Bern

Ein letztes Dankeschön an die Körperspender

BernAb Dienstag gibt es auf dem Bremgartenfriedhof ein neues Gemeinschaftsgrab mit einer Gedenkstätte. Damit sollen all jene geehrt werden, die ihren Körper der Medizin vermacht haben.

«Mortui prosumus vitae»: Die Körperspender werden im Bremgartenfriedhof  mit einer neuen Gedenkstätte gewürdigt.

«Mortui prosumus vitae»: Die Körperspender werden im Bremgartenfriedhof mit einer neuen Gedenkstätte gewürdigt. Bild: Susanne Keller

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«Noch im Tod dienen wir dem Leben», steht auf Lateinisch auf der schlichten Grabsäule. Rundherum wurde ein kleiner Platz aus graugrünem Granit gelegt, zwei Bänke für die Besucher laden zum Sitzen ein. «Im Frühling werden Zimtrosen blühen», sagt Walter Glauser, Bereichsleiter Friedhöfe und Familiengärten, und zeigt auf frisch gepflanzte Sträucher. Zurzeit säumen rubinrote Blätter der Ahornbäume die neue Gedenkstätte.

Hier werden ab heute Urnen mit der Asche von der Medizin gespendeten Körpern beigesetzt. Bisher wurden sie im allgemeinen Gemeinschaftsgrab am nördlichen Ende des Bremgartenfriedhofs begraben. «Ein Gemeinschaftsgrab ist anonym», sagt Glauser. So werden weder Grabsteine noch Kreuze auf die begrabenen Spender aufmerksam machen. Obwohl die Spender nicht namentlich erwähnt werden, sei es an der Zeit, dass ihnen mit dieser Anlage besonderer Dank gesprochen werde, so Glauser. «Ausserdem können Familien hierherkommen, um sich an einem besonderen Ort von ihren Angehörigen zu verabschieden.»

Geschenk an die Medizin

Wie viele Körperspender pro Jahr auf dem Bremgartenfriedhof beigesetzt werden, kann Valentin Djonov, Direktor vom Institut für Anatomie der Universität Bern, nicht genau sagen. Die Zahl schwanke stark von Jahr zu Jahr; durchschnittlich werden aber 20 bis 30 Spender kremiert. Immer mehr Menschen möchten ihren Körper der Medizin spenden, fügt Djonov an: «Wir haben eher zu viel als zu wenig.» Die Motivation der meisten Spender sei es, der Medizin Danke zu sagen. So hätten sie häufig jahrelang von der medizinischen Versorgung profitiert und möchten mit dem Vermächtnis etwas zurückgeben. Teilweise spielten aber auch finanzielle Gründe eine Rolle, da die Universität Bern die Kosten für Transport, Kremation und Beisetzung übernimmt. Nicht alle Leichname werden übernommen – beispielsweise dann nicht, wenn der Mensch an einer schweren Infektionskrankheit litt.

Nach dem Tod der Spender werden die Leichname zuerst sorgfältig fixiert, bevor sie entweder von Medizinstudenten in Anatomiekursen oder für die klinische Anatomie eingesetzt werden. Nicht zuletzt seien Leichen aber auch für die medizinische Forschung sowie die Aus- und Weiterbildung wichtig, betont Djonov: «Beispielsweise müssen Chirurgen üben, wie Herzklappen durch einen Katheter eingesetzt werden.» Die Leichen bleiben meist mehrere Jahre in der Anatomie, da die Ausbildung der Medizinstudenten am Institut ein bis zwei Jahre dauert. Teilweise können einzelne Organe oder Körperteile für unbestimmte Zeit zurückgehalten werden. Nach Abschluss der Studien wird der Körper kremiert.

Würdigung des Geschenks

Es ist Valentin Djonov wichtig, dass die Körperspender gewürdigt werden. Einmal im Jahr findet deshalb in der Pauluskirche eine Gedenkfeier für die Spender statt. Der Anlass werde von vielen Medizinstudenten besucht und auch mitgestaltet. Zusätzlich ermögliche es den Angehörigen der Verstorbenen, in einem würdigen Rahmen Abschied zu nehmen, da ihnen in den Jahren nach dem Tod ein Grab fehlt.

Während die Universitäten Basel, Zürich und Fribourg bereits seit geraumer Zeit ein Gemeinschaftsgrab für Körperspender haben, wurde ein solcher Antrag der Universität Bern im Jahr 2002 vom Gemeinderat vorerst abgelehnt. Begründet wurde der Entscheid mit dem Bedenken, dass auch andere Gruppierungen ein eigenes Gemeinschaftsgrab beanspruchen würden. Eine erneute Anfrage im Februar dieses Jahres stiess auf mehr Verständnis: Der Gemeinderat reichte das Konzept zur Bearbeitung an die Stadtgärtnerei weiter. Die Kosten für das Grab und die Gedenkstätte, ungefähr 40'000 Franken, übernimmt die Universität.

Acht Monate später, genau an Allerheiligen, ist die Gedenkstätte nun fertig. Der Feiertag wurde bewusst ausgewählt, sagt Walter Glauser, da an diesem Tag die Heiligen und die Toten geehrt werden. «Viele pilgern am 1.November auf den Friedhof, überall leuchten Grabkerzen.» Das sei für die Eröffnung der Stätte ein würdiger Rahmen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.11.2011, 06:36 Uhr

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