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Ein Berner und sein Schoggi-Job

BernDas Berner Unternehmen «Choba Choba» will für ein Umdenken in der Schokoladenindustrie sorgen. Oder: Weshalb es sich lohnt, für drei Tafeln Schokolade 30 Franken zu zahlen.

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Alto Huayabamba ist eine abgelegene Region am Fuss der peruanischen Anden. In Quechua, der Sprache der Lokalbevölkerung, bedeutet «Choba Choba»: «Du hilfst mir, ich helfe dir».

In Bern verfolgt das gleichnamige Start-up das ehrgeizige Ziel, die Schokoladenindustrie umzukrempeln. Nach Jahren der Planung ist es nun so weit. Die erste Edition der Schokolade erscheint im November. Hergestellt aus Bohnen aus Huayabamba.

Grundlegender Wandel nötig

Der Kakao kommt aus dem peruanischen Hinterland. Die Fäden des jungen Unternehmens laufen in Bern zusammen. Genauer: in einem alten Industriegebäude an der Wylerringsstrasse. Im «Innovationsdorf» teilt sich «Choba Choba» eine riesige offene Bürofläche mit anderen Start-ups. Es herrscht reger Betrieb. Der Geruch von Kaffee hängt in der Luft. Ein Sack voller Kakaobohnen steht auf Christoph Inauens Pult, als er zu erzählen beginnt.

Er spricht über den Börsenpreis für Kakao, den ein paar wenige Grossunternehmen diktierten. Von einem System, in dem die Bauern letztlich «immer die Verlierer sind».

Der 34-Jährige weiss , wovon er redet. Seit acht Jahren arbeitet er bereits in der Kakaoindustrie. Geschäftsreisen führten in die entlegensten Regionen Südamerikas und Afrikas. An jene Orte, von wo die wertvollen Bohnen herkommen. 2008 kam Inauen auf einer solchen Reise auch nach Huayabamba. Für ein damaliges Projekt wollten er und Mitgründer Eric Garnier Kakaobohnen besorgen.

Sie besuchten diverse Bauernfamilien und freundeten sich mit diesen an. «Wir wurden herzlich empfangen, assen, diskutierten und feierten zusammen.» Und so reifte dort, irgendwo im peruanischen Amazonas, die Erkenntnis: Damit eine echte Wirkung für diese Menschen entfaltet werden kann, ist ein grundlegender Wandel nötig.

Heute bestimmt bei «Choba Choba» nicht die Rohstoffbörse über den Preis. Die Kakaobauern verkaufen zu eigenen Konditionen. Sie handeln in individuellen Verträgen aus, wie viel sie für ihre Bohnen bekommen. Die Lokalproduzenten sind überdies auch unternehmerisch beteiligt.

Ziel ist es, dass die Bauern bis zum Jahr 2020 ein Drittel von «Choba Choba» besitzen. Die Partnerschaft hat ihren Preis, die Schokolade wird dadurch teurer – drei Tafeln kosten 29 Franken. Für Inauen kein Problem: «Unser Produkt verbindet Exklusivität mit Ethik und Ästhetik.»

Wer braucht schon Millionen?

Den grössten Teil der Anschubfinanzierung leisteten die beiden Gründer selber. Die peruanischen Bauern beteiligten sich so gut, wie sie konnten. Ein beachtlicher Geldbetrag kommt in den nächsten Tagen hinzu, dank einer äusserst erfolgreichen Sammelaktion im Internet.

Bis heute kamen so knapp 100'000 Franken zusammen – doppelt so viel wie eigentlich angestrebt. «Das Projekt hat eine unglaubliche Eigendynamik entwickelt.» Und hat dabei weite Kreise gezogen. Lachend erzählt Inauen von einem Vertreter einer bekannten Grossbank: «Er meldete sich und wollte wissen, welche Rendite zu erwarten sei, wenn er mit 15 Millionen einsteigen würde. Er hat unser Konzept ganz offensichtlich nicht begriffen.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 26.10.2015, 19:27 Uhr

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