Die ewige YB-Liebe der Familie Nievergelt

Seit über 50 Jahren ist Heinz Nievergelt eingefleischter YB-Fan. Zusammen mit seiner Familie richtet er den Alltag komplett nach der YB-Agenda. Die aktuellen Erfolgsaussichten bedeuten für die Nievergelts pures Glück.

Ein halbes Jahrhundert lang Fan: Heinz Nievergelt hielt Gelb-Schwarz praktisch sein ganzes Leben über die Stange.

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Die Fahne am Mast vor dem Haus. Der Fussabtreter vor der Eingangstür. Die Kuscheldecke auf dem Sofa. Die Nagelfeile im Badzimmer. Wer am Grafenwaldweg 3 in Bätterkinden zu Besuch ist, kommt um die YB-Farben nicht herum. An den Wänden, auf den Kommoden, im Kleiderschrank: überall Gelb-Schwarz.

Es ist nicht das Zuhause von irgendeinem YB-Fan. Es ist das Zuhause von Heinz Nievergelt. Seit über einem halben Jahrhundert schlägt sein Herz für die Young Boys. Ob Testkick oder Meisterschaft, Cup oder Europapokal: Wo der Club spielt, ist auch «Hene» in aller Regel mit von der Partie. «Seit ich als kleiner Bub zum ersten Mal im Wankdorf war, habe ich diese Leidenschaft in mir», sagt der 62-Jährige.

1000 YB-Spiele

Vor kurzem habe er einmal ausgerechnet, an wie vielen Spielen er bereits dabei gewesen ist. Auf gegen 1000 sei er gekommen. Will heissen: 1000-mal 90 Minuten. Das macht 1500 Stunden, sprich, 62 Tage – also über zwei Monate seines Lebens, die er an YB-Spielen verbracht hat. Einen Match zu verpassen, kommt für Nievergelt nicht infrage. An zwei Händen lassen sich die YB-Pflichtspiele auf Schweizer Boden abzählen, bei denen er in den letzten 15 Jahren nicht dabei war. «Wenn ich fehle, dann höchstens, wenn ich krank bin», so Nievergelt. «Also richtig krank.»

Ein Leben für YB. «Hopp YB!» Seit Jahren besucht die Familie die Spiele. (Foto: Andreas Blatter)

Fieberig fühlt sich Nievergelt auch in diesen Tagen. Allerdings sind dafür nicht etwa körperliche Beschwerden verantwortlich, sondern die derzeit äusserst erfolgversprechenden Aussichten der Young Boys auf gleich zwei ­Titel. Sie lassen beim YB-Verrückten die Fanfieberkurve täglich ansteigen. «Es ist einfach ein wunderbares Gefühl», sagt Nievergelt, «eine stille Vorfreude, ein Kribbeln, das immer mehr aufkommt.»

Den Schlusspfiff in den Ohren

In seinem Alltag scheinen die Glückshormone derzeit mit dem Finanzverwalter durchzugehen – auch im Büro. «Ich schweife immer mal wieder etwas ab», erzählt er. Zudem schaue er sich zu Hause auf Youtube wiederholt die Highlights der letzten Spiele an und höre noch öfters YB-Lieder als sonst. Nachts sei er schon mehrmals aufgewacht mit Bildern aus dem Stadion im Kopf – und dem Schlusspfiff am Tag X in den Ohren, der den Titel endgültig besiegelt. «Man stellt sich schon langsam vor, wie das dann sein wird, wenn es so weit ist.»

Für ihn ist klar, dass zumindest dem Meistertitel dieses Jahr nichts mehr im Weg steht. Das Szenario, in dem es YB doch noch vermasselt, gibt es nicht. Seine Frau Ursula (60) – ebenfalls ein eingefleischter Fan – hält da den Ball schon etwas flacher. «Noch ist nichts gewonnen», sagt sie.

Mit YB kam auch die Liebe

Seit über 40 Jahren ist das Paar zusammen. Und natürlich hat auch die Liebesgeschichte der beiden mit der Liebe zum Club zu tun. Kennen gelernt habe man sich zwar an einem Eishockeymatch. «Das erste Rendez-vous hatten wir dann aber im alten Wankdorf.» 1975 war das, beim damaligen Cuphalbfinal gegen Winterthur.

Für die Berner Fussballer bedeutete das Spiel seinerzeit Endstation. Für Heinz und Ursula –damals 19 und 17 Jahre jung – läutete es den Anfang ihrer Beziehung ein. Längst ist auch Ursula mit dem YB-Virus infiziert – und das nicht nur ihrem Mann zuliebe, wie sie sagt. «Ich interessierte mich schon immer für Fussball.» Aus dem Interesse sei schliesslich eine Passion geworden. Eine, die so weit geht, dass die beiden seit Jahrzehnten im YB-Trikot schlafen.

«Man stellt sich schon langsam vor, wie das dann sein wird, wenn es so weit ist.»Heinz Nievergelt

Ein besonderer Frühling ist es auch für Tochter Franziska. Auch sie ist bei jedem Spiel dabei. Als 31-Jährige hat sie ganz knapp noch nie einen Meistertitel der Young Boys miterlebt. Dass diese Premiere mit ziemlich grosser Wahrscheinlichkeit demnächst Realität wird, sei «sehr speziell» für sie.

Weil Franziska selber im Berner Oberland Fussball spielt, ist ihr Wunschszenario, dass YB schon nächste Woche in Thun Meister wird. Ursula und Heinz ihrerseits haben diesbezüglich das Auswärtsspiel in Basel vom 10. Mai vor Augen. «Lange habe ich mir erträumt, dass wir dort Meister werden», sagt Heinz Nievergelt. Nun werde es vermutlich schon früher passieren. «Bereits als Gewinner nach Basel zu fahren, ist aber genauso schön.» Und es tue dem Serienmeister womöglich sogar noch etwas mehr weh.

Ein Leben für YB. Für Heinz, Franziska und Ursula Nievergelt sind Gelb und Schwarz mehr als Farben. (Foto: Beat Mathys)

Wann auch immer die Meisterschaft entschieden wird: Die Nievergelts werden live mit dabei sein. Eine spezielle Ferienplanung mit Sperrdaten im April und Mai, wie sie in diesem Frühjahr einige Berner vorgenommen haben, hat die Familie nicht nötig. «Unsere Agenda war schon immer nach YB ausgerichtet», so Vater Heinz. Dass er wegen seines Fantums auch schon mal als Spinner bezeichnet wird, ist ihm egal. «Für mich ist das eine Freude, das gibt mir Zufriedenheit.»

Zigarre und Tränen

Nicht nur Freude und Zufriedenheit, sondern pures Glück dürfte der eingefleischte Supporter empfinden, wenn der lang ersehnte Titel definitiv Tatsache ist. Was wird passieren, wenn es so weit ist? «Dann werde ich endlich die Zigarre geniessen, die mir meine jüngere Tochter geschenkt hat und die ich seit ein paar Jahren für diesen Moment aufhebe.» Er schliesse auch nicht aus, dass die eine oder andere Träne fliessen werde. Das habe es in der mitunter bitteren YB-Vergangenheit ja durchaus auch schon gegeben. Dieses Jahr aber sollen es Tränen der Freude sein. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.04.2018, 10:29 Uhr

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