Region Bern

Diese Gemeindepräsidenten treten ab

Region BernSie verfügen über fast sechs Jahrzehnte politische Erfahrung. Nun bedeutet die Fusion für die Gemeindepräsidenten von Gelterfingen, Kirchdorf und Noflen das Ende ihrer Tätigkeit. Traurig sind sie deswegen nicht.

Gemeindepräsidenten am Gerzensee: Daniel Hublard, Paul Messerli und Martin Meier (v.l.) haben viele Jahre Gemeindepolitik gemacht.

Gemeindepräsidenten am Gerzensee: Daniel Hublard, Paul Messerli und Martin Meier (v.l.) haben viele Jahre Gemeindepolitik gemacht. Bild: Christian Pfander

Zusammen waren sie 30 Jahre lang Gemeindepräsident und sassen 24 Jahre im Gemeinderat. Daniel Hublard in Gelterfingen, Paul Messerli in Kirchdorf, Martin Meier in Noflen. Sie waren alle um die 30, als sie ihre politische Karriere starteten, jetzt sind sie alle über 50. Auf Anfang Jahr fusionieren die drei Gemeinden zusammen mit Mühledorf zur neuen Gemeinde Kirchdorf.

Der Gemeindepräsident von Mühledorf, Eric von Graffenried, übernimmt das Zepter in der neuen Gemeinde. Die Ären ­Hublard, Messerli und Meier hingegen enden mit der Fusion.

Turbulente Jahre

Der dienstälteste der drei Gemeindepräsidenten ist Daniel Hublard. 17 Jahre lang stand er an der Spitze von Gelterfingen, zuvor war er während 4 Jahren Gemeinderat. «Es ist besser, wenn man am Anfang nicht weiss, was alles auf einen zukommt», sagt er. Denn der 52-Jährige erlebte turbulente Zeiten.

Zweimal wurde die Gemeinde vor das Bundesgericht gezogen, einmal wegen des Schiesswesens und einmal wegen der Überbauung Houene, gegen die sich Einwohner gewehrt hatten. Am Ende wurden die Häuser gebaut. «Wir brauchten auch unwahrscheinlich lange für eine neue Ortsplanung», sagt Hublard. Und auch der Aufbau der Wasserversorgung habe länger gedauert als geplant.

Hublard hätte gerne schon viel früher aufgehört, wenn sich jemand anders zur Verfügung gestellt hätte. So aber musste vor 5 Jahren die Amtszeitbeschränkung für ihn aufgehoben werden. «Wir haben so kleinräumige Strukturen, hier landet letztlich alles beim Gemeindepräsidenten», sagt er. Deshalb empfindet er jetzt auch Erleichterung. «Das ist künftig nicht mehr meine Angelegenheit.»

Wie der Vater

«Es wird Zeit, aufzuhören», sagt Paul Messerli (SVP) zu seinem Ausscheiden aus der Politik. Mehr als 20 Jahre lang hat er politisiert, zunächst als Grossrat und 8 Jahre im Kirchdorfer Gemeinderat, nun seit 11 Jahren als Gemeindepräsident. «Ich habe das aber immer gern gemacht», sagt er.

Durch sein Engagement trat Messerli in die Fussstapfen seines Vaters, der die gleiche Karriere als Grossrat und Gemeinderat hingelegt hatte. «Er hat mich sicherlich inspiriert», sagt der 52-Jährige. Doch sei es auch nicht nur einfach gewesen. «Die Erwartungen an mich waren deswegen wohl etwas höher», sagt Messerli, «aber allein mit dem Namen ist es nicht gegangen.»

Ganz am Anfang hielt ihn die Renaturierung des Limpachs auf Trab, dann die Ortsplanungsrevision. Grosse Veränderungen hat es in Kirchdorf in den letzten Jahren nicht gegeben, worüber er allerdings nicht traurig ist. Das Dorf sei leicht gewachsen, der Steuerfuss gleich geblieben, kurz: «Wir haben uns gut gehalten.» So zieht er sich jetzt mit einem guten Gefühl zurück. Langeweile werde sicher nicht aufkommen. Vor allem wird dem Biobauern die Arbeit auf seinem Obstbaubetrieb nicht ausgehen.

