Drohnenverkehr zwischen Berner Spitälern

Bern

Zwischen Tiefenau- und Inselspital sind neu Drohnen unterwegs. Sie transportieren Laborproben. Es gehe um Zeitgewinn, nicht um Einsparungen, sagen die Projektleiter.

Neu über Bern unterwegs: Eine Postdrohne mit vier Propellern und gelbem Transportbehälter.

Neu über Bern unterwegs: Eine Postdrohne mit vier Propellern und gelbem Transportbehälter.

(Bild: Nicole Philipp)

Julian Witschi

Es ist zwar erst ein Test. Doch an Transportdrohnen müssen sich Bernerinnen und Berner wahrscheinlich gewöhnen. Nach einem ersten Projekt in Lugano hat die Post am Dienstag für die Insel-Gruppe Transporte von Laborproben mit Drohnen gestartet.

Die Drohnen fliegen zwischen dem Tiefenauspital und dem Zentrallabor beim Inselspital. Dies völlig autonom, also ohne manuelle Steuerung, sondern anhand von GPS-Standortdaten sowie mit Höhen-, Geschwindigkeits- und Bewegungsmessern an Bord. Für die punktgenaue Landung hilft eine Peilung.

Die Drohnen nehmen nicht den kürzesten Weg über die Länggasse, sondern fliegen via Bremgarten, Aare, Bremgartenwald und Bremgartenfriedhof. Auf dieser Route stünden keine Hochhäuser, Krane oder Leitungen im Weg, sagt Postinnovationschefin Claudia Pletscher.

In einem Pilotversuch will das Inselspital testen, ob der Transport von Laborproben mit einer Drohne Vorteile «einen echten Mehrwert bietet». Video: zvg/Post

Gut 100 Meter über Boden

Die eingesetzten Drohnen des US-Herstellers Matternet sind zwar nicht sehr laut. Und sie sind rund 110 Meter über Boden unterwegs. Aber für Anwohner birgt der Lärm der mit Elektromotoren angetriebenen vier Propeller doch Störpotenzial.

Immerhin ist keine Filmkamera an Bord. Und es besteht laut dem Hersteller keine Gefahr, dass einem die bis zu 12,5 Kilogramm schweren Geräte auf den Kopf fallen.

Denn im Notfall sollte das Fluggerät an einem Fallschirm zu Boden gleiten und mit einem Warnsignal auf sich aufmerksam machen. Bei der ersten Drohnenverbindung der Post zwischen zwei Spitälern in Lugano hat die Drohne in gut einem Jahr bereits über tausend Flüge ohne Zwischenfälle geleistet.

Schneller als Kurier und Taxi

Für die Insel-Gruppe geht es nicht um Einsparungen bei den bislang jährlich bloss rund 200 Laborprobentransporten ab dem Tiefenauspital, sondern um Zeitgewinn: «Müssen Laborproben so rasch wie möglich transportiert werden, kann jede Minute Leben retten», sagt Fried-Michael Dahlweid, Direktor Technologie und Innovation der Insel-Gruppe.

Die Drohnen benötigen für einen Flug zwischen Tiefenau- und Inselspital nur rund 6 bis 8 Minuten. Bisher wurden die Laborproben per Auto- und ­Lieferwagenkurier transportiert oder in dringenden Fällen per ­Taxi. Doch das dauert laut Dahlweid mindestens 15 Minuten.

Rund 6 bis 8 Minuten brauchen die Drohnen für einen Flug zwischen Tiefenau- und Inselspital. Grafik: Dino Caracciolo

Auch die Post betont, Drohnen würden Pöstler «sinnvoll ergänzen, jedoch auch in Zukunft nicht ersetzen». Drohnen seien vorab für spezielle Transporte im medizinischen Bereich geeignet. So wird die Post bald in der Stadt Zürich eine weitere Drohnenflugroute zwischen dem Zentrallabor und der Hirslanden-Klinik Im Park testen.

Überall erfolgen die Flüge in Absprache mit dem Bundesamt für Zivilluftfahrt und der Flug­sicherung Skyguide. In Bern ist auch der Flughafen Belp informiert. Die Drohnen sind aber ausserhalb dessen Sperrzone von 5 Kilometern unterwegs. Und bei Helikopterflügen von und zum Inselspital gilt für Drohnen ein Flugverbot.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt