Bern

Die ganze Stadt wird zum Gemüsegarten

BernBald erblüht auf der Brache am Centralweg Berns erster mobiler Gemeinschaftsgarten.

Brache Centralweg: Hier entsteht der Zentralpark, Berns erster mobiler Gemeinschaftsgarten.

Brache Centralweg: Hier entsteht der Zentralpark, Berns erster mobiler Gemeinschaftsgarten. Bild: Urs Baumann

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In Einkaufskörben wachsen Zucchini, Tomatenpflanzen ranken sich aus Plastiksäcken. Aus den Einschnitten in einem Abflussrohr wachsen Salate, daneben spriesst in einem Palettrahmen ein Blumenfeld. In Städten auf der ganzen Welt gibt es mitten im Siedlungsgebiet und Verkehrsdschungel solche Oasen, die bei Bedarf gezügelt werden können. Nun ist es auch in Bern so weit: In der Lorraine entsteht ein Gemeinschaftsgarten, er heisst provisorisch Zentralpark.

Offenheit lässt alle profitieren

Aufgerufen zum gemeinsamen Gärtnern hatten Bewohnerinnen und Bewohner der Wohnbaugenossenschaft Quartierhof mit einem Flugblatt. Zum ersten Treffen Mitte Februar kamen rund ein Dutzend Leute. Den einen fehlte daheim die Möglichkeit, mehr als ein paar Küchenkräuter zu ziehen, andere führte ihr Engagement für städtebauliche oder ökologische Projekte in den Quartierhof. Einig war sich die Gruppe darin, dass sie sich gemeinsam organisieren und mindestens teilweise zusammen ernten und verwerten will, was der Garten hergibt. Der Garten solle für alle offen sein, die Lust haben, sich daran zu beteiligen. In dieser Offenheit stecke Potenzial weit über die nächste Gemüseernte hinaus: Beteiligen sich Menschen an der Gestaltung ihrer Umwelt und über Generationen- und Kulturgrenzen hinweg an gemeinsamen Strukturen, profitiert der Einzelne genauso wie die ganze Gruppe.

Zum zweiten Treffen kamen schon zwanzig Personen in den Quartierhof. In der Zwischenzeit hatte einer gesponserte fünf Kubikmeter Bioerde organisiert, andere sich nach geeigneten Behältnissen erkundigt oder sich über die Pflegebedingungen ihrer Lieblingspflanzen schlau gemacht. Die Suche nach einem geeigneten Platz führte die urbanen Gärtnerinnen und Gärtner zum Centralweg. Dort betreut der Verein brachland seit dem Abbruch der Erb-Garage ein Zwischennutzungsprojekt. Bis die Stadt nächsten Frühling mit dem Bau von 14 neuen Wohnungen beginnt, dient ein Teil der Brache dem Velokurierladen als provisorische Heimat. Der restliche Platz steht der Quartierbevölkerung zur individuellen Nutzung zur Verfügung.

Der Verein brachland freut sich über das Projekt, das die Brache als Zentralpark zum Spriessen und Blühen bringen will. «Es hat genug Platz für verschiedene Nutzungen», sagt Vorstandsmitglied Martin Beutler. Und werde es mal eng für Kinder, die mit ihren Velos die Brache als Motocrosspiste nutzen, könne man die Pflanzen ja ein bisschen zusammenschieben. Beutler: «Es ist ja das Geniale am Projekt Zentralpark, dass der Garten mobil ist.»

Dank der Mobilität kann in einem Jahr jede andere Brache oder ein wenig genutztes öffentliches Areal zum Zentralpark werden. Sobald sich jedoch ein Garten ausserhalb einer geregelten Zwischennutzung öffentlichen Raum nehmen wird, birgt dies Zündstoff. Auf mobile Gemeinschaftsgärten angesprochen, zeigt sich Berns offizieller Stadtgärtner, Christoph Schärer, aber «grundsätzlich offen für neue Ideen». Es sei für die Stadtgärtnerei einfach wichtig, «dass Projekte mit der Bevölkerung abgesprochen sind und wir bei Initiativen klare Ansprechpartner haben, beispielsweise die Quartierorganisationen».

Wirkung auf ganze Stadt

Der erste Frühling des Zentralparks steht vor der Tür. Auf dem geregelten Brachland am Centralweg findet das zunächst zarte Pflänzchen «urbaner Gemeinschaftsgarten in Bern» ein perfektes Reservat vor, um grösser und kräftiger zu werden. In Zeiten, da sich immer mehr Menschen mit der Herkunft ihrer Lebensmittel auseinandersetzen, ist es gut möglich, dass schon ein Jahr später weit über die Lorraine hinaus blühen wird, wofür in diesen Tagen der erste Samen gesät wird. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.03.2011, 06:27 Uhr

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