Ferien in der Schule

Wabern

Sie gehen auch in den Ferien ins Schulhaus, aber nicht um Schulstoff zu büffeln, sondern um zu basteln und zu backen. Es sind Kinder, die das neue Ferienbetreuungsangebot der Gemeinde besuchen, das es zum Beispiel im Waberer Dorfschulhaus gibt.

Lucia Probst

Auf dem Asphalt liegen ein paar Kartons. Darauf steht ein braunes Blumentöpfchen. Der sechsjährige Toni hält eine Spraydose in der Hand und drückt mit voller Kraft auf den Sprühknopf. Ein Dunst von hellblauer Farbe schiesst hervor. Toni drückt nochmals, denn noch ist der Topf nicht überall eingefärbt. Sein Kollege Sebastian hat seinen Topf schon besprayt. «Ich bin blau», ruft er. Und streckt seine blauen Finger in die Luft, während sein Werk am trocknen ist. Darin soll eine Sonnenblume wachsen. Die beiden Buben gehören zu den Kindern, die das Ferienangebot besuchen, das die Kinderbetreuung Region Köniz im Auftrag der Gemeinde organisiert. Seit letztem Herbst gibt es dieses Angebot für die Primarschulstufe. Viele Kinder, die es nutzen, sind während der Schulwochen in der Tagesschule. Nur: Mit Schule hat die Ferienbetreuung nichts zu tun – ausser dass die Tagesschulräume genutzt werden. Die meisten Kinder kommen ein bis zwei Tage pro Woche hierher. Im Waberer Dorfschulhaus waren es gestern sieben Buben und Mädchen. Angemeldet waren zwölf. Doch manche waren krank, andere wurden von den Eltern kurzfristig wieder abgemeldet.

Feriengefühl vermitteln

«Was soll ich daraus machen?» Die achtjährige Pauline steht an einem Tisch, vor sich ein Stück Zopfteig. Schildkröten sind schon entstanden, inspiriert von Ostern noch ein paar Hasen. Und viele Zöpflein. Pauline hilft beim Flechten, wenn jemand mit den Teigrollen ein Durcheinander bekommt – wie jetzt zum Beispiel der zehnjährige Noah.«Er ist nervig, das musst du auch noch aufschreiben», sagt sie. Sie komme gerne hierher, sagt sie. «Es gefällt mir, dass wir so viele Ausflüge machen.»

Das Programm soll den Kindern ein Feriengefühl vermitteln. «Abwechslung ist wichtig», sagt die angehende Heilpädagogin Kathrin Michel, die mit zwei andern jungen Frauen die Kinder betreut. Praktisch zu jedem Tagesprogramm gehört ein Ausflug: ins Bundeshaus, in Museen, auf Spielplätze, den Gurten oder den Münsterturm. Ein kleines Mädchen neben Kathrin Michel meint, eine Schatzsuche wäre toll – möglichst mit vielen Süssigkeiten als Schatz. «Wir werden schauen», sagt die Betreuerin. Wenn möglich versucht sie auf solche Wünsche einzugehen.

Manchmal kocht die Gruppe ihr Mittagessen selbst. Diesmal wird es geliefert: Brätkügeli, Reis, Gemüse, Salat und zum Dessert eine Birne stehen auf dem Menüplan. Bis es Essenszeit ist, fläzen die einen noch etwas auf dem Sofa. Drei kleine Jungs rennen lieber noch etwas im Schulhaus herum. Und zwei Mädchen essen genüsslich ein paar Rosinen, die vom Backen übrig geblieben sind, weil sie schon Hunger haben. Neben ihnen liegen die herrlich duftenden, gebackenen Zopfteigkreationen bereit, die es zum Zvieri geben wird.

Berner Zeitung

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