Dreckwasser soll nicht zum Grundwasser werden

Ostermundigen

Künftig wird Regenwasser im Mundiger Oberfeld unterirdisch gesammelt und gefiltert. Die neue Anlage hat Pioniercharakter.

Synes Ernst steht neben der Baustelle am Schiessplatzweg und lobt, was hier derzeit entsteht: eine zentrale Versickerungsanlage unter dem Boden. Ernst ist als Gemeinderat zuständig für die Gemeindebetriebe und Mitglied der CVP. Just seine Partei wollte im Sommer 2008 dieses Geschäft im Parlament zurückweisen. Für die Christdemokraten standen zu viele Fragen offen, sie sprachen von einem «Experiment» und bemängelten, dass die Schule Rüti vom System ausgeschlossen würde. Dennoch sprach sich die Mehrheit für den Kredit aus. 900'000 Franken kostet das Projekt. Heute, sagt Synes Ernst nun, würde er Ja stimmen. Die Fragen von damals seien beantwortet. So hat beispielsweise das Schulhaus Rüti Zugang zur Kanalisation, und die Vorteile einer unterirdischen Anlage wurden ersichtlich.

In der Schweiz erstmalig

Dass sich die Anlage unter dem Boden befindet, ist landesweit einmalig. Auch, dass sie direkt neben den Wohnhäusern steht. Bis Ende Jahr will man sie an die Kanalisation anschliessen. Das Areal soll zugeschüttet und begrünt werden. «Man kann die Oberfläche etwa als Sportplatz nutzen», so Marci Sterchi, Abteilungsleiter Gemeindebetriebe.

Ostermundigen will wachsen. Für Ernst ist das neue Regenbecken ein Symbol dafür. «Weil immer mehr überbaut wird, kann der Regen nicht mehr abschwemmen.» Die Gefahr drohe, dass sich Dreckwasser mit dem Grundwasser mische.

Früher habe man den Regen in den Bach geleitet, führt Marc Sterchi aus. Das Wasser sollte aber zuerst versickern. Das ist in der nahen Rüti nicht möglich – die Siedlung steht auf Sandstein. In den 1960er-Jahren wurde der Hügel überbaut, die Kanalisation jedoch nicht angepasst. Die neue Anlage leitet das Regenwasser deshalb zur Versickerung nach unten ins Quartier Oberfeld.

Für den Notfall vorgesorgt

Die Anlage besteht aus drei Teilen. Der Regen gelangt mit 700 Litern pro Sekunde in ein Becken. Dieses speichert bis zu 700 Kubikmeter Wasser. Von dort fliesst es dosiert in einen Filter. Dieser simuliert den Humus, jedoch klärt er das Wasser schneller, als die Natur es tut. Danach wird es in die unterirdische Versickerungsanlage geleitet.

Für den Notfall habe man vorgesorgt, so Planer Hansulrich Sterchi. Nahe der Anlage steht die Schmutzwasserkanalisation. Geschieht ein Unfall mit Öl oder ist die Filteranlage gestört, kann das Wasser mittels Schieber dorthin umgeleitet werden.

Berner Zeitung

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