Münchenbuchsee

Er will die ganze Region verkuppeln

MünchenbuchseePatrick Brayenovitchs Geschäftsidee soll ihm und Singles Erfolg bringen. Der «Singlecoach» trainiert, wie man einen Partner findet. Als früherer Verkaufsleiter setzt er auf Kommunikation und Werbestrategien – sprich: flirten, flirten, flirten.

Flirten als Verkaufsgespräch: Patrick Brayenovitch erklärt, wie es zum «Vertragsabschluss» kommt.

Flirten als Verkaufsgespräch: Patrick Brayenovitch erklärt, wie es zum «Vertragsabschluss» kommt. Bild: Urs Baumann

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Eine Frau sitzt an einem Tisch, ein Mann setzt sich zu ihr, sagt «Hallo», ist nervös, spielt mit den Händen. Mit ihrer Hilfe ergibt sich ein Gespräch, am Schluss bekommt er sogar ihre Nummer. Treuherzig schaut er zu Patrick Brayenovitch, der daneben sitzt und die Szene beobachtet. «Den Anfang hast du völlig versaut!», sagt dieser. Wenn man eine Frau anspreche, müsse man sicher auftreten, ein interessantes Thema bringen, entschlossen wirken. Der Teilnehmer nickt.

Deshalb ist er ja da: Er ist Single und möchte es nicht mehr sein. Patrick Brayenovitch aus Münchenbuchsee will ihm helfen, in vier Lektionen à 2 Stunden seine Unsicherheiten zu überwinden, um so endlich eine Partnerin zu finden. Weil Brayenovitch zum ersten Mal als Singlecoach einen Kurs durchführt, kostet diese Hilfe nur 320 Franken statt 540.

Idee aus Deutschland

Für den ersten Kurs haben sich fünf Teilnehmer gefunden, vier jüngere Männer und eine etwas ältere Frau. Fast alle haben sich angemeldet wegen eines Artikels im «20 Minuten», worin Brayenovitch sich als Experte zu Partnerschaftsfragen äussert. Die Gratiszeitung war durch Google auf ihn gestossen – seine Homepage figuriert bei vielen Suchmaschinen ganz vorne. «Das habe ich bewusst so eingerichtet», gibt Brayenovitch offen zu.

Ähnlich offen erzählt Brayenovitch, welche Ausbildung er zum Singlecoach absolviert hat: nämlich keine. Vom Konzept erfuhr er durch einen Freund aus Deutschland, wo Single Coaching in Grossstädten wie Berlin angeboten wird. «Es gibt in der Schweiz gar keine Ausbildung dazu», sagt Brayenovitch. Stattdessen hat er sich in Fachliteratur vertieft und profitiert von seiner Tätigkeit als Mediator – auch wenn er dort vor allem mit Scheidungen zu tun hat: «Beziehungen in ihrem ganzen Spektrum interessieren mich.» Der 40-jährige Ehemann und Vater eines Sohnes ist momentan zu 100 Prozent selbstständig; seit Anfang Jahr arbeitet er nicht mehr auf seinem Beruf als Verkaufsleiter.

«Felsenfest überzeugt»

Den Verkaufsleiter merkt man ihm an, wenn er auf einer Flipchart fünf Schritte zum erfolgreichen Flirten aufzeichnet und abschliesst mit: «Am Ende muss es ein Nutzungsangebot geben.» Das heisst: Ist das Gegenüber beispielsweise gern in der Natur, schlägt man eine Wanderung vor. Flirten sei ein Verkaufsgespräch mit besonderen Regeln, sagt der Coach und verrät das Erfolgsrezept: «Mit Freude flirten, möglichst immer und überall flirten, strategisch flirten.»

Das ist einfacher gesagt als getan, besonders für schüchterne Menschen wie einige der Kursteilnehmer. Brayenovitch will ihre Hemmungen wegtrainieren und bietet dazu gleich die passenden Plattformen: Speed-Dating, Singleapéro und Flirtdinner, die alle im Restaurant Kreuz in Zollikofen stattfinden sollen. Noch hat Brayenovitch dafür nicht genügend Anmeldungen erhalten.

Ein Problem, das auch andere Veranstalter kennen. «Ich bin jedoch überzeugt, dass das Bedürfnis nach solchen Treffen in der Region besteht», sagt Brayenovitch, der seine Frau bei der Arbeit kennen gelernt hat. Vom allseits beliebten Onlinedating seien mittlerweile viele enttäuscht.

Den Macker raushängen

Die Kursteilnehmer machen die abwechslungsreichen Übungsschritte zum selbstbewussten Flirten begeistert mit. «Nach unseren ersten zwei Kursabenden fühlen sich viele schon selbstbewusster», stellt Brayenovitch fest. Zum Schluss bekommen seine Schützlinge Hausaufgaben. Einer soll sich hellere Kleidung kaufen, ein anderer auf fremde Personen zugehen und ein Dritter «den Macker raushängen». Brayenovitch arbeitet eher mit klassischen Rollenmustern. «Das ist Evolution», erklärt er knapp. Urtriebe also, die in der heutigen Zeit nur noch ein wenig des Trainings bedürfen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.09.2011, 09:13 Uhr

Infobox

Die Region datet im Internet 26,5 Prozent der Personen zwischen 18 und 69 Jahren in der Region Bern sind Single, so viele wie nirgendwo sonst in der Schweiz. Dies besagt eine nach eigenen Angaben repräsentative Studie der Onlinepartneragentur Parship.ch.

Obwohl mehr als jeder Vierte keinen Partner hat, finden sich in der Region nur wenig Anlässe für Alleinstehende. Beharrlich hält sich die monatliche «Tanzparty für Singles» im Bären Ostermundigen – doch deren Gästezahl ist von früher rund 150 stark geschrumpft.

Womöglich hat das Internet die traditionellen Plattformen zum Kennenlernen verdrängt. So zumindest sieht das Rolf Grünig, der Besitzer vom Berner Café Black. In den 80er-Jahren tauschten Singles in seinem Café in der Amthausgasse rege Liebesbriefe aus.

«Das wäre heute in Zeiten von Handy und Facebook aber nicht mehr möglich», sagt Grünig. Auch Franziska Milena Müller, Inhaberin der Partneragentur Cordial Bern, plante früher Singletreffen.

Nun hat sie dieses Konzept aufgegeben und setzt nur noch auf Onlineprofile und herkömmliche Partnervermittlung. Sie erklärt: «Viele Singles sind von der Idee abgeschreckt, unter mehreren fremden Menschen – und in gegenseitiger Konkurrenz – auf Partnersuche gehen zu müssen.» (afo)

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