Bümpliz

Ein Raum voller Geschichte

BümplizMax Werren und Werner Augstburger leiten ehrenamtlich das Ortsarchiv Bümpliz. Sie investieren viel Zeit und Herzblut dafür, die zahlreichen Sammelstücke zu archivieren.

Zwei Archivare bei der Arbeit: Werner Augstburger und Max Werren (rechts) im Ortsarchiv Bümpliz, mit dem alten Holzpferd von Carl Feller.

Zwei Archivare bei der Arbeit: Werner Augstburger und Max Werren (rechts) im Ortsarchiv Bümpliz, mit dem alten Holzpferd von Carl Feller. Bild: Andreas Blatter

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Mitten in Bümpliz, im obersten Stock des Bienzguts, gibt es einen etwa 20 Quadratmeter grossen Raum. An seinen Wänden hängen haufenweise Schwarzweissfotos, eine Ecke ist zugestellt mit zusammengerollten Postern und Karten, und an der gegenüber­liegenden Wand stehen Bücherregale voller Ordner und Bücher. Und auf dem grossen Tisch mitten im Raum: ein hölzernes Schaukelpferd.

Das kunstvoll gefertigte Spielzeug gehörte einst Carl Feller, dem bekannten Geometer und ursprünglichem Inhaber des Fellerguts. Nun ist es nur eines von unzähligen historischen ­Stücken, die im Ortsarchiv Bümpliz gelagert werden. «Wir sind eigentlich ein Archiv und kein Museum», sagt Max Werren beim Anblick der zahlreichen Sam­melstücke, «aber bei manchen Schenkungen fällt es uns einfach schwer, Nein zu sagen.»

Zusammen mit seinem Freund Werner Augstburger archiviert Max Werren seit über 25 Jahren die verschiedenen Stücke, welche dem Ortsarchiv zugestellt wurden. Hauptsächlich handelt es sich dabei um Fotos. Am liebsten sind ihnen Aufnahmen von Gebäuden; anhand solcher kann am besten nachvollzogen werden, wie der Westen Berns früher ­aussah und wie er sich entwickelt hat.

Für solche Fotos interes­sierte sich bereits Paul Loeliger, der das Ortsarchiv Bümpliz im Jahr 1948 gegründet hat. Der ehemalige Kirchgemeinderat sammelte rund 1000 Bilder, bevor er sein Werk an Werren und Augstburger übergab.

Lange Abende der Forschung

«Mittlerweile besitzen wir sicher über 3000 Bilder», erzählt Werner Augstburger, der für die digitale Archivierung der Stücke zuständig ist; in einer Excel-Tabelle hält er jedes Foto, jedes Dokument und jeden Gegenstand mit einer Nummer, dem ungefähren Entstehungsdatum und einem Informationstext fest.

Diese Nachforschung kann unter Umständen ziemlich lange dauern, etwa wenn die beiden Archivare ganze Abende lang über ein einzelnes Bild sinnieren. Nur anhand des Fotos herauszufinden, wo und wann die Aufnahme gemacht wurde, ist nämlich alles andere als einfach.

«Wir nutzen dafür unser Wissen, das Internet oder das Quartierinventar», erklärt Werren, «und wenn das alles nichts hilft, machen wir uns zu Fuss auf die Suche.» Max Werren ist der Historiker des Zweierteams; er ist nicht nur zuständig für die regelmässigen Vorträge und Führungen des Ortsarchivs, sondern auch für die ganze Recherchearbeit. Ausserdem publiziert Werren Texte zu historischen Themen, wie etwa das Buch «Bümplizer Geschichte(n)», welches diesen Juli herauskommen soll.

Einen Teil des dafür nötigen Wissens hat sich Werren während seiner Tätigkeit im Ortsarchiv angeeignet. Aber auch die Tatsache, dass er und Augstburger im Westen Berns aufgewachsen seien, erleichtere das Zuordnen der Bilder.

Würdige Nachfolge gesucht

In ihrem Arbeitsraum im Bienzgut wartet noch ein ganzer Schrank voller Bilder darauf, von den beiden Pensionären archiviert zu werden. Und die Sammlung nimmt weiterhin zu: Max Werren beendet seine Vorträge jeweils mit dem Satz: «Falls ihr noch alte Bilder von Bümpliz habt, bringt sie uns.»

Ob jemals alle Bilder fachmännisch sortiert werden, wissen die beiden Experten nicht. Ein Punkt bereitet ihnen nämlich Sorge: Beide sind über 70 Jahre alt, und bisher fehlt noch eine würdige Nachfolge. Falls sich niemand findet, der das Ortsarchiv Bümpliz weiterführt, bleibt ihnen aber immer noch Plan B: Das Stadtarchiv würde die Sammlung im Bienzgut übernehmen. Interesse vonseiten der Stadt bestehe in dieser Hinsicht schon länger, «aber wir lassen uns nicht so einfach schlucken», meint Augstburger. Solange sie noch genug Energie hätten, würden sie das Archiv weiterführen.

An Ambitionen und Ideen fehlt es den beiden Männern zumindest nicht; sie arbeiten an einem Projekt, bei dem Besucher nach Belieben Klassen- und Konfir­mationsbilder der Jahrgänge ab 1943 bis heute suchen und ausdrucken können. Auch die Arbeit am Bümpliz-Kalender, der jedes Jahr vom Ortsarchiv herausgegeben wird, hält die beiden auf Trab. Damit dieser gestaltet werden kann, braucht es jedoch mehr als nur historische Fotografien: Jedes zweite Jahr, so wie heuer, werden aktuelle Bilder abgedruckt.

Dann machen sich die beiden Archivare selbst mit der Kamera auf den Weg. Das gehöre nämlich auch zur Arbeit eines Archivars, sagt Max Werren: «Wir bewahren nicht nur das Alte auf, sondern dokumentieren auch das Neue.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 26.05.2016, 09:13 Uhr

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