Die bestgehütete Türe im Inselspital

Adventstüre 10. Dezember

Die Biobank des Inselspitals gehört zu den fortschrittlichsten der Welt. Hier lagern Blutproben für die Forschung. 

Tausende von Blutröhrchen lagern hinter dieser Tür.

Tausende von Blutröhrchen lagern hinter dieser Tür.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Melissa Burkhard

Es dauert seine Zeit, bis man vom Haupteingang des Inselspitals zur heutigen Adventstüre gelangt. Man fährt mit dem Lift abwärts, passiert mehrere gesicherte Türen und geht durch lange, verwinkelte Korridore, bis man vor der Tresortüre steht. Sie versperrt den Zugang zur Gefrieranlage der Biobank. Ein klein wenig erinnert hier alles an Science-Fiction – die neonblauen Lichter tragen dazu bei. Hinter dieser Türe verbirgt sich aber nichts Übernatürliches, sondern Tausende von Blutröhrchen, die hier bei minus 80 Grad jahrzehntelang lang gelagert werden. «Wir stellen so der Forschung biologische Proben von bester Qualität zur Verfügung», sagt Professor Carlo Largiadèr, Leiter der Biobank. Diese sei, was Effizienz und Automatismus angeht, weltweit einzigartig.

In diesem Labor werden biologische Proben bester Qualität hergestellt. (Foto: Franziska Rothenbühler)

Eine Stunde von Entnahme bis Lagerung

«Bei der Lagerung von Bioproben ist Geschwindigkeit zentral», sagt Carlo Largiadèr. Biologisches Material verändere sich nämlich, je länger es unter Raumtemperatur stehe. Dies habe bereits zu zahlreichen irreführenden Forschungsresultaten geführt. Von der Blutentnahme bis zur Lagerung dauert es im Inselspital eine Stunde. Das ist höchstes Niveau, auch im weltweiten Vergleich. «Schneller geht nicht», sagt auch Tanja Fröhlich, die die administrative Leitung der Biobank innehat.

«Was wir hier lagern, kann mit Geld nicht be­ziffert werden.»Tanja Fröhlich Administrative Leitung Biobank

Nach der Blutentnahme am Patienten wird die Probe von einem Kurier abgeholt und direkt ins Zentrum für Labormedizin gebracht. Von hier gelangt sie auf eine vollautomatisierte Laborstrasse. Die Blutproben werden dabei in Plasma und Blutzellen geteilt und anschliessend bei minus 140 Grad eingefroren. In einem isolierten, mit flüssigem Stickstoff gekühlten Behältnis werden sie in einem letzten Schritt zur Biodatenbank gebracht und über eine Schiebetür den Robotern im Innern der Gefrieranlage übergeben. Deren Arbeit bleibt unsichtbar. «Es ist eine Blackbox für uns», sagt Tanja Fröhlich. Platz gäbe es für mehr als zwei Millionen Blutröhrchen.

Plan des Lagerungssystems im Inselspital. (Foto: Franziska Rothenbühler)

Medizinischen Fortschritt unterstützen

Bevor Blutproben überhaupt gelagert werden, müssen die Patienten ihre Zustimmung geben. «Wir sammeln nichts ohne Einwilligung», betont Carlo Largiadèr. Der Forschung stünden die Körperflüssigkeiten lediglich anonymisiert zur Verfügung. Will eine Studie beispielsweise Proben von Patienten mit einer Lungenkrebserkrankung nutzen, so muss dies zuvor von einer Ethikkommission bewilligt werden. Erst dann werden diese freigegeben. «Ziel der Studien ist es hauptsächlich, bessere Behandlungsmethoden und Medikamente zu finden», so Largiadèr. Mithilfe der Biobank wolle man den medizinischen Fortschritt unterstützen.

Bei Bioproben handle es sich natürlich um sehr persönliche und wertvolle Materialien, sagt Tanja Fröhlich. Daher werde die Biobank speziell gesichert. Drei unabhängige Kreisläufe sichern die Energie- und Stromversorgung der Kühlanlage. Auch vor Hackingangriffen oder anderen Attacken werde umfassend geschützt. Das sei wichtig, sagt Tanja Fröhlich: «Die Patienten vertrauen uns.» Intern spreche man daher auch von der bestgehüteten Türe im Inselspital. Nur sehr wenige Personen hätten Zutritt. Kein Wunder, sagt Fröhlich: «Was wir hier lagern, kann mit Geld nicht beziffert werden.»

Für den BZ-Adventskalender schauen wir bis Weihnachten jeden Tag hinter eine Tür, die sonst nicht geöffnet wird oder werden darf. Hier können Sie nachlesen, wo wir bisher zu Besuch waren:

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