«Die zentralen Kritikpunkte werden nochmals geprüft»

Köniz

Die Könizer Gemeinderätin Katrin Sedlmayer (SP) kontert die Kritik von Thomas Schneiter. Sie weist den Vorwurf zurück, Alternativen zum Tram habe man nicht geprüft.

Setzt auf das Tram: Gemeinderätin Katrin Sedlmayer.

Setzt auf das Tram: Gemeinderätin Katrin Sedlmayer.

(Bild: Stefan Anderegg)

Lucia Probst

Katrin Sedlmayer, Sie wollen ein Tram nach Köniz bauen: Was sagen Sie zum Vorwurf, Alternativen seien gar nicht wirklich angeschaut worden? Katrin Sedlmayer: Es kann keine Rede davon sein, dass Alternativen zum Tram zu wenig geprüft worden sind oder wir die Planung überstürzt vorangetrieben haben. Die ganze Frage beschäftigt uns mittlerweile seit rund zehn Jahren. Bevor das Tram und der S-Bahn-Ausbau als Bestvarianten beim Bund eingegeben wurden, haben die Behörden unter Federführung des Kantons in einer breit angelegten Studie rund 70 Varianten geprüft. Dies als Basis für die Lösung der künftigen Probleme in der Verkehrs- und Siedlungsentwicklung.

Doppelgelenk-Trolleybusse sind für Sie also absolut keine Alternative? Auch diese Busse waren eine der 70 Varianten, doch diese Idee wurde verworfen. Das Gutachten zum Tram Region Bern von ETH-Professor Ulrich Weidmann sagt zwar aus, dass als nächster Ausbauschritt Doppelgelenk-Trolleybusse wohl genügen würden. Doch machen die Gutachter keine Kosten-Nutzen-Rechnung.

Und die sieht schlecht aus? Fakt ist, dass Bernmobil nicht über solche Fahrzeuge verfügt. Die Strassen würden zudem dieser Belastung ohne Ausbau und besseren Unterhalt nicht standhalten. Auch die Haltestellen sind nicht auf diese Busse ausgelegt. Der Takt zwischen den Bussen wäre zudem höher als beim Tram. Das Problem der Paketbildung ist damit nicht gelöst. Für eine Zwischenphase wären solche Busse eine Lösung. Längerfristig braucht es aber ein leistungsfähigeres System. Wir finden es deshalb zweckmässiger und günstiger, direkt aufs Tram umzustellen.

Sie gehen aber auch von einem Wachstum aus, das nicht alle in diesem Ausmass voraussehen. Der Raum Liebefeld-Köniz ist eines unserer Wachstumsgebiete. Das Wachstum wird in erster Linie durch die Nachfrage gesteuert. Solche Prognosen kann man immer infrage stellen. Das haben auch die Gutachter gemacht. Sie sagen aber nicht, dass unsere Prognosen falsch sind. Sie sagen nur, dass diese wohl nicht so schnell eintreffen werden.

Die Schwarzenburgstrasse ist eine Knacknuss für das Projekt. Wird man hier das Tram kaum überholen können, wie das Kritiker befürchten? Vorgesehen ist, dass sich das Tram an jeder zweiten Haltestelle überholen lässt. Das werden jeweils nur wenige Autos tun können, das ist so. Aber das ist auch nicht entscheidend für den Verkehrsfluss. Heute verkehren die Busse im 3-Minuten-Takt, das Tram wäre im 6-Minuten-Takt unterwegs. Das erhöht den Verkehrsfluss wesentlich und schafft Platz für den Individualverkehr. Für die Velos sind durchgehende Radstreifen vorgesehen. Die Gemeinde plant zudem parallel zur Schwarzenburgstrasse alternative Radrouten.

Und die Wendeschlaufen für das Tram? Kritiker und Gutachter sagen, sie seien falsch platziert. Das Gutachten findet in der Tat die Strecke vom Eigerplatz bis zur Betriebsschlaufe in der Sandwürfi zu lang. Diese Frage wird in der Projektierung nochmals geprüft. Der Bau der Wendeschlaufe in Schliern wird geologisch eine Herausforderung sein, wir haben dazu erste Gutachten. Der Bau ist kein No-Go, doch werden hier noch Alternativen geprüft. Sollte es Schwierigkeiten geben, muss das nicht die Gemeinde bezahlen. Sämtliche Traminfrastruktur, also auch die Schlaufen, finanzieren Bund und Kanton.

Das Gutachten von Herrn Weidmann enthält einige Kritik am Tramprojekt. Wie gehen Sie mit diesen Kritikpunkten um? Die zentralen Kritikpunkte aus dem Gutachten werden im Rahmen der Projektierung nochmals geprüft. Vergessen darf man aber nicht: Die Quintessenz des Gutachtens bleibt, dass ein Tram ein sinnvoller Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes ist. Nach Ostermundigen ist der Bedarf sicher grösser als in Richtung Köniz. Trotzdem: Auch Professor Weidmann sagt nicht, dass das Tram nach Köniz eine schlechte Lösung ist.

Berner Zeitung

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