Eine Deutsche führt durch Bern

Bern

Der Bärenpark, das Zentrum Paul Klee oder das Münster. Diese Wahrzeichen sind hinreichend bekannt. Der Entdeckungsführer «111 Orte in Bern, die man gesehen haben muss» rückt andere Berner Sehenswürdigkeiten ins Zentrum.

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Ralph Heiniger

Eine steinerne Schwangere, ein ausgestopftes Bärenbaby von 1798 oder eine Million Termiten. Eingefleischte Stadtberner wissen wahrscheinlich, dass auch diese Sehenswürdigkeiten zu der Bundesstadt gehören. Aber nur wenige kennen die Geschichten, die dahinterstecken.

In ihrem Buch «111 Orte in Bern, die man gesehen haben muss» präsentiert die deutsche Reisejournalistin Cornelia Lohs spannende, kuriose und geschichtsträchtige Orte aus der Stadt Bern, die man erst auf den zweiten Blick erkennt. Gestern stellte die Autorin den neuen Entdeckungsführer in der Buchhandlung Stauffacher vor.

In den 80er-Jahren hat Lohs ein Jahr in Bern als Au-pair gearbeitet. Und seither ist sie immer wieder hierher zurückgekehrt. «Ich fühle mich in der Stadt einfach wohl. Die Menschen sind so freundlich.» Auf die Idee, ein Buch über Bern zu schreiben, kam sie, als sie «111 Orte in Salzburg, die man gesehen haben muss» gelesen hatte. Sie hat in der Stadt unzählige Gespräche geführt und selbst fotografiert.

Die 111-Orte-Serie des Kölner Emons-Verlags startete 2008 mit «111 Orte in Köln, die man gesehen haben muss». Das Buch wurde zu einem Bestseller, eine Stadt folgte auf die andere, Bern ist bereits der 139.Band in der Reihe. Noch dieses Jahr sollen die Entdeckungsführer zu Zürich und Basel folgen.

Das Konzept ist jeweils das Gleiche. Auf einer Seite wird ein Ort – aus den Themenbereichen Kultur, Geschichte, Architektur oder Gastronomie – beschrieben, auf der anderen ist er abgebildet. Es gibt zu jedem Ort einen Tipp, und am Schluss sind alle Orte auf der Stadtkarte eingezeichnet. «Das Buch richtet sich gleichermassen an Einheimische wie an Touristen», sagt Cornelia Lohs.

Die ausgewählten Orte sind nämlich jenseits von den klassischen Reiseführern, abseits von den klassischen Hochglanzbildern aus dem Reisekatalog. Zwar dürften Einheimischen die meisten Orte kennen, doch auch für sie gibt es unbekannte Hintergründe und Geschichten zu entdecken.

Das Apfelgold

Einer der Gastrotipps führt den Leser in das Apfelgold. Das süsse Dessertcafé in der Länggasse begann eigentlich mit «Schnouse am Mittwuch». So nannte Donat Berger seine Dessertexperimente, zu denen er ab 2008 Freunde einlud. Seine Freunde lobten die Leckereien weit über den Esstisch hinaus, sodass sich bald Fremde zum «Schnouse» einfanden.

Zuerst gründeten Berger und seine Frau Karin einen Dessertcateringservice, als sie 2012 an der Bonstettenstrasse ein Lokal fanden, eröffneten sie das Apfelgold. Das Dessertlokal trägt den Namen übrigens, weil der Apfel immer Saison hat. Mit den langen Holztischen, dem Sofa und den massiven Bücherregalen vermittelt Apfelgold besondere Wohnzimmeridylle.

Energiezentrale

In Form und Grösse ähnelt sie einem Containerschiff. Wie es hinter den Kulissen der Energiezentrale Forsthaus an der Murtenstrasse aussieht, vermittelt eine Führung durch das Innere des «Betonschiffs». Durch die Bullaugen an den Wänden des 310 Meter langen Ganges sieht man, wie die Dampf- und Gasturbinen arbeiten und Energie erzeugen.

Als «einmalig» lobt die Autorin des Entdeckungsführers nicht nur die Kombination aus Kehrichtverwertungsanlage, Holzheizkraftwerk sowie Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk, sondern auch das Besucherzentrum. Auf 360 Quadratmetern lernen die Besucher Geschichte und Zusammenhänge der Energieversorgung kennen und erfahren, wie die Zentrale funktioniert.

Der Mattelift

Bei seiner Inbetriebnahme im Jahr 1897 verfügte der Mattelift – auch bekannt als Senkeltram – über zwei Kabinen. Um Personalkosten zu sparen, wurde die zweite Liftkabine jedoch 1919 durch ein 2,5 Tonnen schweres Gegengewicht ersetzt.

Seit der Renovierung im Jahr 2008 besitzt der Lift eine verglaste Kabine mit Panoramafenstern und garantiert während der Fahrt einen Rundumblick über das Mattequartier, die Aare und die hängenden Gärten.

Er befördert täglich über 800 Passagiere zwischen Badgasse und Münsterplattform – die meisten von unten nach oben. Fast hätte es den Mattelift nicht gegeben, denn die Stadt lehnte das Projekt zuerst als Verschandelung der Münsterplattform ab.

Velokurierladen

Im falschen Sattel tut der Hintern weh. Mit falschen Pedalen schmerzen Knie oder Füsse. Und ein falscher Lenker sorgt für Beschwerden an den Händen. Damit Velofahren wirklich Spass macht, werden im Velokurierladen an der Lorrainestrasse die Fahrräder für ihren Besitzer nach Mass geschneidert.

Der Laden ist im Jahr 2000 aus dem Velokurier Bern hervorgegangen. Dort war Michel Tobler jahrelang als Kurier tätig und schraubte nebenbei an den Fahrzeugen seiner Kurierkollegen herum. Dann kam er auf die Idee, die Reparaturen und den Bau von Velos zum Hauptjob zu machen. Rahmen und sämtliche Komponenten können vom Kunden einzeln ausgesucht werden.

Und wer schon mal in der Lorraine beim Velokurier ist, könnte gleich nebenan im Lola-Lorraineladen Bio-Obst und Gemüse sowie andere Leckereien einkaufen, rät der Entdeckungsführer.

111 Orte in Bern, die man gesehen haben muss von Cornelia Lohs, erschienen beim Emons-Verlag.

Berner Zeitung

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