Falafel-König zieht in die Länggasse

Bern

Sami Daher, der in der Berner Turnhalle orientalisches Essen verkauft, hat nach langer Suche ein Re­staurant gefunden. Der 56-Jährige übernimmt das Restaurant Athen in der Länggasse.

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Claudia Salzmann@C_L_A

«Manchmal muss man Glück haben», sagt Sami Daher. Nach monatelanger Suche hat er im Re­staurant Athen in der Länggasse einen Ort gefunden, wo er seine Falafeln und andere orientalische Spezialitäten verkaufen kann. Seit achtzehn Jahren betreibt der 56-Jährige in Solothurn an der Theatergasse seine Pittaria. «Manche kommen viermal pro Woche zu mir», erklärt er.

Den Palästinenser hat es wegen der Liebe in die Schweiz verschlagen. Er ist zweifacher Vater und lebt heute in Solothurn. «Das ist meine Stadt», sagt Daher. Ein Solothurner sei es auch gewesen, der ihm dazu verholfen hat, dass er seit Mai in der Turnhalle im Kulturzentrum Progr geschäften kann. Und der Laden brummt: «Im Sommer haben wir 60 Kilo Hummus und bis zu 200 Kilogramm Chutney wöchentlich zubereitet.»

Daher hatte gleich zweimal Glück: Vor Monaten besuchte er das Restaurant Athen am Falkenplatz 1, um dem Wirt Athanasios Komninos sein Interesse an der Lokalität zu bekunden. «Der Standort hat mir immer zugesagt.» In der Zwischenzeit war sein Name auch der Migros bekannt, die ihn für den Food-Markt in der Welle 7 beim Post-Parc gewinnen wollte.

Einen Tag bevor er die Entscheidung dazu hätte fällen sollen, bekam er den Anruf von Komninos, dass er Ende Jahr aufhören wolle. Nicht nur das war Glück: Daher war nicht der Einzige, der eine Visitenkarte abgegeben hatte. «Wegen einer Verwechslung rief Komninos mich an», erzählt Daher und lacht.

Wieder spielte ihm sein Ruf in die Hände: Die Verwaltung des Gebäudes am Falkenplatz wird von Solothurnern geführt, sodass er sich auch bei seinen Umbauplänen keine Sorgen machen muss. «Das Lokal wurde als Tearoom in den 60er-Jahren eröffnet. Das Ambiente ist überholt, weshalb ich vieles verändern will», erklärt er.

Kraftvolle Heimat zeigen

Im Mai möchte Daher aufmachen, bis dahin will er in der Turnhalle weiterfahren. Dort verkauft er Falafeln im Fladenbrot oder mit Salat, in der Länggasse soll das Angebot wachsen.

«Und ich will mit Flüchtlingen aus Syrien arbeiten, um ihre Küche vorzustellen.» Im Sommer will er sporadisch Lamm am Spiess und Tajine machen und skizziert mit den Ideen ein orientalisches Sammelsurium. Perfekt sei auch die Nähe der Universität. «Aber ich will alle im Lokal.»

Daher wuchs in Nazareth auf und ist seit 35 Jahren in der Schweiz. Er arbeitete als Psychia­triepfleger, wo er vor allem Menschen aus dem orientalischen Kulturkreis betreute. «Integration ist vielschichtig», erklärt Daher. Er habe sich gut integriert, die Sprache gelernt, auch seine Kultur will er in den Alltag inte­grieren. «Seit ich die Pittaria habe, kommen die Leute sozusagen via meine Küche in diese Kultur hinein.»

In seinem Restaurant will er die Heimat zeigen. «Wie kraftvoll, lebendig und produktiv es da ist», sagt er. Sein Heimatbild stamme zwar aus den 80er-Jahren, als es weniger Konsum, Kitsch und Cola beinhaltet habe, als dies sicherlich heute der Fall sei.

Zum Unternehmer

Millionen von Falafelkugeln hat er nach eigenen Angaben schon gemacht, und trotzdem hat er von seiner Küche nicht genug. «Und dass ich sie nach achtzehn Jahren noch mag, braucht einiges», sagt er. Sein Credo: Der Teig werde aus getrockneten Kichererbsen gemacht und dürfe nicht älter als 36 Stunden sein. «Sonst schmeckt es einfach nicht luftig.»

Derzeit arbeiten sechs Personen für ihn, zur Eröffnung des Restaurants muss er auch mehr Leute anstellen. Auch sonst dürfte sich einiges für ihn verändern: «Bisher war ich Liebhaber, nun werde ich Unternehmer», sagt er stolz.

Berner Zeitung

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