Bern

Flüchtlinge ziehen im nächsten Jahr ins Zieglerspital

BernJetzt ist klar, dass im Zieglerspital ein Asylzentrum des Bundes entsteht. Maximal 350 Flüchtlinge sollen frühestens im Frühling 2016 einziehen. Am Donnerstag wurde die Bevölkerung informiert.

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Die Aula des Gymnasiums Lerbermatt in Köniz platzte am Donnerstagabend aus allen Nähten. Gegen 500 Berner und Könizer liessen sich aus erster Hand über das geplante Asylzentrum im seit Ende August leerstehenden Zieglerspital informieren. Kurz nach 20 Uhr sagte die Berner Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) zu den Anwesenden: «Der Gemeinderat hat am Mittwoch entschieden, dass das Ziegler dem Bund als Bundeszentrum zur Verfügung gestellt werden soll.» Dafür soll die unterirdische Unterkunft im Hochfeld geschlossen werden.

Längerfristig soll das Areal des Zieglerspitals als Wohn- und Arbeitszone entwickelt werden. Die Planung dauere fünf bis acht Jahre. «Deshalb will der Gemeinderat das Zieglerspital für den Asylbereich zwischennutzen», sagte Teuscher. Weil das Areal sehr gross sei, seien auch andere Zwischennutzungen geplant. Details nannte sie nicht.

Maximal acht Jahre in Betrieb

Barbara Büschi, stellvertretende Direktorin des Staatssekretariats für Migration (SEM), freute sich über den Entscheid des Berner Gemeinderats: «Ich danke der Stadt Bern, dass wir hier im Zieglerspital ein Bundeszentrum eröffnen dürfen. Ich danke auch der Gemeinde Köniz für die gute Zusammenarbeit.» Im Bettenhochhaus sollen höchstens 350 Asylsuchende untergebracht werden. Eröffnet werden könne das Bundezentrum frühestens im Frühling 2016. Es soll maximal acht Jahre in Betrieb sein.

Notmassnahme geplant

Bereits vor der Inbetriebnahme des Bundeszentrums kann sich Franziska Teuscher «möglichst bald» ein vorübergehendes Durchgangszentrum vorstellen – «im Sinne einer Notmassnahme». Laut Ursula Heitz, Leiterin Kompetenzzentrum Integration der Stadt Bern, wäre dieses Zentrum kurzfristig während drei Monaten geöffnet. «Wir sind mit Hochdruck daran, abzuklären, ob und wann es in Betrieb genommen werden kann.» Wer es betreiben wird, ist noch nicht klar. Wie beim Durchgangszentrum in der früheren Feuerwehrkaserne Viktoria werde die Bevölkerung zu gegebener Zeit informiert, sagte Teuscher.

Köniz ist stark betroffen

Auch die Könizer Behörden sprachen am Donnerstag zur interessierten Bevölkerung. «Wir wissen, dass es Ängste gibt», sagte die Könizer Gemeinderätin Rita Haudenschild (Grüne). Die Diskussion im Anschluss an die Referate der Behörden verlief sehr ruhig und gesittet.

«Das Zieglerspital gehört zwar der Stadt Bern, aber Hauptbetroffene sind wir in Köniz, etwa beim Gymnasium Lerbermatt», sagte Haudenschild. Der Schulbetrieb soll weiterlaufen können. Es soll keine Belästigungen von Lehrern und Schülern geben. «Wir starten deshalb jetzt den Austausch mit der Schule. Es soll allen wohl sein im Gymer Lerbermatt und allen die hier wohnen.» Sie betonte, dass Köniz über die Pläne der Stadt einbezogen worden sei und auch im Austausch mit dem Staatssekretariats für Migration sei.

Dass die Könizer Exekutive das Thema ernst nimmt, zeigte die Tatsache, dass drei von fünf Gemeinderäten am Donnerstag anwesend waren. «Der Gemeinderat von Köniz sieht auch, dass täglich über blutige Bürgerkriege und Flüchtlinge berichtet wird», sagte SVP-Gemeindepräsident Ueli Studer. «Die Menschen leiden und wollen irgendwie überleben.» Der Flüchtlingsstrom habe auch die Schweiz erreicht. Die Unterkünfte sind voll. In dieser Lage ist es die Pflicht von jeder Gemeinde, zu prüfen, ob man Leute unterbringen kann. Dieser Meinung ist der Gemeinderat einstimmig.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.10.2015, 22:00 Uhr

Bundeszentrum

Kürzere Verfahren, mehr Bewohner und striktere Regeln: Das geplante Bundeszentrum unterscheidet sich in mehreren Punkten von der verworfenen Variante eines Durchgangszentrums.
Mindestens 300 Asylsuchende werden künftig im früheren Zieglerspital untergebracht. Das sind deutlich mehr, als in einem kantonalen Durchgangszentrum Platz gefunden hätten. Die Flüchtlinge bleiben aber weniger lange. Sobald das beschleunigte Asylverfahren umgesetzt ist, kommt es in sämtlichen Bundeszentren zur Anwendung. Die Bearbeitung eines Asylgesuchs soll so auf 100 bis 140 Tage verkürzt werden. Heute dauert es im Schnitt rund doppelt so lange. Bei einem negativen Entscheid werden die Flüchtlinge in ein Ausschaffungszentrum verlegt. In kantonalen Durchgangszentren bleiben die Asylsuchenden oft länger, und es gibt weniger Wechsel. Im ehemaligen Zieglerspital werden strenge Regeln gelten: Die Bewohner können sich zwar frei bewegen. Das Zentrum verlassen können sie allerdings nur tagsüber und auch nur während der Ausgangszeiten. Der Entscheid pro Bundeszentrum hat auch Auswirkungen auf die Flüchtlingskinder. Sie werden in der Asylunterkunft zur Schule gehen. Kinder, die in Durchgangszentren leben, besuchen dagegen meist öffentliche Schulen.
Den Asylsuchenden werden im Ziegler Beschäftigungsprogramme angeboten. Daran ändert der Entscheid vom Donnerstag nichts. Auch das Zusammenleben mit der Quartierbevölkerung soll gefördert werden.cef/tma

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