Bern

Eine Extrarunde beim Egelsee

BernDie Berner Boheme sitzt gerne im Café und schaut, wer schaut. Beim Egelsee, wo früher ein Entsorgungshof vor sich hin moderte, hätte ein weiteres gastronomisches Kleinod für diese Klientel entstehen sollen. Nun treten aber die Technokraten auf den Plan.

Bis das Café bei der ehemaligen Mülldeponie in Betrieb ist, muss das Projekt noch eine Zusatzrunde drehen. Mindestens.

Bis das Café bei der ehemaligen Mülldeponie in Betrieb ist, muss das Projekt noch eine Zusatzrunde drehen. Mindestens. Bild: Tanja Buchser

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Irgendwann wird es auch am Egelsee so sein wie in all diesen schicken Berner Szenelokalen. Gäste werden sich auf frei werdende Plätze stürzen, man wird anstehen müssen für eine Glace, vorzugsweise eine aus der Gelateria di Berna, und der Kaffee wird von Adrianos sein. Tout-Berne wird sonnenbebrillt dem Lifestyle frönen, dessentwegen ein Grossteil der Leute irgendwann mal in die Stadt gezogen ist.

Und nun der Schocker aus dem Quartierblatt «Quavier»: Das Baugesuch des Cafés Sattler sei vom Regierungsstatthalter als nicht bewilligungsfähig beurteilt worden. Ein Café sei nicht von so wichtigem öffentlichem Interesse, dass dafür eine zonenfremde Nutzung bewilligt werden könnte.

Bohemiens, von denen es sogar im als verschlafen geltenden Stadtteil vier ein paar gibt, fällt ob der paar Zeilen die Zeitschrift aus den Händen. Dabei hätte es so schön sein können. An der Stelle, wo einst der Entsorgungshof Lärm, Gestank und das eine oder andere gefährliche Abbiegemanöver generierte, hätte für mindestens drei Jahre ein Café als Zwischennutzerin einziehen sollen. Ein Stadtgarten am See hätte es werden sollen, mit Schiffscontainern als Bauelemente. Und nun das.

Wie konnte ein siffiger Entsorgungshof von grösserem öffentlichen Interesse sein, als es das geplante Café wäre, so der Vorwurf. Zumal Zwischennutzungen doch in Mode sind und sogar bei den Behörden auf Wohlwollen stossen. «Ballenbern», rufen die verhinderten Kaffeehausbesucher und meinen damit die Ruhe­klager, Ruhefanatiker und die Bürokratie ganz allgemein.

Ein Schuldiger ist schnell gefunden: Regierungsstatthalter Christoph Lerch (SP), dem der Ruf anlastet, ein eher technokratischer Vertreter seiner Spezies zu sein. Auf gewohnt nüchterne Art und Weise erklärt dieser, dass die Angelegenheit nicht ganz so dramatisch sei. Man habe den Bauherren aufgezeigt, wie das Baugesuch bewilligungsfähig gemacht werden könne.

In den jetzigen Ausmassen sei es zu gross. Es rage zum Beispiel in den Strassen- und Gewässerabstand hinein. «Das Projekt muss auf ein verträgliches Mass angepasst werden», so Lerch. Erst dann könne er die erforderliche «kleine Ausnahmebewilligung» für derartige kleine und leicht entfernbare Bauten erteilen.

Nur eine Extrarunde also, die das Projekt zwar einige Monate verzögern, nicht aber begraben wird. Bis Ende Jahr haben die Bau­herren Zeit, ihr mangelhaftes Gesuch zu überarbeiten. Das Gelände gehört zwar der Stadt, bauen wird aber das Café Sattler aus der Länggasse.

Das Erscheinungsbild des Cafés bleibe gleich, es seien keine grossen Sachen, die sie ändern müssten, so Geschäftsführer Micha Flach. Wegen des Gewässerschutzabstandes könne man aber nicht das ganze Gelände bespielen. Die restlichen von Lerch bemängelten Punkte beträfen Bauliches.

Irgendwann wird es auch am Egelsee so sein wie in all diesen schicken Berner Szenelokalen. Gäste werden sich . . . Moment! Unlängst machte ein Schreiben aus der Nachbarschaft die Runde. Mehr Verkehr, Lärm, Kommerz, lautete die Kritik am geplanten Café. Die ersten Einsprecher brachten sich in Stellung. Und die Bohemiens rufen schon mal laut: «Ballenbern.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.12.2016, 21:00 Uhr

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