Bern

«EWB-Kunden bezahlen das Abenteuer»

BernDie neuen Internetabos, die EWB seit einer Woche den Stadtbernern anbietet, sind teuer und nur in der halben Stadt erhältlich. Kritiker wie EVP-Stadtrat Matthias Stürmer befürchten einen weiteren finanziellen Flop für die Stadt.

EVP-Stadtrat Matthias Stürmer befürchtet, dass das 140 Millionen Franken teure Glasfasernetz in der Stadt Bern ein Flop wird.

EVP-Stadtrat Matthias Stürmer befürchtet, dass das 140 Millionen Franken teure Glasfasernetz in der Stadt Bern ein Flop wird. Bild: Andreas Blatter

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255 Franken kostet es die Stadtberner, wenn sie mit Höchstgeschwindigkeit im neuen Glasfasernetz von Energie Wasser Bern (EWB) unterwegs sein wollen. Pro Monat, wohlgemerkt. Das Internetabo, das EWB heimattreu als «Vougas»-Abo vermarktet, scheint selbst der Anbieterin selber etwas übertrieben. Sonst würde EWB in der Werbung kaum schreiben: «Das EWB-Internet-1000 ist beinahe Angeberei, denn es ist der wahrhaftige Kraftprotz unter unseren Paketen.»

Nur halbe Stadt kann surfen

Doch auch für Berner, die mit dem Internet nicht angeben möchten, hat EWB kein günstiges Angebot: Das billigste Abo namens «Gschwing» kostet immerhin auch 45 Franken. Zum Vergleich: Bei der Firma Iway kostet das billigste Abo auf dem Berner Glasfasernetz 29 Franken. Es ist zwar langsamer als das von EWB und überträgt nur 10 statt 30 Megabits pro Sekunde. Doch vielen Nutzern reicht das. Krass ist der Vergleich mit der Konkurrenz beim 255-fränkigen «Vougas»-Abo: Ab April will Fiber 7 auf dem Berner Glasfasernetz die gleiche Geschwindigkeit zu einem Bruchteil des Preises anbieten: 65 Franken soll es kosten.

Nicht nur wegen des hohen Preises ist es absehbar, dass das Internetangebot von EWB trotz teuren Plakaten und Werbeflyern kaum scharenweise Neukunden anlocken wird. Denn: Das dazu nötige Glasfasernetz ist in der Hälfte der Berner Häuser noch gar nicht installiert. Vor allem im Breitenrain, in der Lorraine und in der unteren Altstadt kann es noch mehrere Jahre dauern, bis deren Bewohner die EWB-Glasfasern überhaupt nutzen können. Trotzdem gibt sich der Berner Energieversorger zuversichtlich: « EWB glaubt fest daran, dass die Nachfrage nach Internetanschlüssen mit hohen Bandbreiten in Zukunft markant ansteigen wird», sagt EWB-Sprecherin Corina Neuenschwander.

Und: «Das EWB-Internet ist im Vergleich mit den Angeboten der Marktführer Swisscom, Sunrise und UPC durchaus konkurrenzfähig», sagt Neuenschwander weiter. Kenner des Markts beurteilen das allerdings ganz anders. Sie vermuten: Das kleine, lokal extrem eingeschränkte EWB werde in diesem Massenmarkt neben den grossen Anbietern keine Chance haben. EWB will keinerlei Angaben dazu machen, wie viele Kunden das Unternehmen bereits hat und mit wie vielen es in Zukunft rechnet. Die Konkurrenz soll EWB nicht in die Karten blicken, lautet die Begründung.

«Kunden müssens bezahlen»

EVP-Stadtrat Matthias Stürmer hat eine andere Vermutung: «EWB will das Ausmass des Verlustgeschäfts vor der Bevölkerung verbergen. Die Konkurrenten kennen die schlechten Zahlen ohnehin.» Er ist überzeugt, dass das 140 Millionen Franken teure Glasfasernetz in der Stadt Bern früher oder später zu grossen Teilen abgeschrieben werden muss, weil viel zu wenig Kunden die grosse Datenautobahn verwenden. Er fürchtet, dass die Berner Energiekunden dereinst via Strom- und Wasserpreise das finanzielle Abenteuer finanzieren müssen.

Gemeinderat und EWB-Verwaltungsrat Reto Nause wollte gegenüber dieser Zeitung zu solchen Fragen nicht Stellung nehmen. Stürmer will der Geheimniskrämerei aber ein Ende setzen. Und zwar «Vougas». Voraussichtlich in einer Woche wird er mit einem Vorstoss verlangen, dass EWB gegenüber dem Stadtrat Rechenschaft über das Glasfasernetz ablegt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.02.2015, 10:25 Uhr

Ein Beispiel

Bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 10‘000 Kilowattstunden für das Heizen einer Viereinhalb-Zimmerwohnung bedeutet die Tarifsenkung eine Einsparung von rund 110 Franken im Jahr. Wer das Gas ausschliesslich zum Kochen benutzt, bezahlt aufgrund der kleinen Bezugsmenge rund 5 Franken weniger pro Jahr.

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