Endlich wird der Dorfbach gebändigt

Schwarzenburg

Im Sommer 1985 überschwemmte der Dorfbach ganz Schwarzenburg. Trotz der immensen Schäden dauerte es über 20 Jahre, bis der Hochwasserschutz realisiert werden konnte. Mitte Januar beginnen die Arbeiten zur vierten und letzten grossen Etappe, mitten durchs Dorf.

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Anna Tschannen

Mitten durch Schwarzenburg schlängelt sich der Dorfbach – in einem engen Bett zwischen Wohnhäusern, Parkplätzen und Geschäften hindurch. Das wird sich im Verlauf dieses Jahres ändern: Am 13.Januar beginnen die Arbeiten zur vierten Etappe des Hochwasserschutzes. Es ist noch nicht die letzte, aber die letzte grosse Etappe des gesamten Sanierungspakets, das im Dezember 2007 von der Gemeindeversammlung genehmigt wurde. Sicher ist, dass es die einschränkendste Etappe wird. Für Anwohner, Detailhändler und Besucher wird das Jahr von Baustellen geprägt sein. In drei Tranchen von je drei bis vier Monaten arbeiten sich die Bauleute in Fliessrichtung durch das Dorf (siehe Grafik in der Bildstrecke).

«Es ist klar, dass die Bauzeit für die Leute im Dorf unangenehm wird», sagt Gemeindepräsident Ruedi Flückiger (SP), der gleichzeitig Präsident der Hochwasserschutzkommission ist. Dennoch ist er froh über die Arbeiten – mit der Verbreiterung des Dorfbachs wird die Gefahr gebannt, dass das Zentrum erneut unter Wasser gesetzt wird.

Ende 2012 bleibt nur noch der Engpass unter der Bahnhofstrasse übrig, gleich vor dem Gemeindehaus. Dieser ist gekoppelt an ein Projekt des Kantons, diese Kreuzung in einen Kreisel umzuwandeln. Flückiger hofft, dass diese Arbeiten Anfang 2013 gemacht werden können. «Wir sind mit dem Kanton auf gutem Weg, es geht immer lange, bis ein Strassenprojekt realisiert werden kann», so Flückiger.

Bachbett wird breiter

Die Bauetappe durch das Dorf sieht vor, den Bach so zu verbreitern, damit neun Kubikmeter Wasser pro Sekunde durchlaufen können. Das geht nur stellenweise, darum wird der Bach an einigen Orten unter Auskragungen geführt, um Zufahrten sicherzustellen oder Parkplätze zu erhalten. An anderen Stellen wird die Mauer höher. Zudem werden im oberen Dorfteil einige Hindernisse im Bachbett beseitigt, wo sich im Fall von Hochwasser das Geschiebe stauen würde. Der Platz neben dem Denner wird schmaler, damit der Bach mehr Raum hat.

Dort wird auch ein kleiner Wermutstropfen sichtbar: Nach den Arbeiten muss entlang des Baches ein Zaun aufgestellt werden, die Sicherheitsvorschriften schreiben dies vor. Das wird den Charakter des Bachs in Schwarzenburg verändern. «Wir haben uns für eine feine Konstruktion mit Drahtseilen entschieden», sagt Ruedi Flückiger. Sonst bleibt das Gesicht des Dorfes gleich – die vielen Brücken und Stege sollen unbedingt erhalten bleiben.

Dreimal Nein zum Schutz

Die Geschichte des Hochwasserschutzes in Schwarzenburg ist lang und leidvoll: Mehr als 25 Jahre ist es her, seit am 4.Juli 1985 der Dorfkern von Schwarzenburg vom Hochwasser verwüstet wurde.

Unter dem Eindruck der Schäden in Höhe von 36 Millionen Franken leitete die Gemeindebehörde Schutzmassnahmen ein. Allerdings war die Bevölkerung nicht gewillt, die Projekte abzusegnen: Dreimal wurden die Pläne an der Gemeindeversammlung verworfen. Letztmals scheiterte das Schutzprojekt im Jahr 2001 vor allem am Widerstand der Landbesitzer in der Dorfmatte, die keine Auffangbecken wollten. Als aus fünf Becken nur noch eins geworden war, lenkten die Bürger ein und genehmigten 2003 einen Planungskredit und 2007 den Wasserbauplan und den Baukredit. Das Rückhaltebecken in der Dorfmatte ist gebaut und hat bei einem Unwetter im Juni 2010 bereits erste Dienste tun können. Damals wurde das Becken halb gefüllt.

Projekt teurer als 4,5 Millionen

Der gesamte Hochwasserschutz für das Dorf Schwarzenburg kostet voraussichtlich etwas mehr als die veranschlagten 4,5 Millionen Franken. Im Verlauf dieses Jahres könne man definitive Berechnungen anstellen, schätzt Flückiger. Die Gesamtkosten gehen zu je einem Drittel zulasten der Gemeinde, des Kantons und des Bundes.

Nach Bauende werden die Anwohner am Ufer des Dorfbachs wieder ruhig schlafen können: Mit dem Ende 2012 realisierten Schutz sollten auch Jahrhunderthochwasser keine Schäden mehr anrichten. Und selbst bei einem 300-Jahr-Hochwasser, wie das am 4.Juli 1985 eines war, kriegen die Schwarzenburger im schlimmsten Fall nicht mehr als nasse Füsse.

Öffentliche Infoveranstaltung zur vierten Etappe des Hochwasserschutzes: Mittwoch, 18. Januar 2012, um 20 Uhr im Ratsherrensaal des Restaurants Bären, Schwarzenburg.

Berner Zeitung

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