Ein Träumer erinnert sich

Laupen

In «Kurze Hosen» erzählt Ueli Remund Geschichten aus seiner Jugendzeit. Er ist in den 1950er-Jahren zusammen mit neun Geschwistern in Allenlüften aufgewachsen.

  • loading indicator
Hans Ulrich Schaad

Remunds aus Allenlüften waren eine grosse Familie. Zehn Kinder waren sie, sechs Knaben und vier Mädchen. Ueli war der Drittälteste, 1942 geboren. «Ich bin auf den Namen Ulrich getauft, doch so nannte mich nur, wer mich ärgern wollte», schreibt der Autor in seinem Buch «Kurze Hosen». «Ich haderte oft mit meinem Namen. Ulrich! Wie das tönte!» Um Namen und Übernamen dreht sich eines von 20 Kapiteln in Remunds Buch.

Gross war die Familie, klein der Ort, wo er aufgewachsen ist. Oder war Allenlüften bloss ein Weiler? Der Flecken besass aber alles, was die Kinder brauchten. Der nahe Wald lockte zum Spielen, die Strasse nach Heggidorn hatte das richtige Gefälle für rasante Velofahrten, und in den Heustöcken und Tennen der Bauernhäuser konnten sich die Kinder gut verstecken. Ihnen wurde nie langweilig. Dazu gehörten die «Bubenkriege». Sie blieben meist harmlos, meistens gab es nur ein paar Beulen oder aufgeschürfte Knie.

Nichts korrigiert

Der heute in Laupen wohnhafte Ueli Remund führt die Leser in seinem Buch in die 1950er-Jahre zurück. «Ich erzähle die Begebenheiten so, wie ich sie in Erinnerung habe, aus der Sicht eines kleinen Jungen», sagt der pensionierte Lehrer. Er habe nichts nachrecherchiert oder korrigiert, sonst gehe der Zauber der Kindheit verloren. Er sei ein Träumer gewesen. Er habe die (Indianer-)Bücher nicht nur gelesen, er habe sie gelebt. Und auch den Osterhasen habe er gesehen.

Ueli Remund hat bereits in den 1990er-Jahren im «Achetringeler», der Jahreschronik für das Laupenamt, über die Jugend der 50er-Jahre in Allenlüften geschrieben. Diese Geschichten hat er weiterentwickelt und nun zu einem Buch verarbeitet. Remund erzählt das Leben einer Grossfamilie auf dem Land, mit allen Sorgen und Freuden. «Ich hatte eine behütete Jugend», betont er.

Landesverräter

Gegen Ende des Buches wird der kleine Ueli langsam älter. Er gründete mit Gleichgesinnten den politischen Jugendverein. Als Versammlungslokal diente eine ausgeräumte Abstellkammer im Elternhaus. Die Gruppe wurde von Mitschülern kritisch betrachtet und sogar als Kommunisten und Landesverräter verunglimpft. Das letzte Kapitel gibt dem Buch den Titel. Ueli Remund begleitet seinen ältesten Bruder Fridu, der als Fernfahrer unterwegs war, nach Antwerpen. Als die beiden sich ins Nachtleben im Hafenviertel stürzen wollen, stellt sich heraus, dass Ueli nur kurze Hosen bei sich hat. «Spinnst du?», fragt ihn sein Bruder. Trotz diesem modischen Fehlgriff kann der nun erwachsene Ueli den Ausgang in vollen Zügen geniessen.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...