Einsprachen gefährden Kubus auf dem Waisenhausplatz

Jetzt wirds eng für Konzert Theater Bern: Gegen den «Theater-Kubus» auf dem Waisenhausplatz sind mehrere Einsprachen eingegangen.

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Michael Feller@mikefelloni

Er ist hoch, breit, und verdeckt die Sonne: der Kubus, das geplante Provisorium von Konzert Theater Bern. Von März bis Oktober 2016 soll er den Raummangel von Konzert Theater Bern auffangen. Dass mit der Ersatzspielstätte am Waisenhausplatznicht alles reibungslos verlaufen würde – damit war zu rechnen.

Jetzt, nach Ablauf der Einsprachefrist, ist gewiss: Das Projekt wirft seine Schatten bereits voraus. Stevo Nilovic, Co-Inhaber der Restaurants «Luce» und «Grissino» und damit doppelter Anrainer, hat am Montag Einsprache erhoben. Dies bestätigte sein Anwalt Michael Lauper am Dienstag. «Wir haben dies zur Fristwahrung getan. Das heisst nicht, dass die Verhandlungen mit Konzert Theater Bern gescheitert seien», sagte er.

Wirt bangt um Umsatz

In diese Verhandlungen war seitens Konzert Theater Bern Stiftungsratspräsident Benedikt Weibel involviert. Vergangenen Freitagabend sah er sich plötzlich mit einer neuen Forderung des Wirts konfrontiert. Dieser stellte nach Zugeständnissen von Konzert Theater Bern – die Restaurants hätten das Catering übernehmen können – höhere Ansprüche. «Er forderte eine inakzeptable Abfindung, auf die ich nicht einsteigen konnte», sagt Weibel.

Der Hintergrund des Zwists: Kommt der Kubus auf dem Waisenhausplatz zustande, ist der Wirt gezwungen, seine Terrassen zu verschmälern, damit die Versorgung der Läden und die Durchfahrt der Feuerwehr gewährleistet ist. Der Wirt befürchtet Umsatzeinbussen – die Weibel infrage stellt: «In meiner Zeit bei den SBB hatte ich oft mit Wirten zu tun. Frequenz gleich Umsatz. Die Restaurants können nur vom Kubus profitieren.»

Die Verhandlungen zogen sich über das Wochenende weiter, ohne Einigung. Nilovic hat den Faktor Zeit auf seiner Seite. Denn Konzert Theater Bern steht unter Druck: Das Vierspartenhaus musste seine Saison bereits einmal neu planen, als sich eine Verzögerung des Stadttheaterumbaus abzeichnete. Die Einsprachen gegen den Kubus schränken ein weiteres Mal die Planungssicherheit des Theaters ein. Entsprechend sauer reagierte am Dienstag Direktor Stephan Märki, der von «Erpressung» sprach. Verwaltungsratspräsident Weibel, besonnen, räumte hingegen ein, dass Einsprachen das gute Recht aller Anwohner seien. «Jetzt leben wir damit.»

Eine skurrile Geschichte am Rande ist, dass sich Wirt Nilovic offenbar über Nacht noch mit seinem früheren Anwalt überworfen zu haben scheint. Am Dienstagmorgen übernahm Michael Lauper das «Kubus»-Mandat.

Weitere Einsprachen

Nicht nur Nilovic ist mit dem Projekt unzufrieden. Weitere Anstösser haben eine Sammeleinsprache eingereicht. Dies bestätigte Véronique Salerno von der Sprachschule Inlingua am Dienstag auf Anfrage. «Wir haben Bedenken wegen der Sicherheit.»

Auf Widerstand verzichtet hat Pro Velo Bern, trotz der «Beeinträchtigung einer wichtigen Veloachse». Die Bedenken seien durch das Ansinnen der Stadt, «geschwindigkeitsdämpfende Massnahmen» zu erwägen, aus dem Weg geräumt. Die Einsprachen der Anwohner liegen nun beim Regierungsstatthalter, der darüber befinden wird.

Berner Zeitung

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