Bern

Erster Schritt zum «F» für Frau

BernEin Gerichtstermin und ein Erlebnis in der Verwaltung: Die Transsexuelle und ehemalige Schwefelbergbesitzerin Claudia Meier kämpft dafür, dass sie auch amtlich als Frau gilt.

Claudia Meier heute: Bereit für neue Gastro-Ideen und im Kampf für das «F».

Claudia Meier heute: Bereit für neue Gastro-Ideen und im Kampf für das «F». Bild: Stefan Anderegg

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Dass es in ihrem Kampf um mehr als nur einen blossen Buchstaben geht, wurde ihr erst vorgestern wieder richtig bewusst. Claudia Meier wollte sich auf der Berner Stadtverwaltung als Neuzuzügerin anmelden, als sie einen fragenden Blick erntete. «Das ist sicher ein Fehler», stellte die Frau am Schalter fest, als sie die Daten aus dem Heimatschein in den Computer tippte. Kein Wunder, unübersehbar stand dort neben dem Namen Claudia Meier ein M – «M» für Mann.

Dieses M stammt aus den Zeiten, in denen Claudia Meier ein Mann war und im Schwefelbergbad wirtete. Anderthalb Jahre ist es her, dass sich die Transsexuelle geoutet und ihr Leben in neue Bahnen gelenkt hat. Dazu gehört, dass sie nach einem Gang durch die Instanzen heute statt Andreas eben Claudia Meier heisst. Dazu gehört, dass sie das Schwefelbergbad verkauft hat und sich nun in der Stadt Bern eine neue Existenz aufbauen will. Und dazu gehört, dass sie alle Hebel in Bewegung setzt, damit aus dem M in ihren Papieren ein F wird – «F» für Frau.

Um dies auch ohne vorgängige geschlechtsangleichende Operation zu erreichen, hat sie Klage erhoben. Gestern hat sie sich dazu ein erstes Mal vor der Zivilrichterin geäussert. Sie sei guten Mutes, dass sie ihr Ziel erreiche, sagte sie nach der Verhandlung. Allerdings werde sie nun zwei, drei Monate warten müssen, und dies sei schlimm. Sie kommt zurück auf ihr Erlebnis in der Stadtverwaltung, erzählt, wie sie sich am Schalter erklären musste und die Angestellte vergeblich versuchte, sie im Computer als Frau zu erfassen. Damit werden alle amtlichen Dokumente und Rechnungen mit der Anrede «Herr Claudia Meier» ausgestellt.

«Ich möchte in der Anonymität der Stadt als Frau leben», stellt sie ernüchtert fest. «Und werde nun vom Staat gezwungen, mich dauernd outen zu müssen.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.06.2012, 11:45 Uhr

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