Fit für Touristen mit einer Behinderung

Bern

Die Schulung Sensability, ein Projekt der Behindertenkonferenz Stadt und Region Bern, macht die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Bern Tourismus fit für den korrekten Umgang mit Menschen mit einer Behinderung.

Brian McGowan und Fabienne Scheidegger beim Beratungsgespräch am Rollstuhlschalter bei Bern Tourismus.

Brian McGowan und Fabienne Scheidegger beim Beratungsgespräch am Rollstuhlschalter bei Bern Tourismus.

(Bild: Stefan Anderegg)

Ralph Heiniger

Wie komme ich am schnellsten zum Käfigturm? Je nach Standort kann eine gut gemeinte Wegbeschreibung die Sätze «Dann nehmen Sie die Treppe» oder «Von dort sehen Sie den Turm» beinhalten. Doch wer im Rollstuhl unterwegs ist, kann die Treppe nicht so einfach nehmen, und wer unter einer Sehbehinderung leidet, kann den Käfigturm gar nicht so einfach sehen.

Bern Tourismus kennt diese Problematik und sensibilisiert seine Mitarbeiter für die Bedürfnisse von Menschen mit einer Behinderung. Die Schulung Sensability, ein Angebot der Behindertenkonferenz Stadt und Region Bern, ermöglicht den Teilnehmenden, die verschiedenen Seiten einer Behinderung besser kennen zu lernen.

Mitarbeiter von Tourist Information machten letzte Woche zum Beispiel Stadttouren im Rollstuhl, mit einer Augenbinde oder mit dickem Gehörschutz. «Auf diese Weise lernen die Mitarbeiter, wie sie ihre Kunden mit einer Seh-, Hör-, Mobilitäts- oder einer anderen Behinderung richtig bedienen können», erklärt Sensability-Instruktor Brain McGowan.

Es geht bei der Schulung auch darum, Hemmungen und Ängste abzubauen. «Weil sie die Bedürfnisse nicht kennen, fühlen sich manche Mitarbeiter im Umgang mit Menschen mit einer Behinderung vielleicht nicht wohl.» Durch das Üben solcher Situationen schwinden die Berührungsängste. «Man merkt, dass es sich um ganz normale Kunden handelt», sagt McGowan.

Grosses Marktpotenzial

Ist die Sensability-Schulung einfach eine Goodwillaktion von Bern Tourismus gegenüber einer Minderheit? Nein, sagt Bern-Tourismus-Vizedirektor Michael Keller. «Das Kundenpotenzial von Menschen mit Behinderung ist sehr gross, und es wird aufgrund der demografischen Entwicklung immer grösser.»

Gemäss Bundesamt für Statistik haben 10 bis 14 Prozent der Bevölkerung eine Behinderung, laut WHO ist der Anteil sogar noch höher. «Es handelt sich um einen Markt, für den wir bereit sein wollen», so Keller. Die Stadt Bern biete bereits gute infrastrukturelle Voraussetzungen für diesen Markt. Gerade deshalb will Keller die Dienstleistungen von Bern Tourismus in diesem Bereich noch verbessern.

Für Bau und Verkehr

Zu den Kunden von Sensability gehören auch Gemeinden, Verkehrsunternehmen oder Architekturbüros. Sie alle sind an die gesetzlichen Vorschriften bezüglich hindernisfreien Bauens, hindernisfreien Anbietens von Dienstleistungen oder der Integration von Menschen mit Behinderung ins Erwerbsleben gebunden.

Aber: Häufig wissen diejenigen, die diese Bauten oder Dienstleistungen ausführen, nicht, was eine Behinderung in der Realität bedeutet. Experten für hindernisfreies Bauen oder hindernisfreie Dienstleistungen sind natürlich diejenigen Leute, die eine Behinderung haben. Schliesslich leben sie damit.

Berner Zeitung

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