Erdbeeren machen Nachbarn sauer

Zäziwil

Landwirt Reto Schürch will in Zäziwil mehr als doppelt so viele Erdbeeren anpflanzen wie bis anhin. Widerstand gegen die Umzonung scheiterte, vergiftet aber das nachbarschaftliche Klima.

Landwirt Reto Schürch inmitten seiner 45000 Erdbeerpflanzen. Inskünftig sollen es mehr als doppelt so viele sein.

Landwirt Reto Schürch inmitten seiner 45000 Erdbeerpflanzen. Inskünftig sollen es mehr als doppelt so viele sein.

(Bild: Urs Baumann)

Intensive Landwirtschaft betreiben sowohl der Jungbauer Reto Schürch als auch sein Nachbar Urs Grunder. Der ehemalige Zäziwiler Gemeindepräsident Grunder setzt auf Kern- und Steinobst, Schürch immer mehr auf Erdbeeren. Die rund 45'000 Pflanzen wachsen in Plastiktöpfen etwa 1,50 Meter über dem Boden unter einem 4,5 Meter hohen Plastikdach.

Eine computergesteuerte Anlage versorgt jede Pflanze mit Nährlösung. Diese Flüssigkeit bleibt in einem geschlossenen Kreislauf und wird wiederverwendet. Das Regenwasser fliesst in eine Sickergrube. «Alles ist kontrolliert und sauber. Das ist ja auch in unserem Interesse», sagt Schürch, der vor acht Jahren zusammen mit seinem Vater beschlossen hat, statt auf Äpfel und Zwetschgen auf den Intensivanbau von Erdbeeren zu setzen.

Bei den Stein- und Kernobstbäumen gab es zunehmend Probleme wegen Krankheiten, beispielsweise wegen des Feuerbrands. Jetzt wachsen in Zäziwil auf 5000 Quadratmetern Erdbeeren, auf angrenzendem Höchstetter Gebiet auf 2500 Quadratmetern. Diese Fläche ist zu gross, um legal zu sein. Mit dem Umzonen von Landwirtschafts- in Intensivlandwirtschaftszone ist sie rechtens.

Umzonung bewilligt

Weil die süssen Früchte bei den Grossverteilern sehr gefragt sind, will der 34-jährige Landwirt auf weiteren 7000 Quadratmetern Erdbeeren pflanzen sowie auf zusätzlichen 2500 Quadratmetern in Grosshöchstetten. Die Gemeindeversammlung hat Schürchs Erweiterung und Umzonung klar bewilligt. Der Rückweisungsantrag eines Bürgers wurde abgewiesen.

Schürchs Nachbar Urs Grunder hatte den Antrag unterstützt, weil die neue Anlage in einen Gewässerschutzbereich gebaut und das Ortsbild beeinträchtigen würde. «Aber das Hauptproblem ist der Abstand zu den angrenzenden Liegenschaften», sagt Urs Grunder. Als ehemaliger Gemeindepräsident mische er sich zwar nur ungern ein.

Als Landwirt unterstütze er zwar solche Intensivanlagen. Aber: «Der Gemeinderat hätte mit allen Beteiligten reden und die Abstände gemeinsam regeln müssen.» Er habe im Namen von nicht stimmberechtigten Nachbarn die undankbare Aufgabe übernommen, an der Versammlung den Rückweisungsantrag zu unterstützen.

Vergiftetes Klima

Das Klima zwischen Reto Schürch und Nachbar Urs Grunder ist seit der Gemeindeversammlung arg abgekühlt. Schürch kann nicht nachvollziehen, warum Grunder den Antrag unterstützte. Probleme gab es bisher kaum. «Wir haben etwa wegen des Feuerbrands und des Hagelschutzes zusammengearbeitet», sagt Schürch.

Noch angespannter ist das Verhältnis mit der Familie Lossel oberhalb von Schürchs Hof. Lossels hatten schon vor acht Jahren gemeinsam mit anderen Anwohnern gegen die Erdbeerintensivanlage Einsprache erhoben. Darauf folgten unerfreuliche Briefwechsel. Beispielsweise, weil flatternde Plastikfolien für Lärm sorgten. Schürchs Erdbeertunnel stiessen auf grossen Widerstand: Wegen vieler negativer Mitwirkungseingaben hat die Gemeinde 2006 den Versuch, Intensiv-Landwirtschaftsland einzuzonen, abgebrochen.

«Wir werden auch jetzt wieder Einsprache erheben, wenn es um ein Baugesuch für neue Plastiktunnel geht», betont Schürchs Nachbar Matthieu Lossel. Er befürchtet, dass seine Liegenschaft erheblich an Wert verliert, wenn bis zur Grundstücksgrenze hohe Plastiktunnel stünden.

«Chance für Bauer»

Gemeindepräsidentin Elsa Nyffenegger (SVP) dagegen freut sich, dass die Gemeindeversammlung der Umzonung so klar zugestimmt hat. Ihr ist bewusst, dass es gegen die Erweiterung von Reto Schürchs überdachten Erdbeerkulturen Widerstand geben wird. «Wir werden allfällige Einsprachen ernst nehmen und hoffen, sie bereinigen zu können», sagt die Gemeindepräsidentin, überzeugt, dass alles rechtens zuging und die Ängste der Anwohner unbegründet sind. «Man muss einem jungen Bauern die Chance geben, sich weiterzuentwickeln», ist die Gemeindepräsidentin überzeugt.

Berner Zeitung

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