Bern

Ein Fest unter Nachbarn

BernKubb spielen, Bilder malen und gemeinsam grillieren – der erste Berner Nachbarschaftstag verhalf den Bewohnerinnen und Bewohnern des Giessereiwegs zu einem freudigen Fest. Dieses soll nun jährlich stattfinden.

Die Präsentation der Kunstwerke: Familie Vaudan (links) mit Vater Andreas, Tochter Josephine und den Söhnen Benjamin und Joachim, zusammen mit Leon Waldschmidt (Mitte) und Martina Arioli und ihren Töchtern Elin und Iris.

Die Präsentation der Kunstwerke: Familie Vaudan (links) mit Vater Andreas, Tochter Josephine und den Söhnen Benjamin und Joachim, zusammen mit Leon Waldschmidt (Mitte) und Martina Arioli und ihren Töchtern Elin und Iris.

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Elin ist am Zug. Das Mädchen holt mit ihren zarten Armen aus und wirft das längliche Holz, so weit sie kann. Ein paar Meter weit fliegt das Wurfgeschoss, dann knallt es auf den Boden, springt ein weiteres Mal in die Luft und verfehlt den Holzquader um wenige Zentimeter. «Oje», folgt die Reaktion von Andreas Vaudan, Elins Nachbarn und Teammitglied, «knapp daneben.»

Beim Kubb-Spiel, das im Innenhof aufgebaut wurde, geht es um Zielgenauigkeit. Dabei scheinen die Erwachsenen klar im Vorteil zu sein; während sie dafür zuständig sind, die quadratischen Holzklötze mit den Rundhölzern umzuwerfen, übernehmen die Kinder eine andere, weitaus wichtigere Rolle. Sie sind es ­nämlich, die die Nachbarn erst zusammengebracht haben.

Andreas Vaudan und Elins Mutter Martina Arioli haben sich durch ihren etwa gleichaltrigen Nachwuchs kennen gelernt. Auch Familie Waldschmidt von nebenan gehört zum nachbarlichen ­Bekanntenkreis und hat sich zum gemeinsamen Kubb-Spiel gesellt. Nach und nach treffen immer mehr Kinder mit ihren Eltern ein, andere stehen auf ihrem Balkon, winken runter und beobachten das bunte Treiben.

Eine von 150 Gruppierungen

Die Bewohnerinnen und Bewohner des Wohnblocks zwischen Sulgenrain und Giessereiweg sind sich nicht unbekannt. Besonders innerhalb des eigenen Hauses weiss man, wer oberhalb und unterhalb der eigenen Wohnung haust. Aber je weiter weg die Menschen wohnten, desto weniger kenne man sie, meint etwa Leon Waldschmidt.

Um die Bindungen auch über das eigene Treppenhaus hinaus zu stärken, veranstalten die Anwohner des Wohnblocks einen gemeinsamen Spiel- und Grilltag. Dieser findet im Rahmen des ­ersten Berner Nachbarschaftstags statt, der im Zusammenhang mit dem Europäischen Tag der Nachbarschaft steht. Über 150 Gruppierungen haben sich bei der Stadt Bern gemeldet und ­Servietten und Girlanden für ihr eigenes Fest bestellt.

«Seit mein Mann gestorben ist, brauche ich die Abwechslung und den Trubel, den die jungen Familien mit sich bringen.»Silvia Gasparini

Das Zusammenkommen am Giessereiweg ist im Vergleich zu anderen Veranstaltungen eher bescheiden; während Kitas und Kirchen ihre Türen für Besucher öffnen, tun dies hier nur die ­einzelnen Nachbarn. Neben dem Kubb-Spiel hat man sich weitere Aktivitäten einfallen lassen: In der Küche von Waldschmidts wurden bunte Bilder unter Leons Aufsicht gemalt, und in der Wohnung von Silvia Gasparini fand man zum Rommé zusammen.

Die ältere Dame wohnt schon seit über 35 Jahren in ihrer ­Wohnung am Giessereiweg und ist ­damit eine der ältesten ­Einwohnerinnen. Das nachbarschaftliche Beisammensein tue ihr gut, erzählt Gasparini, während sie die Karten mischt. Besonders seit ihr Mann gestorben sei, brauche sie die Abwechslung und den Trubel, den die jungen Familien und Wohngemeinschaften im Haus mit sich brächten.

Eine Tradition aufleben lassen

Das nachbarschaftliche Beisammensein wollen die Bewohner des Wohnblocks am Giessereiweg auch in Zukunft pflegen. Ziel des heutigen Festes sei es deshalb teilweise auch, das einstige Giessereiwegfest wiederaufleben zu lassen. Vor vielen Jahrzehnten feierten die Nachbarn bereits regelmässig zusammen, die Tradition geriet aber in Vergessenheit, weil die Kinder erwachsen wurden und auszogen.

Nun, da eine neue Generation die Wohnungen in Beschlag genommen hat, keimt der Wunsch nach einem jährlich stattfindenden Fest ­wieder. Und auch sonst ziehe man am Giessereiweg an einem Strang, erzählt Martina Arioli. Anfang Woche habe man einen Vertreter der Stadt vor Ort gehabt, der abgeklärt habe, ob die 30er-Zone neben dem Innenhof zu einer ­Begegnungszone umgewandelt werden könne.

Aktuell sei man nun damit beschäftigt, von den Nachbarn Unterschriften für das Projekt einzuholen. Der freundliche Umgang während des Fests lässt vermuten, dass Ariolis und ihre befreundeten Familien mit ihrem Vorhaben erfolgreich sein könnten: Es wird viel gescherzt und gelacht.

Und auch die nötige Spontanität ist vorhanden. So wurde das Grillfest als Abschluss des Festes ­wegen des durchzogenen Wetters kurzerhand vom Innenhof in den Dachstock verlegt. Die dort hausende Wohngemeinschaft sei es ohnehin gewöhnt, Feiernde zu beherbergen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.05.2017, 11:02 Uhr

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