Fahrverbot am Viererfeld

Bern

Seltsam: Die Stadt Bern sperrt ein Stück der Studerstrasse und will damit die Reichenbachstrasse entlasten. Länggass-Bewohner gelangen nur noch auf Umwegen auf die Autobahn.

Das war einmal: Von der Engestrasse gibts kein Abbiegen mehr in die Studerstrasse (Archivbild/Beat Mathys)

Das war einmal: Von der Engestrasse gibts kein Abbiegen mehr in die Studerstrasse (Archivbild/Beat Mathys)

Ein neues Fahrverbot stösst bei vielen Länggass-Bewohnern auf Unverständnis: Seit kurzem hat die Stadt die Studerstrasse im Berner Neufeld gesperrt – wegen der Schulwegsicherheit, begründet Renato Grassi von der Verkehrsplanung Stadt Bern das Fahrverbot. Doch in erster Linie soll gar nicht dieser kurze Abschnitt vom Verkehr befreit werden. Das Ziel ist, den Schleichverkehr zwischen Zollikofen und Neufeld, der den Kastellweg und die Reichenbachstrasse nutzt, zu unterbinden. «Verkehrszählungen haben gezeigt, dass ein Grossteil des Durchgangsverkehrs auf dieser Achse über die Studerstrasse führte.»

Mit dem Fahrverbot will die Stadt ein altes Problem lösen. Schon 1997 beabsichtigte sie nämlich, die Reichenbachstrasse auf einem Teilstück zu sperren. Gegen das Vorhaben gab es Beschwerden. Zweimal unterlag die Stadt mit ihrem Ansinnen.

Höhere Schulwegsicherheit

Doch nun nimmt sie einen neuen Anlauf. Und zwar aufgrund eines Vorstosses aus dem Stadtrat. Dieser kommt nicht aus rot-grünen Kreisen, sondern von FDP-Stadtrat Christophe Weder. Er schlug der Stadt vor, einen erneuten Versuch zur Sperrung der Reichenbachstrasse zu unternehmen, damit die Schulwege zwischen Aaregg, Rossfeld und Hochfeld sicherer würden.

«Ein Grossteil des Durchgangsverkehrs führte über die Studerstrasse.»Renato Grassi, Verkehrsplanung Stadt Bern.

Eine Sperrung der Studerstrasse hatte er nicht angeregt. Doch laut Grassi kamen Vertreter der Quartierkommission Länggasse-Engehalbinsel (QLE), des Elternrats Rossfeld und des Engehalbinsel-Leists zum Schluss, dass der gesperrte Abschnitt auf der Studerstrasse die beste Lösung sei, den Durchgangsverkehr zwischen dem Autobahnzubringer Neufeld, dem Gebiet rund ums Viererfeld sowie im Rossfeldquartier zu reduzieren und somit die Schulwegsicherheit zu erhöhen.

Als Abkürzung missbraucht

Die Verkehrsplaner gehen davon aus, dass die Reichenbachstrasse vor allem als Abkürzung von der Autobahnausfahrt Neufeld in Richtung Zollikofen missbraucht wird. Allerdings sind nun auch viele Länggass-Bewohner die Leidtragenden. Wenn sie auf die Autobahn oder über die Halenbrücke in die Ortschaften im Norden fahren wollen, haben sie nur noch zwei Möglichkeiten: über die Schützenmatte und die chronisch verstopfte Tiefenaustrasse in den Neufeldtunnel. Oder über die Länggassstrasse, die aufgrund der Volksabstimmung von 2002 längst verkehrsberuhigt sein müsste. Die Verkehrsplaner beurteilen diese Umwege «als zumutbar».

Die Verkehrsplanung will zudem bald Verkehrszählungen durchführen, um die Auswirkungen der Sperrung zu überprüfen und allfällige Verbesserungen zu planen. Bussen wurden an der Studerstrasse noch nicht verteilt. «Erfahrungsgemäss führt die Kantonspolizei nicht unmittelbar nach der Einführung einer neuen Verkehrsführung Kontrollen durch», erklärt Grassi.

Berner Zeitung

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