Doktor iPhone ist der Retter in der Not

Bern-Bümpliz

In seiner Klinik im Zentrum Gäbelbach betreut Jonathan Mariampillai besonders geliebte Patienten: iPhones und iPads. Im Operationssaal kann der Doktor fast alles flicken. Sogar ein iPhone, das von einem Lastwagen überfahren worden ist.

Das Innenleben des iPhones: In wenigen Minuten auseinandergeschraubt.

Das Innenleben des iPhones: In wenigen Minuten auseinandergeschraubt.

(Bild: Tanja Buchser)

«Die häufigsten Probleme unserer Patienten sind Wasserschäden und eine zersplitterte Glashülle, nachdem sie zu Boden gefallen sind», sagt Doktor Jonathan Mariampillai in seiner iPhone-Klinik im Zentrum Gäbelbach. Der gebürtige Tamile grinst. «Wasserschaden haben die Geräte oft, weil sie ins WC gefallen sind.» Für einen solchen Fall hat das Klinik-Team im sogenannten Operationssaal Desinfektionsmittel und Handschuhe bereit. Oft fischen die Besitzer ihr Smartphone aus der Toilette, waschen es und fönen es dann. Dabei sei Fönen Gift für das Gerät: «Damit wird das Wasser überall verteilt.» Mariampillai empfiehlt in einem solchen Fall chinesische Medizin. So lege er das Telefon in Reis ein, das alle Flüssigkeit aus dem Smartphone sauge.

So schnell wie ein iPhone kaputt gehen kann, so schnell können Mariampillai und seine drei Mitarbeiter es wieder flicken: «Durchschnittlich dauert es 10 bis 25 Minuten.» Nach dem Sommer und am Montag empfängt er jeweils am meisten Kunden. «An warmen Tagen gelangen viele iPhones in die Aare und ins Meer, am Wochenende fallen sie in einem Club zu Boden.» Die Kosten betragen zwischen 90 Franken für Kleinreparaturen und 229 Franken für «Schönheitsoperationen». Für die Kunden am wichtigsten: «Anders als bei anderen Providern können wir die Daten retten, da wir die Geräte nicht austauschen.»

Der 27-Jährige hat sich sein Wissen über Apple-Geräte selbst durch langes Tüfteln, Forschen und Basteln beigebracht. Als die ersten iPhones im Jahr 2007 in den USA erhältlich wurden, importierten viele Leute die Geräte in die Schweiz. «Die Software dieser iPhones musste man jedoch hacken, damit sie in den Schweizer Netzen brauchbar waren», erinnert sich der Computerfreak. Immer öfter übernahm er diese Aufgabe für Freunde und Bekannte. Zusätzlich reparierte er die iPhones, als die ersten davon kaputt gingen. Die Nachfrage stieg stetig, und im Jahr 2010 war er sich seiner Kundschaft erstmals genügend sicher, um eine iPhone-Klinik in Zürich zu eröffnen. Der Erfolg gab ihm recht: Mittlerweile gibt es seine Kliniken an fünf Standorten in der Schweiz, weitere sind in Planung. Neben iPhones behandelt er auch iPads: «Die sind wie iPhones, nur innen leer.»

Flüchtlinge aus Sri Lanka

Neben Jonathan Mariampillai tüfteln in den Operationssälen der Kliniken ausschliesslich weitere Tamilen. Viele sind gelernte Informatiker, die wegen des Krieges in die Schweiz geflüchtet sind. Da sie lediglich einen Flüchtlingsausweis hätten und die Sprache nicht beherrschten, sei es für sie enorm schwierig, gute Arbeit zu finden. «Anstatt Teller zu waschen, können sie in meinen Kliniken ihre Begabung voll ausleben», sagt Mariampillai. Mit seiner Familie kam er als 9-Jähriger in die Schweiz. Wegen seines Flüchtlingsstatus konnte er aber keine Informatikerlehre absolvieren: «Es gab für uns Flüchtlinge die Wahl zwischen Bäckerei, Landwirtschaft oder Gastronomie.» Er entschied sich für eine Lehre als Servicefachmann, hat aber nun mit den iPhone-Kliniken sein Hobby zum Beruf gemacht – und seinen Beruf zum Hobby. «Ich helfe immer noch gerne bei Freunden in Restaurants aus», sagt er.

Vom Lastwagen überrollt

Der Unternehmer kann kaum glauben, wie erfolgreich sein Konzept ist. Den Hauptgrund sieht er in der emotionalen Bindung zum Gerät von Apple: «Ein iPhone ist etwas Geliebtes.» Einmal sei ein Lastwagenführer zu ihm gekommen, dessen Telefon beim Einsteigen unter die Räder gefallen sei. Nachdem er es überfahren hatte, brachte er es, völlig zerquetscht, in die iPhone-Klinik. «Da die Hauptplatte nicht beschädigt war, konnte ich es retten», sagt Mariampillai. Für den Lastwagenfahrer sei sein iPhone nun ein besonderes Erinnerungsstück geworden.

Mariampillai selbst besitzt immer die neuesten Versionen der iPhones und iPads. Sogar ein iPhone 4S, das erst am 28. Oktober in die Schweiz kommt: «Ich importiere die neuen iPhones aus England, damit ich sie früher als die anderen Provider verkaufen kann.»

Berner Zeitung

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