Die nächste Generation steht in den Startlöchern

Am Samstag findet in Bern das grösste Läuferfest der Schweiz statt. Hans Schönholzer sorgt als Chef der Infrastruktur dieses Jahr zum letzten Mal dafür, dass am Anlass alles rundläuft.

Sie sind eine GP-Familie: Hans (Grossvater), Urs (Vater) und Sohn Fabian Schönholzer.

Sie sind eine GP-Familie: Hans (Grossvater), Urs (Vater) und Sohn Fabian Schönholzer.

(Bild: Urs Baumann)

Ohne ihn gäbe es am Samstag kein Ziel. Hans Schönholzer zeigt den Läufern des Grand Prix von Bern seit dreissig Jahren, wo es langgeht. Alles, was vor dem Start und nach dem Ziel auf dem Bern­expo-Gelände für den Lauf aufgebaut ist, wird von ihm verwaltet. Auf der Strecke kennt er jede ­Abschrankung. In diesem Jahr nimmt das pflichtbewusste Vorstandsmitglied zum letzten Mal selbst ein Gitter in die Hand und übergibt nach dem Lauf den Stab an seinen Sohn Urs. Zum Abschluss macht Hans Schönholzer seine Arbeit etwas anders.

Um sicherzustellen, dass sein Sohn das Amt als Chef der Infrastruktur ohne Hürden und Zwischenfälle übernehmen kann, schreibt der 72-Jährige Tipps und Tricks zur Organisation auf, die seinem Nachfolger helfen könnten. «Urs kennt das ganze Programm seit er klein ist, und weiss eigentlich, was auf ihn zukommt. Aber ich will trotzdem für ihn da sein.» Er werde in Zukunft immer noch mithelfen, sagt Hans Schönholzer. Er könne es einfach nicht lassen.

Etwas komisch sei es für ihn schon, seinen Posten aufzugeben. Er habe die gute Kameradschaft im Vorstand des Organisationskomitees und das ausgezeichnete Verhältnis zur Stadt sehr geschätzt. Lachend fügt er an: «Ich werde aber damit leben können.» Vor Langeweile fürchte er sich nicht. Seine Kollegen aus dem OK hätten schon gewitzelt, dass er jetzt dafür umso mehr Zeit habe, seine Laufzeit zu verbessern.

Ruhe beim Laufen

Eingeschleust in das Helferamt wurde Hans Schönholzer vor dreissig Jahren von einem Berufskollegen. «Er hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mitzuhelfen, anstatt nur mitzulaufen.» Und beides macht er heute noch mit grosser Motivation. Jedes Jahr nimmt er sich Zeit, den Lauf selber mitzumachen, und findet auf den schönsten zehn Meilen der Welt seine Ruhe.

Früher lief er noch den ganzen GP, seit einigen Jahren noch die Altstadt-Strecke. So habe er nach seiner eigenen sportlichen Aktivität genügend Zeit, den Zieleinlauf mitzuverfolgen und seinen Aufgaben als OK-Mitglied nachzugehen. «Wenn ich selbst laufe, gebe ich das Telefon und das Funkgerät ab und kann kurz richtig abschalten.»

Familientradition

Der Grand Prix und der Laufsport sind in der Familie Schönholzer ein beliebtes Thema. Verena Schönholzer hat den GP selbst mehrmals bestritten und ihren Mann in seiner Arbeit stets tatkräftig unterstützt. Der ältere Sohn Urs ist begeisterter Läufer, während der jüngere Sohn Christian nach einigen Wettrennen jetzt bei den Läufern musikalisch für Stimmung sorgt. Auch die nächste Generation steht bereits für den Bären-GP in den Start­löchern.

Für Hans Schönholzer darf die Familientradition gerne weitergehen: «Es wäre natürlich schön, wenn Urs das Amt nach zwanzig Jahren ebenfalls seinem Sohn übergeben könnte.» Er sei stolz darauf, dass er seinem Nachwuchs diesen traditionellen Anlass in der Stadt Bern habe näherbringen können, und hoffe, dass die Arbeit seinem Sohn genauso viel Spass machen werde.

Ein verstecktes Kompliment

Hans Schönholzer weiss, dass seine Arbeit hinter den Kulissen geschätzt wird. Ab und zu verstecke sich die Dankbarkeit aber auch in einer Reklamation, wie in einer seiner Lieblingsanekdoten aus dreissig Jahren GP: Das Läuferfest stellt seinen Teilnehmern jährlich Anlagen zur Verfügung, in denen sich vom Sieger bis zum Schlusslicht jeder eine angenehm warme Dusche gönnen kann. Auf das Duschsystem mit den Durchlauferhitzern legt man intern viel Wert.

«Wegen der Duschen erhielt ich aber mal eine böse ­E-Mail», erzählt Hans Schönholzer mit einem Lächeln. Der Absender war ein Teilnehmer, der als einer der Letzten im Ziel eintraf. Er habe sich im Duschzelt beinahe verbrüht, da das Wasser zu heiss gewesen sei.

Hans Schönholzer nahm die Tatsache, dass alle Läufer warmes Wasser hatten, als Kompliment für seine Arbeit: «Zum Glück hat sich der Teilnehmer nicht wirklich verletzt. Die E-Mail habe ich leider nicht mehr. Aber eigentlich hätte ich die einrahmen sollen.»

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