Ein schwarzer Tag für den Schweizer Film

Ostermundigen

Jetzt ists definitiv: Die Schwarz Film AG schliesst heute Freitag ihre Pforten. Damit verliert Bern ein Traditionsunternehmen. Und die Schweiz ein Filmlabor von internationalem Ruf.

Charly Huser muss nach 46 Jahren seinen Posten räumen. Die Schwarz Film AG in Ostermundigen schliesst heute Freitag ihre Türen.

(Bild: Urs Baumann)

«Die Technik war für mich nur ein Hilfsmittel», sagt Charly Huser. «Wichtiger war, herauszuspüren, was ein Kunde wirklich will.» Huser, der 46 Jahre im Dienst der Schwarz Film AG in Ostermundigen stand, hat heute seinen letzten Arbeitstag. Das 1945 von Edgar Schwarz im Berner Lorrainequartier gegründete Traditionsunternehmen, das auf Filmentwicklung, Lichtbestimmung, Negativschnitt und Positivherstellung für Kinos spezialisiert war, löscht endgültig die Lichter.

Kunden aus In- und Ausland

Man habe es kommen sehen, sagt Huser und wirkt erstaunlich gefasst. Dabei hätte er allen Grund, am Boden zerstört zu sein. Die Schwarz Film AG war nicht nur für den Filmstandort Bern wichtig. Sie war eine internationale Institution. Ihre Kundenliste dürfte ein Telefonbuch umfasst haben. Hier gingen Franz Schnyder, Fredi Murer, Alain Tanner, Marc Forster, Spike Lee und Wim Wenders ein und aus.

Noch in den Sechzigerjahren beschäftigte die Schwarz Film AG 75 Mitarbeiter, in den Neunzigerjahren wurde gar eine Filiale in Berlin eröffnet. «Unsere Firma ist der Spiegel der Branche», verkündete der damalige Firmenchef Philippe Tschäppät, Bruder des Berner Stadtpräsidenten Alex Tschäppät.

Doch die technische Umwälzung stoppte den Höhenflug. Personal wurde entlassen. Das deutsche Unternehmen Arri kaufte Schwarz 2007 und liess die Firma 2009 fallen. Dann wurde das Berner Unternehmen von der zürcherischen Egli Film aufgekauft. Im März 2011 fiel der Entscheid über das endgültige Aus.

Es seien viele Dinge zusammengekommen, resümiert Charly Huser. Neben der zunehmenden Digitalisierung des Kinos nennt er das derzeit geringe Produktionsvolumen im Schweizer Film sowie den hohen Frankenkurs. Zudem seien Rechnungen von einer halben Million Franken offengeblieben. War am Ende das «Sennentuntschi»-Finanzchaos Schuld am Niedergang der Schwarz Film? Huser verneint. «Das war nicht der Nagel im Sarg, höchstens ein Splitter.»

«Ich war der erste Zuschauer»

Was dem 62-Jährigen bleibt, ist der Blick zurück, die Erinnerung an unvergessliche Begegnungen. «Ich war ja nicht nur Techniker, sondern immer auch der erste Zuschauer», sagt Huser. Bei «La petite chambre», der im März 2011 den Schweizer Filmpreis gewann, seien die Regisseurinnen Stéphanie Chuat und Véronique Reymond vor der Fertigstellung sehr nervös gewesen. «Der Zeitdruck war enorm», sagt Huser, «aber nach dem Screening hatten wir alle Tränen in den Augen.»

Natürlich sei in den 46 Jahren auch mal ein «Seichfilm» dabei gewesen, schmunzelt Huser. Am meisten beeindruckt hätten ihn die grossen Regisseure: «Wim Wenders, den ich in Berlin besuchte, war über jedes Technikdetail im Bild.» Von Jean-Luc Godard habe er handschriftliche Briefe erhalten. Der Westschweizer Regisseur bestand darauf, nur noch mit Huser zu arbeiten. Nun wird auch Godard einen neuen Mann seines Vertrauens suchen müssen.

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