Zwei Amtszeiten

Auch Martin Meier (SVP) aus Noflen beendet eine langjährige politische Karriere. Als junger Mann sass er schon 10 Jahre im Gemeinderat. «Damals gab es noch keine Computer, auf der Verwaltung reichte noch eine Schreibmaschine», sagt Meier. Dafür hatte Noflen noch eine eigene Verwaltung.

Vor 4 Jahren kehrte der Biobauer in die Lokalpolitik zurück, zuerst als Gemeinderat, vor zwei Jahren wurde er Präsident. Der grösste Unterschied zur ersten Amtszeit? «Die Arbeit auch für Gemeinderäte ist heute viel anspruchsvoller», sagt Meier. Und man sei viel besser vernetzt, was aber auch Zeit koste.

Meier war gerne politisch aktiv, besonders streicht er das gute Verhältnis im Gemeinderat heraus. Schattenseite erlebte der 58-Jährige praktisch keine. «Es ist mir immer gut gegangen.»

Zum Schluss die Fusion

In den beiden letzten Jahren waren alle drei Präsidenten am meisten mit der Fusion beschäftigt, und sie freuen sich, dass sie zustande gekommen ist. «Das ist eine gute Lösung», sagt Paul Messerli. «Für uns ist sie der logische Schritt», sagt Martin Meier. «Ich könnte mir vorstellen, dass sie nur ein Zwischenschritt zu einer noch grösseren Fusion sein wird», sagt Daniel Hublard.

Falls es so kommen sollte: Das Trio wird es sicher nicht mehr betreffen. (Johannes Reichen)

Zwei Präsidenten, zwei Jahre, ein gemeinsamer Kraftakt
Markus Geist und Hanspeter Heierli führten ihre Dörfer in die Fusion. Nun treten der Schlosswiler und der Höchstetter Gemeindepräsident kürzer.

Treten kürzer: Hanspeter Heierli (links) und Markus Geist. Bild: Manuel Zingg

Beide amteten während zweier Jahre als Gemeindepräsidenten. Zwei Jahre sind für beide genug. Während der Höchstetter Hanspeter Heierli sich ganz aus der Politik verabschiedet, rückt der Schlosswiler Markus Geist in die zweite Reihe. Ein Erfolg wird die beiden stets verbinden: die Fusion ihrer Dörfer zur neuen politischen Gemeinde Grosshöchstetten.

Markus Geist übernahm Schlosswil vor zwei Jahren mit einem klaren Auftrag. Die Fusionsverhandlungen mit der Nachbarin Grosshöchstetten kamen in die heisse Phase; Geist sollte die Sache zu Ende bringen. Das tat er. Geist, der beruflich die internationale Flotte der SBB leitet, betonte stets, dass mit der Fusion auch sein Mandat endet.

Ganz aus der Politik verabschiedet er sich indes nicht. An der letzten Schlosswiler Gemeindeversammlung fasste er neuerlich eine Aufgabe: Er soll auch ­künftig Schlosswiler Anliegen vertreten. Als Gemeinderat im neuen Grosshöchstetten. Er freue sich darauf, sagt Geist. «Die Belastung wird kleiner.»

Pedantischer Vermittler

Druck kennt auch sein Amtskollege jenseits der alten ­Gemeindegrenze, Hanspeter Heierli. Nicht nur der Fusion wegen, für die der BDP-Mann stets offensiv weibelte, in die auch er zahllose Stunden investierte. Eine ungleich schwierigere Situation musste Heierli meistern, als er das Amt antrat.

Jenes Amt, das er selbst nie ­gesucht hatte, das er nur übernahm aufgrund tragischer Umstände. Im Sommer 2015 verstarb sein Vorgänger Martin Steiner unerwartet. Wer die Gemeinde künftig führen soll, war völlig unklar. Bis Heierli sich zur Verfügung stellte.

Der 70-Jährige brachte daraufhin verschiedene Projekte ins Trockene: nebst der Fusion etwa die Reorganisation der Höchstetter Energiebetriebe. Dabei trat er stets als Vermittler auf, als einer, der über Parteigrenzen hinweg politisiert. Pragmatisch und fast schon pedantisch seriös. Nun ist Schluss. «Mehr Zeit für die Familie» wolle er. «Endlich in den richtigen Ruhestand.» (cef)

Ausserdem treten ab:

(rei/cef/lfc/hus)

Erstellt: 29.12.2017, 08:24 Uhr

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