Bern

Eigenes Gemüse essen sogar Kinder gerne

BernIm Frühling haben die mit Pflanzen bestückten Holzkisten auch die Berner Schulen erreicht: Das Projekt «Gemüsetruhe» bringt Schulkindern die Gartenarbeit näher.

Eigenes Gemüse pflanzen diese Schulkinder an.

Eigenes Gemüse pflanzen diese Schulkinder an. Bild: Beat Mathys

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Dieses Jahr beschäftigt sich die dritte und vierte Klasse der Primarschule Sonnenhof mit dem Thema Getreide. Genauer mit dem Weg des Getreides vom Feld bis ins Brot. Einen Teil dieser Reise können die Schülerinnen und Schüler seit Anfang Schuljahr direkt miterleben: In einer von sechs «Gemüsetruhen» auf dem Pausenhof wächst Weizen. In den Hochbeeten daneben spriessen Erdbeeren, Kopfsalat, Tomaten, Basilikum und Kapuzinerkresse.

«Die Kinder sollen lernen, wie viel Arbeit und Zeit es braucht, bis unser Essen auf dem Teller landet», sagt Klassenlehrer Michael Stauffer. Seine Klasse hält nicht nur den Wachstumsprozess des Getreides in einem Tagebuch fest, sondern bepflanzt und pflegt die Gemüsetruhen auch.

Alle Materialien werden von der Oekonomischen Gemeinnützigen Gesellschaft Bern (OGG) kostenlos zur Verfügung gestellt; die Schulen erhalten nicht nur die mit Erde gefüllten Holzkisten, sondern auch Werkzeuge, Frühbeetaufsätze und Regenschutzkonstruktionen sowie Giesskannen.

Besonders Letztere werden von den Kindern gerne in die Hand ­genommen, erzählt Stauffer: «Schon Tage vor dem Bepflanzen der Kisten sind die Kinder mit den Giesskannen umhergerannt und haben die Beete gewässert.»

19 Truhen im ersten Jahr

Die bewachsenen Truhen sind keine Neuheit. An vielen Orten in der Stadt Bern trifft man auf die markanten, etwa einen Kubikmeter grossen Holzkisten. So etwa bei der Kirche Bethlehem, im Innenhof des Generationenhauses oder beim Tramdepot Burgernziel. Die dort stehenden Kisten wurden von Stadtgrün Bern aufgestellt, um das sogenannte Urban Gardening zu fördern: die Lebensmittelproduktion in städtischen Gebieten.

Als Ergänzung zum Projekt von Stadtgrün bringt die OGG das Urban-Gardening-Konzept mit den Gemüsetruhen nun auch an die Berner Schulen. Betreut wird das Projekt von OGG-Mitglied und Umweltingenieurin Anne­kathrin Jezler: «Wir befinden uns noch in der Pilotphase des Projekts. Innerhalb des ersten Jahres konnten wir aber bereits 19 Truhen an vier Schulen aufstellen.»

Neben der Primarschule Sonnenhof war das in der Basisstufe Muesmatt, im Kindergarten Breitfeld und an der Tagesschule Rossfeld. «Viele Kinder, die in der Stadt aufwachsen, haben keinen direkten Bezug zur Landwirtschaft oder zur Gartenarbeit. Die Gemüsetruhen sollen diese Wissenslücken füllen», sagt Jezler.

Freiwillig Gemüse essen

Wer nun an das Klischee von den Stadtkindern denkt, die alle glauben, die Kuh sei in Wirklichkeit lila, täuscht sich dann doch. «Sicher die Hälfte der Kinder haben schon mal mit ihren Eltern oder Verwandten im Garten gearbeitet», erzählt Andrea Walker, Klassenlehrerin an der Schule Muesmatt. Seit April kümmert sie sich mit ihrer Stellenpartnerin Marie-Anne Iten und ihrer Klasse um sechs Gemüsetruhen.

Falls eine der teilnehmenden Schulen irgendwann keine Kapazität mehr für die Gemüsetruhen hat, werden diese ganz unkom­pliziert von Stadtgrün abgeholt. Dessen Mitarbeitende würden sich theoretisch auch während den Ferien um die Truhen ­kümmern.

Praktisch ist dies aber nicht ­nötig, weiss Andrea Walker: «Es haben sich viele Eltern freiwillig gemeldet, um in den Ferien die Betreuung der Truhen zu übernehmen.» Nicht nur, weil sie das reife Gemüse behalten dürfen, sondern hauptsächlich, weil die Eltern die Begeisterung ihrer Kinder teilen, erzählt Walker: «Einmal kam eine Mutter zu mir und erzählte mir ganz freudig, dass ihre Kinder, seit sie wissen, woher es stammt, endlich freiwillig Gemüse essen.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.08.2016, 09:54 Uhr

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