Bern

Ein Berner entwickelt noch immer Super-8-Filme

BernDer 65-jährige Fotograf Rudolf Egli verarbeitet im digitalen Zeitalter immer noch analoge Filme. Er entwickelt im Berner Länggassquartier täglich Super-8-Filme und andere Formate.

Handarbeit an der 33-jährigen Entwicklungsmaschine für Super-8-Filme. Rudolf Egli fixiert die analogen Datenträger mit Wäscheklammern.

Handarbeit an der 33-jährigen Entwicklungsmaschine für Super-8-Filme. Rudolf Egli fixiert die analogen Datenträger mit Wäscheklammern. Bild: Andreas Blatter

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«Zwei der verbleibenden Entwicklungslabors für Super-8-Filme in Europa sind Andec in Berlin und das S8-Reversal-Lab in Rotterdam.» Das steht bei Wikipedia im Internet geschrieben. Aber da wurde einer vergessen: Rudolf Egli. Der 65-Jährige betreibt im Länggassquartier das Geschäft Graficolor. In diesem Labor werden Super-8-Filme und solche grösseren Formats entwickelt. «Wir sind schweizweit auch das einzige Unternehmen, das Dias – noch ohne sie zu verpixeln – analog vergrössert», sagt Egli, der das Geschäft gemeinsam mit seiner Frau Romy Baldauf führt. Eglis können aber nicht nur mit Super-8-Filmen umgehen, auch die Formate Normal 8 und 16 mm sind ihnen vertraut. Es gibt sogar Kunden, die mit seltenen, uralten 9,5-mm-Filmen in ihrem Labor auftauchen.

Leicaflex von 1965

Mit einer der alten Maschinen, die in seinem Geschäft stehen, verarbeitet er auch Filme mit gigantischem Ausmass: Aerofilme, die Vermessungsunternehmen und der Armeefilmdienst in Flugzeugen einsetzen, etwa um Naturkatastrophen zu filmen. Ein solcher Film spult im Format 24,5 Zentimeter. Heute werde zwar auch in diesem Bereich vermehrt mit digitalen Filmen gearbeitet, aber das Analoge werde auch noch eingesetzt. Die alten Filmmaschinen würden immer noch funktionieren, und wenn nicht, repariert sie Egli gleich selbst. Funktionstüchtig und im Einsatz ist auch noch seine Leicaflex, eine rein mechanische Fotokamera, die er sich 1965 leistete. «Es war eine der ersten 200 dieser Serie», schwärmt er.

Besser als digital

Rudolf Egli schwört auf analoge Filme. «Die Qualität ist immer noch besser als das Digitale, zudem sind analoge Datenträger viel länger haltbar als digitale.» Die alten Zelluloidfilme würden auch nicht verschwinden. «Kodak hat unlängst einen neuen Film für Super-8-Kameras auf den Markt gebracht, den E100D.» Auch jüngere Leute würden heutzutage noch mit alten Geräten filmen.

«Viele haben sie von ihrem Vater geerbt und geben sie nicht mehr her.» Schweizweit habe er 700 Kunden, meint Egli. In seinem Labor wird aber auch digital gearbeitet. Der Fachmann überspielt analoge Datenträger auf digitale DVDs.

Ufos halfen bei Berufswahl

Rudolf Egli ist gelernter Fotograf. Seine Berufswahl hat er auch Ausserirdischen zu verdanken. «Als Bub habe ich 1954 Ufos gesehen – und mir geschworen, dass ich nie mehr in meinem Leben ohne Kamera herumlaufe.» Den Vorsatz hat er in die Tat umgesetzt, aber die Ufos sind nicht zurückgekehrt. Egli ist im Rentenalter, aber er will noch zwei bis drei Jahre weitermachen. Einen Nachfolger hat er nicht. «Das wäre auch schwierig, denn die alten Maschinen in meinem Atelier müsste einer aus dem Effeff kennen.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.12.2011, 12:01 Uhr

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