Enormes Echo auf Mansours Berner Auftritt

Bern

Tausende Leser haben die starken in Bern geäusserten Worte des Muslimen Ahmad Mansour gelobt und weiterverbreitet.

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Stefan von Bergen@StefanvonBergen

Wie ein Lauffeuer hat sich in den letzten Tagen das Gesprächsprotokoll ausgebreitet, das die «Berner Zeitung am Samstag vom Berner Auftritt des palästinensischen Psychologen Ahmad Mansour publizierte. Rekordzahlen an Klicks erzielen meist spektakuläre Newsmeldungen, im Sommer etwa vom Hochwasser im Emmental.

Das lange, dichte Gespräch mit Mansour nach dem Anschlag in Paris aber erhielt gleich viel Aufmerksamkeit. Vier Tage lang war es der meist angewählte Artikel auf www.bernerzeitung. ch. Über 66'000 Leserinnen und Leser klickten sich in den Text und schrieben über 90 Onlinekommentare dazu. Auf Facebook verbreiteten über 20'000 Personen Mansours Worte im ganzen deutschsprachigen Raum weiter, ebenso auf Twitter.

Dezidierte Worte

Am Tag nach dem Massaker auf der Redaktion von «Charlie Hebdo» wurde Mansours Auftritt an der Kader- und KV-Schule WKS in Bern zu einem eindrücklichen Statement. Am Donnerstagmorgen hatte die Schulleitung noch mangelhaftes Interesse befürchtet, am Abend war die Schulaula voll, als Mansour Lehrer Philip Wegmüller und den Schülern Red’ und Antwort stand über die Lage des Islam und seine Arbeit in Berlin mit radikalisierten jugendlichen Muslimen.

Das Echo erklärt sich auch daraus, dass Mansour im Schreckmoment nach dem Anschlag leidenschaftliche und dezidierte Worte fand, die über das kollektive «Je suis Charlie»-Gefühl hinausgingen. Er legte dar, dass radikale Muslime, aber auch Islamfeinde beide an einer Angstspirale drehen; wie eine drastische Auslegung als Angst- und Strafreligion den ganzen Islam bedroht und dass die Muslime leider keine Antwort auf Radikalismus in ihren Reihen haben.

«Es ist einfach unglaublich»

Die fast einhellig positiven Kommentare zu Mansours klärenden Worten zeigen: Er war die richtige Stimme zur richtigen Zeit. Ein Muslim, der sich nicht scheut, Muslime zur kritischen Selbstbetrachtung und Nicht-Muslime zur Differenzierung aufzufordern. Was seine in Bern geäusserten Worte auslösen, hat Mansour auch in Berlin mitbekommen.

«Es ist einfach unglaublich, wie viele Menschen mich deshalb anrufen oder mir schreiben, das freut mich unendlich», sagt er und verdankt die Anerkennung seines Engagements für die Verständigung. Besonders erfreulich ist: Auf die mutigen Worte Mansours, der von radikalen Muslimen schon bedroht worden ist, gab es bis jetzt keine gehässigen Reaktionen.

Berner Zeitung

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