Gantrisch

Die untere Gantrischhütte schliesst

GantrischDie Armasuisse will den Vertrag mit Wirtin Silvia Ammann nicht mehr verlängern, obschon weit und breit kein Käufer für die Liegenschaft in Sicht ist.

Silvia Ammann blickt in eine ungewisse ­Zukunft. Ende Monat ist für sie in der unteren Gantrischhütte Schluss.

Silvia Ammann blickt in eine ungewisse ­Zukunft. Ende Monat ist für sie in der unteren Gantrischhütte Schluss. Bild: Susanne Keller

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Das Restaurant in der unteren Gantrischhütte ist bald Geschichte. Wer nach Ende Oktober nach dem Wandern oder an einem sonnigen Wintertag nach einer Skitour in der Hütte einkehren will, wird auf verschlossene Türen stossen. «Die Armasuisse wollte meinen Vertrag nur noch für diesen Winter verlängern», sagt Wirtin Silvia Ammann. Im Winter sei ihr Betrieb noch wetterabhängiger als in den Sommermonaten. Deshalb ziehe sie es vor, bereits Ende Monat zu gehen.

Schon 2013 war es fast so weit gekommen. Aber die Armasuisse übertrug der Gemeinde Rüschegg, auf deren Boden die Hütte steht, die Kompetenz, bis zu einem Verkauf einen befristeten Saisonvertrag mit der Wirtin abzuschliessen. 2014 schrieb die Armasuisse die Hütte mit einem Projektwettbewerb aus.

Existenzangst

Silvia Ammann hängt an der unteren Gantrischhütte, in der sie seit nunmehr 33 Jahren wirtet. «Ich dachte, ich könne bleiben, bis die Armasuisse einen Käufer gefunden hat», sagt sie, sitzt am Tisch, und Tränen rinnen über ihr Gesicht. Ihr ist bewusst: Mit 55 Jahren ist eine Stellensuche alles andere als einfach. Und an einem anderen Ort wieder als Wirtin anzufangen, dazu hat sie im Moment die Kraft nicht.

Silvia Ammann schweigt einen Moment, grüsst Gäste, die her­einkommen. Man kennt und duzt sich. Nein, offenes Bier und Coca-Cola habe sie nicht mehr, sagt die Wirtin, die mit Sorge auf die Tage bis zum Monatsende schaut, wo es noch eine Menge zu tun geben wird. Aufräumen, zusammenpacken, allenfalls das Inventar verkaufen. Ungewissheit und Existenzangst plagen die Wirtin und dazu die Trauer um die vergangenen Jahre, die trotz viel Arbeit eben auch schön gewesen seien.

Ungewissheit

«Diese Saisonverträge waren auf Zusehen hin. Das wusste Frau Ammann», sagt Markus Hirschi. Gemeindepräsident von Rüschegg. Als die Armasuisse 2013 den Verkauf der unteren Gantrischhütte anvisiert habe, habe man sich im Gemeinderat überlegt, ob es sinnvoll wäre, die Liegenschaft zu kaufen. «Wir verwarfen das aber. Denn wir sind keine Gastronomen. Zudem wollen wir nicht Steuergelder für den Unterhalt einer Liegenschaft ausgeben.»

Hirschi bedauert, dass nach der Schliessung der Hütte für die Bevölkerung und die Touristen im Naturpark wieder ein Restaurant weniger vorhanden ist. «Einige sind geschlossen. Und von denjenigen, die es noch gibt, weiss man nicht recht, wie lange.»

Der Verkauf der unteren Gantrischhütte wird alles andere als einfach. Denn: Unter demselben Dach wie das Restaurant und die Militärunterkünfte ist nämlich auch ein Alpbetrieb untergebracht. Die Liegenschaft untersteht damit zum Teil dem bäuer­lichen Bodenrecht und kann deshalb im Grundsatz nur an einen aktiven Landwirt übertragen werden. Senn Paul Ammann, Bruder der Wirtin, macht sich keine Sorgen. «Ich habe vor 2 Jahren einen neuen Pachtvertrag erhalten, der eine Laufzeit von 50 Jahren hat. Da kann mir nichts passieren.»

Im Vertrag sei sogar ein Vorkaufsrecht enthalten. Allerdings kann sich Paul Ammann im Moment nicht vorstellen, die sanierungsbedürftige Liegenschaft zu erwerben. «Man müsste die sanitären Installationen erneuern sowie Brandmelder anbringen, was bei so vielen Räumen viel Geld kosten würde», sagt Ammann, der jeweils die Alpsommer in der Hütte verbringt und dort Kälber mästet.

Stockwerkeigentum

Hat die Armasuisse einen Käufer oder eine Käuferin gefunden? Oder wird die Hütte bis auf weiteres einfach leer stehen? Kaj-Gunnar Sievert, Leiter Kommunikation der Armasuisse, beantwortet diese Fragen schriftlich: «Frau Ammann hat von uns das Angebot erhalten, bis im Frühjahr 2018 den Betrieb offen zu halten. Dies lehnte sie jedoch ab, da sie schon heute für ein weiteres Jahr eine Vertragsverlängerung wollte.» Es bestehe die Absicht, den Gebäudeteil mit Restaurant und Truppenunterkunft im Baurecht als Stockwerkeigentum abzutreten. Ein konkreter Interessent liege aber nicht vor.

Mit dem Weggang von Wirtin Silvia Ammann wäre der Weg vollständig frei für einen allfälligen Käufer, der seit der Ausschreibung im Jahr 2013 nicht gefunden worden ist. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.10.2017, 06:29 Uhr

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