Falscher Zahnarzt mit alter Strategie

Die Verteidigung des falschen Zahnarztes von Biel hat am Dienstag die wesentlichen Vorwürfe erneut zurückgewiesen.

Der «falsche Zahnarzt von Biel» muss sich vor dem Berner Obergericht verantworten.

Der «falsche Zahnarzt von Biel» muss sich vor dem Berner Obergericht verantworten. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der falsche Zahnarzt von Biel hat am Dienstag vor dem Obergericht gegen die erstinstanzliche Haftstrafe von viereinhalb Jahren gekämpft. Mit neuer Verteidigung und alter Strategie: Verteidiger Lukas Bürge forderte in den für das Strafmass wichtigen Punkten einen Freispruch, da sein Mandant die meisten zahnmedizinischen Arbeiten, die ihm zur Last gelegt werden, nicht selber vorgenommen habe. Einzig wegen Verstossens gegen das Heilmittel­gesetz müsse ein Schuldspruch erfolgen, da der Zahntechniker ohne Berechtigung Medikamente abgegeben habe.

Der heute 54-jährige Zahntechniker ist angeklagt, sich als Zahnarzt ausgegeben und durch seine Behandlungen Patienten teils schwer verletzt zu haben. So hat er unnötigerweise Zähne abgeschliffen oder Brücken fehlerhaft eingesetzt. Eine seiner Patientinnen hatte am Regional­gericht angegeben, dass mehr als 50 Nachbehandlungen nötig gewesen seien.

«Opfermitverantwortung»

Bürge versuchte darzustellen, dass der Zahntechniker Opfer von Verwechslungen geworden sei: Die geschädigten Patienten seien nur davon ausgegangen, dass der Beschuldigte die Behandlungen an ihnen durchgeführt habe. In Wirklichkeit aber habe dieser zu weiten Teilen den von ihm eingestellten Zahnärzten assistiert. Das sei ihm als ­ausgebildetem Dentalassistenten erlaubt gewesen. Und wenn der Angeklagte doch im Mund der Patienten gearbeitet habe, habe er dies mit deren Einverständnis gemacht. Deshalb liege kein Betrug vor. Bürge sprach von einer «Opfermitverantwortung».

Den Geschädigten war es laut Bürge egal, ob sein Mandant Zahntechniker oder Zahnarzt sei, die Hauptrolle habe das Geld gespielt: Der Beschuldigte bot in seiner Praxis in Biel zahnmedizinische Arbeiten deutlich unter dem marktüblichen Preis. «Wenn einer Arbeiten für 5000 Franken anbietet, die normalerweise 17 '000 Franken kosten, sollte jeder stutzig werden.»

Der Zahnarzt prägt sich ein

Staatsanwältin Barbara Henauer beantragte demgegenüber eine Bestätigung der Schuldsprüche und des Strafmasses. Würde man den Aussagen des Beschuldigten, dass er nur assistiert habe, Glauben schenken, so Henauer, würde sich eine Mehrheit der Geschädigten in der behandelnden Person getäuscht haben. Und dies sei «undenkbar».

Gerade weil man nicht gerne zum Zahnarzt gehe, könne man sich daran erinnern, wer im Mund gearbeitet habe. Es gebe keine Zweifel daran, dass der Zahntechniker für die Verletzungen verantwortlich sei.

Veronica Kuonen fügte als Vertreterin von Geschädigten an, in Anbetracht der Folgen sei es vermessen, zu sagen, der Beschuldigte habe nur helfen wollen. Die Patienten seien teils bis heute in Behandlung.

Der Beschuldigte befindet sich seit einem Jahr in Sicherheitshaft, die das Regionalgericht wegen einer hohen Rückfallgefahr anordnete. Verteidiger Bürge sagte gestern, dass sein Mandant den Beruf des Zahntechnikers aufgegeben und die Praxis verkauft habe. In Haft habe er einen Fernkurs in einem anderen Berufsfeld absolviert. Bürge stellte den Antrag, die Sicherheitshaft sei «umgehend aufzuheben».

Das Urteil wird am Freitag bekannt gegeben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.03.2017, 09:25 Uhr

Update folgt...

Artikel zum Thema

Falscher Zahnarzt muss 4,5 Jahre hinter Gitter

Biel Er hat mindestens vier Personen mit unsachgemässen Zahnbehandlungen schwer geschädigt. Am Donnerstag wurde ein Bieler Zahntechniker zu einer Freiheitsstrafe von 4,5 Jahren verurteilt. Mehr...

Staatsanwaltschaft fordert 44 Monate für falschen Zahnarzt

Biel 44 Monate soll die Freiheitsstrafe für den Bieler Zahntechniker, der ohne Bewilligung als Zahnarzt gearbeitet und Patienten mitunter schwer geschädigt ­haben soll, betragen. Das fordert die Staatsanwaltschaft. Mehr...

«Falscher Zahnarzt» verunfallt – Prozess abgebrochen

Biel Der Prozess gegen den Bieler Zahntechniker, der sich als Zahnarzt ausgegeben haben soll, wurde am Dienstag abgebrochen. Der Beschuldigte musste ins Spital eingeliefert werden. Mehr...

Marktplatz

Immobilien

Blogs

Nachspielzeit Nations League mit Delikatesse

Wettermacher Der Name der Hose

Abo

Die ganze Region. Im Digital-Light Abo.

Die BZ Berner Zeitung digital im Web oder auf dem Smartphone nutzen. Für nur CHF 17.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Heftiges Wortgefecht: Ein palästinensischer Mann und ein israelischer Soldat geraten aneinander wegen der israelischen Order, eine Schule bei Nablus zu schliessen. (15. Oktober 2018)
(Bild: Mohamad Torokman) Mehr...