Einmal pro Woche spüren, dass sie willkommen sind

Andernorts in der Schweiz dürfen Asylsuchende nicht ins Schwimmbad. In der Berner Länggasse werden sie von Freiwilligen mit Kaffee und Kuchen bewirtet.

Am Kaffeetisch im Kirchgemeindehaus Paulus erleben Asylsuchende Gastfreundschaft.

Am Kaffeetisch im Kirchgemeindehaus Paulus erleben Asylsuchende Gastfreundschaft. Bild: Daniel Wietlisbach

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Es ist wie beim Kaffeekränzchen: Alle Eintreffenden werden herzlich begrüsst. Kaum sind die Besucher abgesessen, steht ein Teller mit Kuchen auf dem Tisch. Die Gastgeber servieren Kaffee und Tee, fragen, wie es geht. Es wird gelacht und geplaudert. Jemand steht auf, lässt die Sitzenden am Tisch zusammenrücken und macht ein Foto.

Das Einzige, was nicht so recht zum Bild des Kaffeekränzchens passt: Die Besucher sind alles Männer, die meisten jung, viele dunkelhäutig: Syrer, Ägypter, Kambodschaner, Iraner, Eritreer, Somalier. Alle sind auf der Suche nach Asyl in die Schweiz gekommen. Der grösste Teil von ihnen ist im Durchgangszentrum Hochfeld untergebracht. Und nun sitzen sie im Kirchgemeindehaus Paulus an der Freiestrasse am Kaffeetisch.

Einige sind erst einige Wochen in der Schweiz. Manche kommen seit anderthalb Jahren jeden Montag. Schon so lange lädt eine Gruppe von Freiwilligen die Asylsuchenden einmal pro Woche ein. Unterstützt werden sie dabei von den beiden Sozialarbeiterinnen der Pauluskirche, Brigitte Schletti und Monika Clemann.

Ein offenes Ohr bei Sorgen

Das Ziel der Freiwilligen, welche das Café ins Leben gerufen haben: «Wir wollen den Asylsuchenden einen Ort bieten, wo sie einfach herkommen können, hinsitzen dürfen und willkommen sind», erklärt Elisabeth Stucki, eine der Initiantinnen des Asyltreffs. «Wir gehen auf die Leute zu und geben ihnen zu spüren, dass wir uns für sie interessieren und sie ernst nehmen.»

Dazu gehört, dass sich die Gastgeberinnen und Gastgeber bei ihren jeweils 10 bis 40 Gästen erkundigen, wie es geht und ihnen bei Bedarf helfen: Sie hören sich Sorgen und Geschichten an, übersetzen, bringen ihnen etwas Deutsch bei. Sie organisieren Ersatz für einen kaputten Rucksack oder eine zerrissene Jacke. Stucki hat auch schon einen älteren Asylbewerber zum Arzt begleitet.

Auch allgemeine Informationen über das Asylverfahren erhalten die Gäste im Treff. «Bei speziellen Problemen leiten wir die Betroffenen aber an die entsprechenden Beratungsstellen weiter», erklärt die Sozialarbeiterin Monika Clemann. Denn in der Regel könnten sie bei den Asylverfahren nicht helfen. Das sei aber auch nicht das Ziel des Treffs. «Wir machen keine Politik. Wir wollen einfach nur für die Leute da sein.»

Offen für alle Bewohner

Eigentlich wären auch die Quartierbewohner jeden Montagnachmittag zu Kaffee und Kuchen und zum Plaudern mit den Asylsuchenden eingeladen. Ab und zu setzt sich tatsächlich jemand dazu und will mehr erfahren über die Menschen, die seit Anfang 2012 im Durchgangszentrum im Keller des Hochfeldschulhauses untergebracht sind. Doch viele waren es bisher nicht. «Mehr Besuch aus dem Quartier wäre schön», findet Monika Clemann. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.09.2013, 07:06 Uhr

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