Exklusive Plauderstunde

Bern

Konzert Theater Bern stellte sich den Fragen des Publikums. Leider war das Publikum nicht da.

<b>Die Theaterleitung war nur knapp in der Unterzahl:</b> Xavier Zuber, Estefania Miranda, Cihan Inan.<p class='credit'>(Bild: Enrique Muñoz García)</p>

Die Theaterleitung war nur knapp in der Unterzahl: Xavier Zuber, Estefania Miranda, Cihan Inan.

(Bild: Enrique Muñoz García)

Michael Feller@mikefelloni

«Frühstücksquartett» hiess am Sonntagmorgen die Premiere der anderen Art von Konzert Theater Bern. In der Vierten Wand, dem neuen Theatercafé in der ehemaligen Kornhauspost, testete das Vierspartenhaus sein neues Format.

Ein Trio mit Musikchef Xavier Zuber, Tanzleiterin Estefania Miranda und Schauspielleiter Cihan Inan stellte sich auf dem Podium den Fragen. Der Vierte im Frühstücksquartett sollte das Theaterpublikum sein, das ebendiese Fragen stellt.

Leider war aber das Publikum nicht da, oder fast nicht: Nur ein gutes Quartett älterer Theaterfans hatte sich eingefunden. Damit die Sache nicht allzu kurz geriet, übernahm Betriebsdirektor Olaf Schmidt die Fragerei, nachdem er den «tapferen kleinen Kreis» begrüsst hatte. Er befragte die drei Spartenleiter zu je einer erfolgreichen Produktion der ersten Spielzeithälfte.

Estefania Miranda durfte Hintergründe zur allseits umjubelten Tanzproduktionen «Vier Jahreszeiten» erzählen, Cihan Inan sprach über «Der Mann ohne Eigenschaften», den 4-Stunden-Theaterbrocken, der zur Verwunderung aller zum Publikumsrenner wurde. Und Xavier Zuber taumelte ausgehend von «La Bohème» zu ganz grundsätzlichen Betrachtungen über das Wesen der Oper.

Man könnte sich unter dieser Versuchsanordnung eine aufbrausende Gästeschar vorstellen, die die Leitungscrew über unpräzise Operninszenierungen, über holprige Tanzchoreografien oder über nackte Penisse im Theater löcherte. Aber nichts von all dem passierte natürlich. Das «Frühstücksquartett» wurde zur durchwegs harmlosen Plauderstunde – wie es halt ist, wenn sich das Theater selbst befragt.

Ganz ohne Reiz war die Plauder-Premiere dann doch nicht. Besonders Zubers bisweilen abenteuerlicher Blick auf die Welt war durchaus unterhaltsam. Er verglich das «inflationäre Sterben» in den TV-Serien mit der Oper, dieser «Fabrik der Emotionen»: «Die Oper feiert das Leben!» Er sprach von Vergänglichkeit. («Ich seh am Morgen in den Spiegel und denke: Ach du grüne Neune!») Und der Grundfrage, die die Oper umtreibe: «Wieso singt der Mensch in dieser Situation?»

Und das Publikum? Das durfte dann doch noch Fragen stellen. Mehr als Lobhudelei der Fans gab es aber nicht. Der Rahmen war wohl zu intim, dass sich jemand getraut hätte, auf den Tisch zu hauen. Bald war es zehn vor zwölf, Betriebsdirektor-Moderator Schmidt äusserte sein Bedürfnis nach einem Glas Weissen, mit dem er die Schlussrunde einläutete. Die Spartenleiter sollten nun von ihrer Planung für die nächste Saison reden, ohne wirklich etwas zu verraten.

Estefania Miranda gelobte weiterzumachen wie bisher – mit gutem Grund, ihre Sparte weist die besten Auslastungszahlen des Betriebs vor. Auch Cihan Inan stellte fürs Schauspiel weiterhin viele Uraufführungen zu Berner Stoffen in Aussicht. Zuber kündigte eine Zusammenarbeit mit der Hochschule der Künste Bern (HKB) an, die Gesangshochschülern kleine Rollen bescheren soll.

Eine Kooperation, wie sie in der Theatersparte schon existiert. «Wir sind ein Ausbildungsbetrieb.» Die Runde nickte einig. Dass hier noch bei Saisonstart die grosse Krise herrschte, nachdem Intendant Stephan Märki gehen musste, davon war nie etwas zu spüren. Dann mischte sich die Runde unter die Gäste, der Weisse wurde serviert, was sich auch Orchester-Chefdirigent Mario Venzago nicht entgehen liess, der auch noch auftauchte.

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