Direktor der Klinik geht

Laslo Pataki tritt Ende Jahr als Direktor der Psychiatrischen Dienste Biel-Seeland-Berner Jura zurück. Er hinterlässt einen Betrieb, der massiv sparen muss, wenn er als selbstständige Psychiatrie bestehen will.

Laslo Pataki, Direktor der Psychiatrie in Bellelay, tritt zurück.

Laslo Pataki, Direktor der Psychiatrie in Bellelay, tritt zurück.

(Bild: zvg)

Sandra Rutschi

Die drei Berner Psychiatrien werden 2017 aus der Kantonsverwaltung ausgelagert. Damit deckt der Kanton die Defizite nicht mehr. Wie die UPD Waldau, das PZM Münsingen und die PDBBJ Bellelay eine ausgeglichene Rechnung erzielen wollen, gibt die Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) heute bekannt.

In Bellelay scheint eine der Massnahmen zu sein, mit einem neuen Direktor in die Selbstständigkeit zu starten: Am Donnerstag teilte die GEF mit, dass Laslo Pataki per Ende Jahr als Direktor von Bellelay zurücktritt. Er wolle sich wieder auf seine Tätigkeit als Psychiater konzentrieren, sagt Pataki. Dies ausserhalb der Klinik. «Die Perspektive eines verselbstständigten Betriebs, der ohne kantonale Subventionen auskommen muss, und die Ergebnisverbesserungsmassnahmen entsprechen nicht meinen Vorstellungen, wie ich die nächsten zehn Jahre verbringen möchte», sagt der 55-Jährige.

Hohe Defizite

Szenenkenner überrascht Patakis Rücktritt nicht. Für sie gibt es einen direkten Zusammenhang mit den maroden Finanzen der Klinik. Ohne den Support des Kantons würde die PDBBJ ein massives Defizit schreiben: Letztes Jahr war laut gut unterrichteten Kreisen von 7 Millionen Franken die Rede, die bei einer Verselbstständigung im Budget eingespart werden müssen. Schon damals war klar, dass dies nicht ohne Personalabbau möglich sein wird.

Mittlerweile ist davon auszugehen, dass der Betrag sogar noch höher liegt. Pataki selbst sprach am Donnerstag von einem «grossen Effort», den die Klinik leisten muss, und auch GEF-Sprecher Jean-Philippe Jeannerat sagte: «Die Herausforderung ist für die PDBBJ eine grosse.» Die aktuellen Zahlen werden erst heute bekannt gegeben.

Zu wenig geleistet

Zwei Baustellen schlagen in den PDBBJ zu Buche: Zum einen sind die Gebäude kostspielig in Miete und Unterhalt. 4 der 7 Millionen Franken entfallen auf Gebäude, Infrastruktur und Personal. Zum anderen wurde in Bellelay aber offenbar auch zu wenig gearbeitet. Denn die restlichen 3 Millionen Franken entfallen auf Leistungen, welche der Betrieb zwar mit dem Kanton vereinbart, aber nicht erbracht hat. Ab 2017 wird der Kanton nur noch jene Leistungen bezahlen, die auch tatsächlich erbracht wurden. Die Produktivität in der PDBBJ werde nicht allzu grossgeschrieben, heisst es in gut unterrichteten Kreisen. Die Angestellten machen lange Pausen und gehen bereits am Freitagmittag ins Wochenende, die Therapeuten behandeln nur gerade drei bis fünf Patienten pro Tag. «Jeder hat sein eigenes kleines Königreich. Es wurde jahrelang geschlampt – und Pataki hat das gedeckt», sagt ein Kenner.

Perrenouds Protegé

Gut möglich, dass auch Patakis Chef nicht so genau hingeschaut hat: Laslo Pataki gilt als Protegé von Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud. 2002 beförderte Perrenoud, damals Direktor in Bellelay, Pataki zum ärztlichen Direktor.

Als Perrenoud 2006 Regierungsrat wurde, löste Pataki ihn an der Spitze der Klinik ab. Zuerst interimistisch, bevor er 2009 definitiv als Direktor eingesetzt wurde. Die lange interimistische Zeit liegt laut GEF daran, dass damals eine interjurassische Organisation der Psychiatrie geprüft wurde. Diese hätte je nachdem auch Auswirkungen auf die Leitung der PDBBJ gehabt.

Dass die GEF Laslo Pataki in Anbetracht der finanziellen Situation und der Herausforderungen der Zukunft den Rücktritt nahegelegt hat, können sich Insider gut vorstellen. Sowohl die GEF als auch Pataki dementieren dies jedoch.

Berner Zeitung

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