Flückiger sieht sich nicht im Fehler

Schwarzenburg

Der Scharzenburger Gemeinderat wollte das Gemeindehaus sanieren und ausbauen. Doch das Volk schmetterte die Vorlage ab. Ruedi Flückiger (SP) erklärt seine erste grosse Niederlage als Gemeindepräsident.

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Dominik Galliker@DominikGalliker

Ruedi Flückiger, zwei von drei Schwarzenburgern haben an der Urne Nein gesagt zu Ihrer Vorlage. Haben Sie als Politiker schon je eine solche Niederlage erlebt? Es ist meine grösste Niederlage als Gemeindepräsident – ja. Aber nicht meine grösste als Politiker. 2001 hat das Volk ein Hochwasserschutzprojekt bachab geschickt, das ich als Gemeinderat vertreten hatte. Damals stand ich an der Gemeindeversammlung in der Pöschen-Halle allein vor 800 Leuten. Heute, beim Ausbau des Gemeindehauses, war ich nicht allein. Der ganze Gemeinderat stand hinter der Vorlage.

Sind Sie ein guter Verlierer? Ich denke ja. Ich nehme das Resultat nicht als Votum gegen mich. Nach dem Nein habe ich schnell überlegt: Wie geht es weiter? Ich will die Niederlage abhaken. Altlasten mitzutragen, ist das Dümmste, was man machen kann.

Audio O-Ton: «Sind Sie ein guter Verlierer?»

Sie standen für diese Vorlage ein. Wenn das Volk sie abgelehnt hat, könnte das mit fehlendem Vertrauen zu tun haben. Ich glaube nicht. Es ist die erste Abstimmung, die wir in den vier Jahren verlieren, in denen ich Gemeindepräsident bin. Wenn das Volk regelmässig eine andere Meinung hätte, wäre die Situation eine andere. Im ersten Moment war ich enttäuscht. Aber ich habe Strategien, um ein wenig Distanz zu gewinnen.

Audio O-Ton: «Nehmen Sie das Resultat persönlich?»

Welche? Am Morgen der Abstimmung ging ich joggen. Die Sense runter nach Neuenegg und wieder zurück. Das sind etwa 16,17 Kilometer. So konnte ich mir in Ruhe überlegen: Was mache ich, wenn der Vorschlag abgelehnt wird? Wie geht es weiter? Wie schreiben wir die Medienmitteilung? Und so weiter.

Sie haben also mit einem Nein gerechnet? Ja. Zwei, drei Wochen vor der Abstimmung hat man viele kritische Stimmen gehört im Dorf. Die meisten fanden, 8 Millionen Franken Kosten seien zu viel.

Im Vorprojekt war noch von 5 bis 6 Millionen Franken die Rede. Wollten Sie am Ende zu viel Luxus? Nein. Nach dem Architekturwettbewerb hatten wir zehn Projekte zur Auswahl, und wir haben uns für eines der günstigsten entschieden. In den ersten gemeinsamen Sitzungen war dann plötzlich von 9 bis 10 Millionen die Rede. Ich war frustriert über diese Zahl. Wir haben dann viele Abstriche gemacht, etwa die Architektur und den Innenausbau vereinfacht. Aber bei 7,9 Millionen sind wir an die Grenze gestossen.

Also hat sich das Planungsbüro, das die Kosten ursprünglich auf 5 bis 6 Millionen Franken geschätzt hatte, einfach verrechnet? Ja. Und ich kann natürlich nicht beurteilen, ob eine solche Schätzung richtig ist. Wir Politiker und die Mitglieder der Projektgruppe sind alles Amateure.

Audio O-Ton: «Das Planungsbüro hat sich verrechnet»

Nach der Abstimmung haben Sie in der Öffentlichkeit nie Fehler eingestanden. Haben Sie nichts gelernt aus der Niederlage? (überlegt) Wir haben das Resultat im Gemeinderat diskutiert. Wir haben keine grossen Fehler gemacht, ausser, dass wir die Kosten unterschätzt haben. Das Volk hatte einfach eine andere Meinung als wir.

Audio O-Ton: «Wir haben keine grossen Fehler gemacht»

Sie haben mehr als eine halbe Million Franken in die Planung gesteckt. Die sind jetzt futsch. Ja, aber das Volk hat diesen Planungskredit beschlossen. Die Eckdaten des Ausbaus waren damals schon bekannt.

Schon Anfang Jahr mussten Sie dem Volk beichten, dass der Hochwasserschutz 1,7 Millionen Franken mehr kostet als erwartet. Nun die falsche Schätzung für den Ausbau des Gemeindehauses. Spielen Sie in Zukunft mehr auf Sicherheit? Wir haben in den letzten Jahren höchst selten einen Kredit überschritten. In drei von vier Fällen brauchen wir nicht das volle Budget. Wir sprechen also nicht von einem generellen Problem.

Alles in allem sagen Sie also: Sie haben keinen Fehler gemacht, und Sie ändern nichts. Solche Niederlagen kann es halt geben. Klar reagieren wir: Die Gegner werden nun miteinbezogen, damit wir ein neues, gutes Projekt erarbeiten können. Es ist wichtig, dass wir möglichst alle Interessen berücksichtigen. Aber ja: Grosse und vor allem langfristige Projekte sind nie vor Kostenüberschreitungen gefeit.

Berner Zeitung

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