Die süsse Welt der alten Hasen

Belp

Alte Hasenformen sind für sie alles andere als von gestern: Confiseurin Renate Steiger aus Belp sammelt sie voller Begeisterung. Sie giesst bis heute Schoggihasen mit viel Retrocharme, auch wenn das seine Tücken hat.

  • loading indicator
Lucia Probst

Wenn es um Ostern geht, hat Renate Steiger die Qual der Wahl. Oder auch nicht. Denn die Konditor-Confiseurin aus Belp möchte jede ihrer Hasenformen mindestens einmal mit Schokolade gefüllt haben. Und sie hat viele Formen. Genauer: zehn Kartonkisten voll. «Es macht jedes Jahr Spass, sie wieder hervorzuholen.» Genau gezählt, wie viele es sind, hat sie noch gar nie.

Steigers Sammlung ist umweht vom Charme der Vergangenheit. Es sind alte Hasenformen, die sie und ihre Familie über die Jahre hinweg zusammengetragen haben. Sie stammen aus Brockenhäusern, von Flohmärkten oder auch aus Confiserien, in denen Renate Steiger gearbeitet hat. «Ich spinne auf alles Alte», sagt die 53-Jährige. Sie sammelt auch alten Weihnachtsschmuck. Und alte Rezeptbücher.

Die Osterhasen noch heute mit alten Formen zu giessen, hat für sie auch mit Berufsstolz zu tun. «Es ist viel schwieriger, mit ihnen zu arbeiten als mit neuen.» Denn die alten Hasen sind mit vielen liebevollen Details ausgestattet. Entsprechend viel kann beim Giessen schiefgehen. «Die Formen erinnern mich an meine Kindheit», sagt Steiger. «Ein Osterhase muss für mich so aussehen wie jener, den man einst von der Grossmutter geschenkt bekam.»

Die Hasendame und der Herr

Da ist zum Beispiel die elegante Hasendame mit ihren langen Öhrchen, die keck in die Welt hinausblickt. Frau Hase trägt eine Schleife um den Hals und ein Jackett. Den einen Arm hat sie in die Hüfte gestützt, in der Hasenpfote des andern hält sie ein Schirmchen. Renate Steiger blickt das Häschen voller Freude an: «Einfach der Hammer.»

Zur Hasendame gibts auch einen Herrn mit eleganten Stiefeln und einem Korb am Arm. «Die beiden sind meine Lieblinge», sagt Renate Steiger. Auch wenn sie ihre Tücken haben: Die Ohren sind schmal, der Übergang zum Schirm bricht oft. Der gebeugte Arm ist ebenfalls eine neuralgische Stelle.

Wenn beim Giessen etwas schiefgeht, wird ein Hase wieder eingeschmolzen. Bei heiklen Formen kann bis zur Hälfte der Hasen in Bruch gehen. Bei den neuen passiert das viel seltener. «Die sind extra so gestaltet, dass es kaum mehr heikle Stellen gibt», sagt Steiger. Und auch so, dass sie sich maschinell mit Schoggi füllen lassen. Sie nimmt eine Plastikschale in die Hand – es ist ein Hase mit breitem Gesicht, der an eine Comicfigur erinnert und erklärt: «Die neuen Formen sind oft an Trickfilmsujets angelehnt.»

Es muss knacken

Mitarbeiter Hans Kiener steht in einem kleinen Raum von Steigers Steibach-Bäckerei. Es riecht süss nach flüssiger Schokolade, die in einer Schüssel bereitsteht. Kiener hält die Form für eine Häsin in der Hand und zeichnet ruhig und konzentriert mit weisser Schokolade ein feines Gitternetz aufs Blech. Es ist die Verzierung für den Rock. Verziert wird ein Hase immer ganz am Anfang. Kiener lässt dabei seiner Fantasie freien Lauf. Erst danach wird Schoggi in die Form gegossen.

Genau 32 Grad warm muss die Milchschokolade sein, damit ein Hase richtig schön glänzt. «Man muss die Form sehr exakt auspinseln», erklärt Steiger. Niemals dürfe man dabei mit einem Finger hineingreifen. «Das Fett gibt sonst sofort trübe Flecken auf der Schoggi.» Einen ganzen Tag lang bleibt ein Hase dann in der Form stehen, bis er trocken ist.

«Je älter, desto schwerer»

Unvermittelt haut Renate Steiger einen Schoggihasen in viele kleine Stücke. Was auf den ersten Blick brachial aussieht, ist in Wirklichkeit ein Qualitätstest: «Es hat richtig schön geknackt», sagt die Confiseurin zufrieden. «Das heisst, die Temperatur der Schoggi war optimal.»

Auf dem Tisch in der Backstube steht eine ganze Reihe von Steigers Formen: Ein Küken ist dabei und zwei Hasen, die einen Wagen ziehen. Es sind jahrzehntealte Formen aus Eisen. «Je älter, desto schwerer», sagt Steiger. In den 1960er-Jahren sei das Material dann leichter geworden. «Ganz früher wurden für die Hasenformen zuerst Modelle aus Holz hergestellt, später war es Gips.» Die alten Formen sind heute gefragte Trouvaillen. Eine grössere kann rasch gegen 150 Franken kosten.

Renate Steiger hält einen kleinen Sitzhasen in der Hand. «Das ist der erste Hase, den ich gekauft habe.» Es ist über dreissig Jahre her. Sie war damals in der Confiseurlehre und sah das Häschen auf einem Flohmarkt in Solothurn. Es hätte 50 Franken gekostet. Viel Geld für jemanden in der Lehre. «Ich habe es schliesslich für 10 erhalten, weil ich die Form unbedingt wollte und der Verkäufer Mitleid mit mir hatte.» Es war der Anfang einer grossen Hasenliebe.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt