Münsingen

Die neue Strasse ist umstritten

MünsingenDie Gemeinde Münsingen hat die Mitwirkung zur Entlastungsstrasse Nord ausgewertet: Die Urteile der Einwohner sind unterschiedlich ausgefallen. Der Gemeinderat will eine alternative Route prüfen.

Die alternative Variante B würde einem Ausbau der heute bestehenden Strasse und Unterführung gleichkommen, im Gegensatz zur «Bestvariante» A aber Kulturland im Rossbode schonen.


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Rund 18'000 Fahrzeuge bahnen sich jeden Tag ihren Weg durch das Zentrum von Münsingen. Geht es nach dem Gemeinderat, soll sich dies schon bald ändern. Mit einer neuen Strasse will er das Bahnhofsquartier und den Dorfkern entlasten. An einer Medienkonferenz präsentierte er am Donnerstag die Ergebnisse der Mitwirkung zur sogenannten Entlastungsstrasse Nord.

«Die Meinungen zum Projekt gehen auseinander», resümiert Gemeinderat Andreas Kägi (FDP). Einerseits hätten die Pläne viel Zuspruch erhalten. «Es ist höchste Zeit, wird das Verkehrsproblem in Münsingen aktiv angegangen», hält einer der Mitwirkenden fest. Andererseits sei auch Kritik geübt worden. Meist würde sich diese aber nicht grundsätzlich gegen das Projekt richten, sondern gegen die vor­geschlagene Variante, wie Kägi betont.

Drei Elemente

Die Einwände gegen die Strasse seien immer dieselben: Sie sorge für mehr Verkehr und weise ein schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis auf. Zudem solle der Gemeinderat die Sanierung der Ortsdurchfahrt abwarten. «Davon wird der Verkehr aber nicht weniger», erklärt Kägi. Es brauche deshalb zusätzlich die Ent­lastungsstrasse und eine durchgehende Industriestrasse beim Bahnhof.

«Für eine wirksame Entlastung sind alle drei Elemente nötig.» Die Mitwirkung habe gezeigt, dass das Dreierpaket von der Bevölkerung grösstenteils verstanden werde.

Mehrheitlich werde auch die vom Gemeinderat vorgeschlagene Linienführung unterstützt, sagt Kägi. Diese sieht vor, die Entlastungsstrasse von der Bernstrasse her über den Rossboden zu führen. Anschliessend soll sie die Bahngleise unterqueren und auf die Hunzigenstrasse ein­münden.

Jedoch habe es auch einige Eingaben gegeben, die eine an­dere Linienführung favorisieren. Die Alternativroute unterquert die Bahngleise bereits auf Höhe des Pfarrstutzes. Damit soll das Kulturland vom Rossboden geschont werden. «Eine solche Linienführung birgt einige Hindernisse», gibt Kägi zu bedenken. Auf der Unterführung auf der Höhe des Pfarrstutzes liege laut den SBB eine Weiche. Diese müsste mit grossem Kostenaufwand ab- und wieder eingebaut werden.

Ausserdem würde die Strasse nahe am Psychiatrischen Zentrum Münsingen (PZM) entlang verlaufen. «Das PZM muss hohe ­Anforderungen erfüllen, was die Lärmemissionen betrifft.» Ausserdem handelt es sich um ein geschütztes Objekt. Es sei deshalb fraglich, ob die Strasse dort gebaut werden könne.

«Wir werden diese Umstände aber nochmals prüfen und die beiden Routen einander noch einmal gegenüberstellen.» Im März will der Gemeinderat entscheiden, welche Variante – oder Varianten – er dem Grossen Gemeinderat vorlegt.

Geld vom Aggloprogramm

Eine schlankere Lösung will die Interessengemeinschaft Rossboden. Mittels einer Petition fordert diese neben der alternativen Route ein Lastwagenverbot und eine einspurige Verkehrsführung. Vorschläge, die auch in der Mitwirkung genannt wurden.

«Für den Gemeinderat sind das keine geeigneten Lösungen», sagt Kägi. Eine Einbahnstrasse würde zu mehr Verkehr durch das Dorfzentrum führen. Auch könnten die Sicherheitsstandards nicht eingehalten werden.

Zudem fordert die IG, dass die Planung für die Entlastungsstrasse nur vorangetrieben wird, wenn eine Finanzierung durch das Agglomerationsprogramm des Bundes zugesichert wird.

Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf 15,2 Millionen Franken. Der Gemeinderat hofft zwar auf finanzielle Mittel von Bund und Kanton. Sicher ist die Unterstützung aber noch nicht. Der Baukredit sei deshalb an die Voraussetzung geknüpft, dass Geld fliesst, sagt Kägi. «Ansonsten wird das Projekt wohl be­graben.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.02.2017, 07:36 Uhr

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