Ein Roboter verteilt das Pflanzengift

Pflanzenschutzmittel verteilen sich nicht nur auf dem Gemüse, sondern auch im Boden und in der Luft. Ein Roboter soll dies verhindern und die Stoffe gezielter verteilen.

<b>Der Roboter</b> versprüht viel weniger Pflanzenschutzmittel als der herkömmliche Querbalken.

Der Roboter versprüht viel weniger Pflanzenschutzmittel als der herkömmliche Querbalken. Bild: Franziska Rothenbühler

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Galmiz im Freiburger Seeland. Salatkopf reiht sich an Salatkopf. Immer vier nebeneinander, immer im Abstand von 1,50 Meter zu den nächsten vier – ein Traktor kann sich so seinen Weg durch das Feld bahnen. Hier bewirtschaftet Gemüsebauer Peter Wyssa 25 Hektaren. Seit 35 Jahren. «Als ich ­angefangen habe, sind wir noch ganz anders mit Pflanzenschutzmittel umgangen. Zwischen ­damals und heute liegen Welten.»

Wyssa sitzt im Vorstand vom Verband der Schweizer Gemüseproduzenten. Gemeinsam mit kantonalen Stellen in Bern und Freiburg und landwirtschaftlichen Partnern arbeitet der Verband an einem Pflanzenschutzroboter. Das Ziel: Den Einsatz von Pflanzenschutzmittel deutlich reduzieren.

Unkraut gejätet

Der Traktor steht bereit, angehängt ist eine Hackmaschine. Vier Messer in einer Reihe blitzen hervor. Wyssa wirft den Motor an, drückt ein paarmal auf einen Touchscreen. Der Traktor setzt sich in Bewegung.

An der Hackmaschine sind zwei Kameras befestigt. Die Bilder leiten sie an einen Rechner weiter, welcher die Daten berechnet und so die Lage der einzelnen Salatköpfe registriert. Die gebogenen Messer schneiden rund um den Salat herum und erwischen nur das Unkraut.

Das Jäten erspart den Einsatz von Herbiziden. Fungizide und Insektizide werden aber weiterhin benötigt. «Zu schaffen machen uns beim aktuellen Wetter vor allem die Blattläuse, der Mehltau und die Botrytis», sagt Wyssa.

Üblicherweise bringen Bauern das Pflanzenschutzmittel mit einem langen Querbalken aus – dabei spritzt das Mittel über mehrere Bahnen gleichzeitig. Das Problem: Das Pflanzenschutzmittel landet nicht nur auf dem Salat, sondern verteilt sich auch in Luft und Boden.

Salatköpfe gespritzt

Die Hackmaschine lässt sich aufrüsten und damit zum Pflanzenschutzroboter umbauen. Sie wird dabei mit Düsen ausgestattet, die das Pflanzenschutzmittel gezielt verteilen. Möglich machen dies die Daten der Kameras: Denn diese erkennen nicht nur das Unkraut, sondern auch Grösse und Lage der Salatköpfe.

Um den Pflanzenschutzroboter zu demonstrieren, hat Wyssa über die Salatköpfe gelbe Bänder gespannt. Der Traktor zieht die Maschine über die Salatköpfe, aus den Düsen spritzt Wasser. Das Resultat: Über dem Salat hat sich das Band blau verfärbt. Dazwischen blieb es gelb. Das Mittel hat sich demnach nur über dem Salat verteilt.

Initiativen eingereicht

Der Einsatz von Pflanzenschutzmittel gerät in der Schweiz zunehmend unter Druck. Mehrere Initiativen wurden lanciert. Beispielsweise die Trinkwasser­initiative. Die Forderung: Bauern, die Pestizide einsetzen, sollen keine Direktzahlungen mehr erhalten. Davon ausgenommen sind Pflanzenschutzmittel, die das Forschungsinstitut für biologischen Landbau als unbedenklich einstuft.

Der Verband der Gemüseproduzenten ist gegen die Initiative. Der Gemüseanbau sei ohne den Einsatz von herkömmlichem Pflanzenschutzmittel kaum rentabel, lautet die Begründung. Trotzdem beugt sich die Branche dem Druck aus Gesellschaft und Politik. Man wolle sich dafür einsetzen, den Einsatz von Pflanzenschutzmittel zu minimieren.

Beispielsweise mit dem Pflanzenschutzroboter. Momentan läuft eine dreijährige Testphase. Die ersten Eindrücke und Zahlen seien vielversprechend, sagt Rolf Matter von der Schweizerischen Zentralstelle für Gemüsebau und Spezialkulturen. Experten rechnen mit Einsparungen zwischen 40 und 70 Prozent. Dadurch, dass die Stoffe nicht mehr in Luft und Boden gelangen, werden auch die Gewässer geschützt.

Nach der Testphase wird sich zeigen, ob sich der Pflanzenschutzroboter durchsetzt. Ein wichtiger Faktor wird die Wirtschaftlichkeit sein. Die Verantwortlichen rechnen mit Kosten von 100 000 Franken pro Maschine. Ob sich das rechne, finanziell und arbeitstechnisch, sei wohl von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich. (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.06.2018, 09:27 Uhr

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