Mühlethurnen

Festival neben dem Miststock

MühlethurnenZum dritten Mal fand an diesem Wochenende in Mühlethurnen das «Miststock-Festival» statt. Inmitten von Getreidefeldern und grasenden Kühen wurde gerockt, gejazzt, gezeltet und auf Kuhfladen gewettet.

Beim Mistfladen-Bingo spielt die Kuh die Hauptrolle. Trotz etlichen Versuchen liess sie sich von den Wettteilnehmern  aber nicht beeinflussen.

Beim Mistfladen-Bingo spielt die Kuh die Hauptrolle. Trotz etlichen Versuchen liess sie sich von den Wettteilnehmern aber nicht beeinflussen. Bild: Iris Andermatt

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«Gutes Wetter, geiler Sound und glückliche Menschen – genau so haben wir uns das vorgestellt», schwärmt der 23-jährige Jan Rohrbach. Der Informatiker ist einer von rund zwanzig Freunden, die zusammen das «Miststock-Open-Air» in Mühlethurnen organisiert haben. Der zweitägige Anlass besticht vor allem durch seine Atmosphäre: Mitten im Gürbetal, zwischen grasenden Kühen und Getreidefeldern, lässt es sich gut feiern. Rund 800 Open-Air-Besucher sahen das an diesem Wochenende auch so.

Keine Sponsoren

Mit einem Budget von rund 13000 Franken sei man finanziell zwar ziemlich eingeschränkt. Man habe aber bewusst auf Sponsoren verzichtet, sagt OK-Präsident Rohrbach. Auf Kosten von Wachstum und Kommerzialisierung blieben sie bei den alten Strukturen: niedrige Eintrittspreise und viel Freiwilligenarbeit. Die Bevölkerung habe die Truppe dabei stets unterstützt. So habe man auch keine Mühe gehabt, einen Bauern zu finden, der ihnen sein Land zur Verfügung gestellt habe.

Am «Miststock-Open-Air» gibt es deshalb keinen Bacardi-Dom und auch keine Swisscom-Lounge, dafür aber ein Mistfladen-Bingo. Dazu wird eine Wiese in Felder unterteilt. Die Spieler wetten ihr Geld darauf, in welches Feld eine dort weidende Kuh ihren Kuhfladen fallen lassen wird. Doch die Kuh hat an diesem Samstag keine Lust, mitzuspielen. Erst nach einer Stunde richtet sie sich auf, hebt den Schwanz, verrichtet genüsslich ihr Bedürfnis und entscheidet damit das Spiel: Feld 25 hat gewonnen. Es hat sich wohl noch selten jemand so über einen Kuhfladen gefreut – der Gewinner strahlt über beide Backen und erhält einen Getränkegutschein an der Open-Air-Bar.

Abwechslungsreich

Funk, Blues, Rock, Elektro, Hip-Hop – das Programm des Open Airs bedient viele Geschmäcker. Die meisten Künstler stammen aus der Region und haben wenig Bühnenerfahrung. Dies sei Absicht, sagt Rohrbach. Man wolle insbesondere solchen Bands eine Plattform bieten, «doch nicht auf Kosten der Musik». So sind auch Bands mit überregionaler Ausstrahlung dabei – so etwa die Gürbetaler Mono Blues Band oder die Funktruppe Infunkted aus Bern. Diese Künstler kämen nicht wegen des Geldes, sondern wegen der speziell «dreckigen Atmosphäre», so Jan Rohrbach.

Vom Fest zum Open Air

Seinen Anfang nahm das «Miststock-Open-Air» vor vier Jahren in Burgistein. Drei Freunde, die in derselben Woche Geburtstag hatten, wollten mal was anderes als «nur bräteln und kiffen». Ein Feld, welches dem Vater eines Kollegen gehörte, eine Bühne, eine Band – und schon war das «Miststock-Open-Air» geboren. Zum Namensgeber wurde der hauseigene Miststock, der dem Fest seinen geruchlichen Stempel aufdrückte. Schliesslich erschienen über 150 Leute: ein derartiger Erfolg, dass sich die Clique dazu entschloss, es im nächsten Jahr noch einmal zu versuchen. «Danach benötigten wir eine dreijährige Pause», sagt Rohrbach. Jetzt habe man es noch einmal wissen wollen.

Dabei war nicht nur das Netz aus Helfern und Freunden, sondern vor allem auch die Hilfe des Hockey-Clubs Mühlethurnen hilfreich. Jedes Open Air sei auch ein finanzielles Risiko. Ob es ein nächstes Mal geben werde, sei deshalb noch unklar.

Rohrbach: «Falls wir Lust dazu haben – auf jeden Fall.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 09.08.2010, 08:34 Uhr

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