Bern

Ein Berner Bastler sucht nach Wahrhaftigkeit

BernDie Musik von King Pepe schwankt zwischen Genialität und Banalität. Und doch entsteht der Eindruck, dass alles genau so sein muss. Sogar wenn der Berner mit Pflaster unmotiviert vor einem Gemüseregal steht. Am Freitag tauft er im Progr sein Album «Tierpark».

Der Berner Musiker King Pepe veröffentlicht seine erste CD.

Der Berner Musiker King Pepe veröffentlicht seine erste CD. Bild: Beat Mathys

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King Pepe schlägt als Treffpunkt ein ehemaliges Tearoom vor, das jetzt orientalisch gestaltet ist. Ein künstlicher Brunnen plätschert und dampft an der Wand, libanesische Spezialitäten werden serviert. Die Tische sind dieselben geblieben, Tücher sollen kaschieren, was früher gewesen ist. Es ist trotzdem ein tolles Restaurant, eines, das möglicherweise gar authentisch ist, aber sicher wird man es nie wissen.

King Pepe trägt ein mit Ornamenten besticktes Hemd und ein Pflaster auf der Stirn, von dem Freunde gesagt hätten, dass es ihm gut stehe. Er will sich im Laden nebenan vor einem exotischen Gemüseregal fotografieren lassen und kauft anschliessend beim lächelnden Verkäufer eine grosse Ingwerwurzel ein. Der Zusammenhang zu seinem eben veröffentlichten Album «Tierpark»? Keiner. Es soll auch keinen geben. Simon Hari, wie King Pepe mit bürgerlichem Namen heisst, lässt sich auch mit viel gutem Willen nicht in eine Schublade stopfen. Die Musik – schwankend zwischen genial (meistens) und banal (selten): von verspielten minimalistischen Liedern mit absurden Texten wie «Daisy», das in einer Heirat mit einem Hund endet, über die berührend nachdenkliche Ballade «Gebei», in der King Pepe über die eigene Vergänglichkeit sinniert, bis zum dick aufgetragenen, süssen «I ha ke Angscht meh».

Loops auf dem Rekorder

Die allermeisten Instrumente spielt der 34-Jährige selbst ein. «Ich bin ein Bastler», sagt er. Mit 18 Jahren hat er sich selbst auf dem Kassettenrekorder aufgenommen, das Aufgenommene abgespielt, darüber eine weitere Melodie gespielt und das Ganze auf einem zweiten Rekorder aufgenommen. Wie eine verspielte Bastelei wirkte auch das vor drei Jahren erschienene Album «Blöd im Chopf», das Simon Hari damals noch als Senior Pepe herausgegeben hatte. Aufgenommen in seiner Wohnung, alles selbst gemacht und absichtlich etwas dilettantisch. Aus Spass und für Freunde, sagt er.

Seither gab es ein Upgrade für Pepe, nicht nur im Namen: Im Rahmen eines Stipendiums in Glasgow schrieb Simon Hari vor zwei Jahren die meisten der Lieder, die nun auf «Tierpark» gelandet sind. «Ich war damals sehr auf Konfrontation aus und stänkerte viel», sagt er. In Glasgow sei es ihm nicht immer gut gegangen. Das ist auch den Liedern anzuhören – es ist dieses Verzweifelte, das ab und zu durchschimmert, zum Beispiel im düsteren «Verlange frisst mi uf».

Jetzt lacht Simon Hari. Er nennt es anders, nämlich Entblössung. Die sei gut und wichtig, damit ein Lied auch berühre. «Mit Zynismus oder Ironie schafft man Distanz zu sich selbst, die man anschliessend wieder überwinden muss, um authentisch zu sein.»

Natürlich, zwei Jahre später sieht vieles ganz anders aus. Einige Lieder sind gar nicht erst auf der CD gelandet, weil der Berner sie «veraltet» fand. «Und manches erscheint mir jetzt ziemlich grossgekotzt», sagt er.

«Du, Macker!»

Anderes finden andere grossgekotzt. Da gibt es zum Beispiel die Vorabsingle «Büssi», textlich angelehnt an den über 50-jährigen Song «Leave My Kitten Alone» von Little Willie John. King Pepe hat das Lied mehr oder weniger unverändert auf Berndeutsch übersetzt. Und so singt er: «Mis Büssi cha guet putze, mis Büssi cha guet choche, i ha mis Büssi gärn, öppe so wi du di Chnoche.» Das nahmen einige ernst, sehr ernst. Es gab böse Reaktionen: «Du, Macker!», wurde ihm beschieden. Und wie hat King Pepe reagiert? Er zuckt mit den Schultern. Schliesslich sagt er: «Ich kann gut verstehen, dass man den Stil oder den Humor nicht mit jemandem teilt.»

Würden die Kritiker jedoch das absolut grossartige «Büssi»-Video sehen, würden sie wahrscheinlich merken, wie King Pepe zu verstehen ist: Er sitzt ein Lied lang da, strickt rosarote Überzügchen für seine Spielzeugwaffen, mit denen er sein Kätzchen beschützen will. Ein Macker sieht anders aus.

Aber mit King Pepe verhält es sich so wie mit dem orientalischen ehemaligen Tearoom. Man wird nie genau wissen, was jetzt Verkleidung ist und was echt.

Plattentaufe: Freitag, 28.1., 22 Uhr, Progr, Bern. CD: King Pepe, «Tierpark», Der gesunde Menschenversand. (Berner Zeitung)

Erstellt: 27.01.2011, 12:04 Uhr

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