Bern

«Fahr Bar» braucht neuen Standort

BernSeit zwei Jahren verschenken Jugendliche an ihrer «Fahr Bar» auf dem Berner Bahnhofsplatz Getränke an Passanten. Damit ist jetzt Schluss.

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Jugendliche und strecken Passanten einen Becher mit dampfendem Punch entgegen. Im Sommer gibt es ein kühles Getränk und manchmal sogar ein Crèpes. Ein Geschenk? Einfach so? Einige greifen zu, anderen machen dennoch einen Bogen um sie. Der Jugendarbeiter David Wöhrle meint dazu: «Heute gibt es ja nichts mehr gratis. Nichts kommt mehr ohne Promotionen.» So entstand vor zwei Jahren auch ihre Idee für die «Fahr Bar». Seit anderthalb Jahren sind sie regelmässig auf dem Bahnhofsplatz anzutreffen, dazugekommen ist auch die «Geniess Bar» und sogar einige Stammgäste.

Damit ist nun Schluss. «Unsere Wagen gelten als Marktstände, weshalb wir unter das Marktgesetz fallen», erklärt der 32-jährige Wöhrle. Somit ist selbst fürs Verschenken eine Bewilligung nötig. Das bestätigt Marc Heeb, Leiter der Orts- und Gewerbepolizei: «Wer auf öffentlichem Grund etwas abgibt oder verkauft, gratis oder gemeinnützig, braucht eine Bewilligung dazu.» Auch ein Abfallkonzept müsse jeweils vorliegen, das von Entsorgung und Recycling Bern geprüft werde. Das Abfallreglement, welches seit 2007 in Kraft ist, verlangt in jedem Fall Mehrweggeschirr. Mehrere Vorstösse für Ausnahmeregelungen sind im Stadtrat sind gescheitert. So wurde auch der Antrag der «Fahr Bar» abgelehnt.

Krasse Botschaft an Jugendliche

Ganze zwei Jahre hat es gedauert, bis die Gewerbepolizei sie kontrollierte. Selbst Polizisten hätten die Jugendlichen ein Getränk angeboten. Die Beamten lehnten ab, hätten die Idee aber gerühmt. An Aufhören denke man sowieso nicht: Die Aktion habe von den beschenkten Personen und von den Jugendlichen viel Lob erhalten. «Bis hin zu Tränen einer älteren Dame, haben wir vieles erlebt», erinnert sich Wöhrle. «Es ist schade» kommentiert Wöhrle den Entscheid der Gewerbepolizei, «aber ich verstehe es, da viele ein Stück der Stadt wollen.» Der Entscheid sei aber eine krasse Botschaft der Stadt an die Jugendlichen, die eben nicht nur herumhängen und nichts tun.

Eine Möglichkeit in der Innenstadt zu bleiben, wäre im Hauptbahnhof, der in Privatbesitz der SBB ist. «Da haben wir angefragt und müssten 90 Franken bezahlen», erklärt Wöhrle. Mit den Ausgaben der Waren sei dies dann zu teuer. Finanziert wird die Bar von der kirchlichen Jugendarbeit «New Life» an der Fabrikstrasse. «Wir wollen nicht missionieren. Die Jugendlichen sollen in Kontakt mit allen Generationen kommen und erfahren, wie schön schenken ist», betont Wöhrle.

«Wir lassen den Kopf nicht hängen, sondern versuchen anderswo Leute zu beschenken», erklärt der Jugendarbeiter. Beispielsweise in Bern West oder im Wankdorf gebe es einige private Plätze, deren Besitzer sie anfragen wollen. «Die Gewerbepolizei hilft uns sogar dabei, die Plätze zu finden», sagt er erfreut. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.12.2012, 13:59 Uhr

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