Erstes Babyfenster in Bern ist in Betrieb

Bern

Nun steht auch in Bern ein Babyfenster für Mütter in äussersten Notsituationen bereit. Fachleute suchen aber auch nach anderen Möglichkeiten, Frauen und Neugeborenen zu helfen. Etwa mit vertraulichen Geburten im Spital.

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Bereits ist das Babyfenster auf allen Wegweisern des Berner Lindenhofspitals angegeben. Verzweifelte Mütter finden den Weg zum Fenster problemlos, das sich von aussen öffnen lässt, damit sie ihr Kind ins Bett dahinter legen und den Brief an sich nehmen können, der dort liegt. Er enthält Kontaktadressen sowie den Hinweis, dass sie sich mit der Abgabe nicht strafbar machen.

Den Müttern bleibt Zeit, sich wieder zu entfernen, erst nach drei Minuten geht bei den Pflegenden des Spitals ein Alarm los, sodass sie sich um das Kind kümmern können. Es wird untersucht und bleibt einige Tage im Spital. Dieses informiert die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde, welche für das Baby eine Pflegefamilie sucht. Dort bleibt es einige Monate, erst nach einem Jahr wird es zur Adoption vermittelt. Während dieser Zeit können die Mütter ihr Kind zurückfordern.

So schilderte es Dominik Müggler, Präsident der Schweizerischen Hilfe für Mutter und Kind. Diese Stiftung betreibt mit der privaten Spitalgruppe Lindenhof das Babyfenster und leistet auch finanzielle Hilfe.

Auch nachts ist jemand da

Der Standort beim Lindenhof sei ein Glücksfall, sagte Müggler. Er sei verkehrstechnisch gut erreichbar, das Spital habe einen 24-Stunden-Betrieb, eine grosse Geburtenabteilung und einen Notfall. Für eine Mutter in Not sei es wichtig, das Kind gut versorgt zu wissen. Er erzählte von einer Frau, die sich bei der Stiftung meldete – 20 Minuten, nachdem sie ihr Kind in ein Babyfenster gelegt hatte.

Sie wollte wissen, ob es dem Kind gutgeht. «Unser Ziel ist, Kontakt zwischen Mutter und Kind herzustellen», sagte Müggler. Er betonte aber, dass Mütter anonym bleiben können, wenn sie das wollen. Die Behörde habe zwar den Auftrag, nach den Eltern des abgegebenen Kindes zu suchen. Es reiche dazu aber eine Medienmitteilung mit dem Aufruf, dass sich die Eltern melden sollten.

Belastende Situation

In Einsiedeln gibt es seit 2001 ein Babyfenster, später folgten Davos und Olten. In Einsiedeln wurden bisher acht Babys abgegeben. Sieben seien falsch abgenabelt gewesen, so Müggler. Die meisten seien untergewichtig gewesen und hätten eine zu tiefe Temperatur gehabt. Das deute darauf hin, dass die Situation bei der Geburt schwierig gewesen sei.

Auch für die Kinder ist die Situation belastend, wenn sie anonym abgegeben werden. «Die eigene Herkunft nicht zu kennen, ist ein Risikofaktor für die Identitätsentwicklung. Kinder haben ein Recht darauf, ihre biologischen Wurzeln zu kennen», sagt Anna Bütikofer, stellvertretende Leiterin des Jugendamts des Kantons Bern. In einem Interview mit dem «Bund» wies Daniel Surbek, Chefarzt an der Frauenklinik des Inselspitals, auf einen weiteren Punkt hin: Die Probleme der Frau seien mit einem Babyfenster nicht gelöst.

Man gebe damit die Frau auf, weil man keinerlei Möglichkeit habe, sie zu unterstützen. Verschiedene Politiker auf nationaler Ebene machen denn auch auf Alternativen aufmerksam, die in verschiedenen Spitälern angeboten werden. So gibt es etwa vertrauliche Geburten, bei denen Frauen ihr Kind im Spital gebären und sofort zur Adoption freigeben. Sie geben zwar ihre Personalien an, doch diese werden vertraulich behandelt.

Die Alternativen

Zudem wurde die Forderung nach rechtlichen Grundlagen für eine anonyme Geburt laut, dass also eine Frau ganz ohne Angaben zu ihrer Identität ihr Kind im Spital zur Welt bringen kann. Wie Surbek im Interview sagte, gibt es im Inselspital etwa ein halbes Dutzend vertrauliche Geburten und höchstens eine anonyme Geburt pro Jahr. Jede Frau werde bei der Geburt betreut, auch ohne Ausweis.

Im Lindenhof hingegen werden laut CEO Jean-François Andrey keine anonymen Geburten betreut. Dies obwohl die Spitalgruppe in den Unterlagen zum Babyfenster festhält, das Wohl von Mutter und Kind stehe aus ihrer Sicht über allen ethischen und politischen Diskussionen.

Berner Zeitung

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