastrophe aufgebaut sei.

YB aber nutzte die Gelegenheit und lud Manchester zum freundschaftlichen Vergleich ein: Hin- und Rückspiel, in den gleichen Wochen, in denen die Europapokalspiele stattgefunden hätten. Manchester nahm dankend an.

Busbys Lob für Interlaken

YB feierte sein 60-jähriges Bestehen 1958 unter anderem mit einem Freundschaftsspiel im ­August gegen den FC Barcelona. Nun also auch noch Manchester!

Nach der Tragödie von München reiste Manchester vorerst mit dem Zug. Nach zweitägiger Reise kamen die Engländer in Interlaken an und trainierten auf dem Platz des lokalen Fussballvereins. Trainer Matt Busby, der den Flugzeugcrash von München schwer verletzt überlebt hatte, lobte den FC Interlaken als «kleinen Verein mit grossen Ideen».

«Leckerbissen bei Flutlicht»

Am 24. September 1958 spielte das grosse Manchester nun also in Bern. Das Publikum erlebte eine weitere Premiere: Es war das erste Spiel im Wankdorfstadion mit Flutlicht. Der Verein hatte die Beleuchtung im Hinblick auf künftige Europacupspiele installieren lassen. 32 Scheinwerfer leuchteten von der Haupttribüne, ebenso viele von der Stehplatzrampe. Das «Berner Tagblatt» schrieb von einem «Leckerbissen bei Flutlicht».

«Also, nochmals viel Glück unseren Schweizer Freunden – the Young Boys of Berne.»Aus dem Matchprogramm von Manchester United

20 000 Zuschauer erlebten im ersten Berner Nachtspiel, wie Heinz Schneiter und Geni Meier die Berner zum 2:0-Sieg schossen. Anerkennend schrieben die «Manchester Evening News», Meier habe einen Schuss wie Bobby Charlton, der Star des damaligen ManU-Ensembles.

Der Dank aus Manchester

Unter den Zuschauern war der damals 14-jährige Charles Beu­ret, der sich noch gut an das «für beide Teams wichtige Spiel» er­innert. Eine Besonderheit blieb ihm in Erinnerung. «YB lief in dunkelroten Trikots und gelben Hosen auf.» Wahrscheinlich sei es um die bessere Erkennbarkeit der Spieler im noch ungewohnten Flutlicht gegangen, vermutet Beuret, seit vielen Jahren Kurator des YB-Museums.

Das Rückspiel in Manchester eine Woche später, am 1. Oktober 1958, verloren die Berner mit 0:3, der dritte Treffer fiel kurz vor Schluss. Im Matchprogramm bedankte sich Manchester für die Einladung der Berner und lobte die «grosszügige Gastfreundschaft, das Stadion und die Begeisterung der Fans», die man in Bern angetroffen habe.

Das Vorwort endete mit den besten Wünschen in Richtung YB für den Europapokal und mit dem Aufruf: «Also, nochmals viel Glück unseren Schweizer Freunden – the Young Boys of Berne». Die guten Wünsche halfen: Die Europacupsaison 1958/1959, die für YB mit einem Freilos statt mit einem K.-o.-Spiel gegen Manchester United begonnen hatte, endete für die Berner erst im legendären Halbfinal gegen Stade de Reims, der knapp verloren ging.

Sechzig Jahre nach dem letzten Vergleich kommt es in einer Woche also zum ersten Ernstkampfvergleich zwischen YB und Manchester United. Das Flutlicht wird brennen. Und die Vorfreude ist riesig in Bern.

Hier finden Sie das Programmheft vom Spiel Manchester United gegen YB vom 1. Oktober 1985 zum Download (pdf-Datei, Quelle: Saro Pepe/FCZ-Museum). (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.09.2018, 09:10 Uhr

Das Matchprogrammheft vom Spiel in Manchester zum Download (Quelle: Saro Pepe/FCZ-Museum):

Matchprogramm (Quelle: Saro Pepe/FCZ-Museum)

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