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Disput um die Ekeko-Figur flammt wieder auf

BernUm die Ekeko-Figur, welche das Bernische Historische Museum (BHM) Ende 2014 an Bolivien zurückgegeben hat, ist ein neuer Disput entflammt.

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BHM-Direktor Jakob Messerli geht davon aus, dass in Bolivien die Vereinbarung verletzt wird, mit der im Herbst 2014 die Rückgabe der Figur geregelt wurde.

Die Figur, die nach bolivianischen Angaben eine Gottheit zeigt, soll nämlich nach Angaben auf der Internetseite der bolivianischen Botschaft in Deutschland und der Schweiz in den nächsten Tagen an mehreren Orten des Andenlandes gezeigt werden.

Wenn es soweit komme, verletze dies die Vereinbarung, welche das BHM und das Museo Nacional de Arqueología (Monarq) in La Paz im vergangenen Herbst abgeschlossen hätten. Das machte Messerli in einem Mitte Dezember in der bolivianischen Zeitung «La Razón» erschienenen Interview klar, auf das am Sonntag der «SonntagsBlick» aufmerksam machte.

In der Vereinbarung stehe, dass die Figur nur im Monarq gezeigt werde, so Messerli.

Der spanischen Presseagentur EFE sagte der BHM-Direktor gemäss einer am vergangenen Mittwoch in «La Razón» erschienenen Meldung, er sei enttäuscht. Auf die Frage, ob das Museum rechtlich gegen die Reise der Figur durch Bolivien vorgehen wolle, sagte Messerli, es gelte Geduld zu haben und zu versuchen, eine Lösung abseits des rechtlichen Wegs zu finden.

Noch im Herbst hatte rund um die Ekeko-Figur in Bern eitel Sonnenschein geherrscht: In einer gemeinsamen Medienmitteilung des BHM und der Botschaft Boliviens in Deutschland und der Schweiz war die Rede von einer «Win-Win-Lösung» für Bern und Bolivien.

Die Vereinbarung sah auch vor, dass die beiden Museen künftig in den Bereichen Konservierung, Forschung und Vermittlung zusammenarbeiten wollen.

Botschafterin geht zum Gegenangriff über

Die jüngsten Aussagen Messerlis haben nun auch die Botschafterin Boliviens in Deutschland und der Schweiz auf den Plan gerufen. Elizabeth Salguero Carrillo wirft laut «La Razón» Messerli ihrerseits vor, die Vereinbarung verletzt zu haben. In diesem Papier stehe nämlich, wenn es zu Meinungsverschiedenheiten komme, müssten diese direkt zur Sprache gebracht werden, nicht via Medien.

Ausserdem verkenne Messerli die Bedeutung der Figur für die bolivianische Bevölkerung, sagt die Botschafterin laut «La Razón» weiter. Es sei geplant, dass die Ekeko-Figur an mehreren Orten Teil einer Prozession werde, so wie eine Figur der Jungfrau Maria - an vielen Orten in der Welt - vor Ostern öffentlich herumgetragen werde.

Die bolivianische Zeitung bezieht sich auf ein Pressecommuniqué der bolivianischen Botschaft in Berlin. Mit ähnlichen Aussagen wird Salguero Carrillo im «SonntagsBlick» zitiert. Die bolivianische Botschaft war am Sonntag nicht zu erreichen, ebensowenig wie Messerli und das BHM.

Für eine Flasche Cognac

Die Ekeko-Figur gelangte im Jahr 1858 in Schweizer Besitz. Damals soll sie der Naturforscher Johann Jakob von Tschudi im Andenhochland gegen eine Flasche Cognac von Einheimischen erworben haben. Seine Nachkommen verkauften sie 1929 ans BHM.

Vor etwa einem Jahr richtete sich der bolivianische Staat via Botschaft in Berlin an das BHM und ersuchte um die Rückgabe der nur 16 Zentimeter grossen Statue. Im November übergab das BHM die Figur dem Monarq, obwohl es der Meinung ist, es handle sich gar nicht um eine Darstellung der Gottheit Ekeko.

Einig ist man sich aber zwischen Bern und La Paz, dass die Figur eines der besterhaltenen und schönsten Zeugnisse der Pukuara-Kultur (200 v. Chr. bis 200 n. Chr) am Titicacasee ist. (chh/sda)

Erstellt: 18.01.2015, 14:33 Uhr

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