Die Tour durch den Feierabendverkehr

Ostermundigen

Am Montag rollt der Tross der Tour de ­Suisse durch Ostermundigen. Mitten im Feierabendverkehr muss die Hauptstrasse gesperrt werden. Die Polizei und eine wilde Horde sollen dafür sorgen, dass trotzdem alles störungsfrei läuft.

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Es ist Feierabendzeit. Auf der Ostermundiger Bernstrasse stauen sich Autos, so weit das Auge reicht. Rechts überholen Velofahrer. Alle paar Minuten kommt ein Bus, manchmal auch zwei hintereinander. An der Haltestelle steigen Dutzende Leute aus, strömen über den Fussgängerstreifen und danach in alle Richtungen. Dann setzt sich die Autokolonne wieder in Bewegung, ehe sie kurz darauf abermals zum Stillstand kommt.

Am Montag wird es hier noch komplizierter als sonst. Um ungefähr 17 Uhr wird die Haupt­verkehrsachse gesperrt, der Bus fährt ebenfalls nicht. Die Strasse ist ganz für die Tour de Suisse reserviert: Von Stettlen her rollt der Renntross durchs Gümligental, beim Bahnhof Ostermundigen biegt er auf die Bernstrasse ein und fährt dann Richtung Ziel in Bern. «Um diese Zeit die Tour de Suisse durch die Agglo zu führen – ja, das ist eine Herausforderung», sagt Christian Jost, Verkehrsberater bei der Kantonspolizei Bern. Aber ein Chaos? «Nein, das erwarten wir nicht.»

Die 3. Etappe der Tour de Suisse führt am Montag von Menzingen LU durchs Emmental nach Bern.

«Wilde Horde»

Jost und seine Kollegen sind für die Sicherung der Rennstrecke verantwortlich. Im Winter erhielten sie von den Tour-Organisatoren einen ersten Streckenvorschlag. Im Frühling fuhr man die Strecke gemeinsam ab und legte sie definitiv fest. Danach startete die Polizei zusammen mit den Gemeinden die Detailplanung. «Wir schauen, wo die heikelsten Stellen sind, die von Polizisten gesichert werden müssen», erklärt Jost. In Ostermundigen stehen am Montag sechs solche Posten, vor allem bei Kreiseln und grossen Kreuzungen. Zusätzlich stellt die Gemeinde Ostermundigen vier Mitarbeiter zur Verfügung.

Unterstützung erhält die Polizei auch von der «wilden Horde». So werden die freiwilligen Motorradfahrer bezeichnet, die den Tour-Tross begleiten. Sie halten immer wieder kurz an, schwenken zum Beispiel vor Verkehrsinseln farbige Fähnchen und machen die Velorennfahrer so auf Gefahren aufmerksam.

Feierabendverkehr: Normalerweise sieht es auf der Ostermundiger Bernstrasse so aus. Bild: Nicole Philipp

Anders als die Tour de France

Bereits vor dem Rennen gilt es, die künstlichen Bodenwellen eingangs Gümligental zu entfernen oder das Radargerät beim Dennigkofenschulhaus ausser Betrieb zu nehmen. Denn Renn­fahrer und Mannschaftswagen müssen sich nicht an Tempo 40 halten. Ganz anders der Werbetross, der ungefähr eine Stunde vor dem Fahrerfeld unterwegs ist: Die 35 bunten Autos, aus denen allerlei Werbegeschenke ans Publikum verteilt werden, bewegen sich im freien Strassenverkehr, müssen alle Regeln einhalten.

Hier unterscheidet sich die Tour de Suisse von der Tour de France, die letzten Sommer in die Region Bern kam. Damals wurde die gesamte Rennstrecke stundenlang abgeriegelt. Bei der Tour de Suisse dagegen achte man darauf, die Sperrungen möglichst kurz zu halten, sagt Christian Jost. In der Regel sind die Strassen nicht viel länger als eine Viertelstunde zu. Ausser am Ziel in Bern: Dort ist die Papiermühle­strasse zwischen Guisanplatz und Kaserne am Montag von 7 bis 22 Uhr gesperrt. Die Tram- und Buslinien im Osten der Stadt sind zwei Stunden unterbrochen. Am Dienstag, zum Start der nächsten Etappe, sind der Münsterplatz ab 7 Uhr und die untere Altstadt ab 10 Uhr gesperrt.

Informationsoffensive

So kurz die Sperrungen für die Tour de Suisse an den meisten Orten auch sind: Nicht alle haben dafür Verständnis. «Es gibt immer wieder Verkehrsteilnehmer, die sich lautstark beschweren», sagt Jost. Deshalb informieren Kantonspolizei, Bernmobil und das OK auf allen Kanälen über die Einschränkungen. «So dürften wir 80 Prozent der Leute erreichen. Sie werden sich einrichten.» Bei jenen, die nichts mitbekommen und am Montag in Ostermundigen auf die Weiterfahrt warten müssen, hofft Christian Jost auf eines: «ein bisschen Geduld».

Die Tour de Suisse im Kanton Bern: Montag: von Trubschachen (etwa 16 Uhr) durch das Emmental bis zum Ziel auf der Papiermühlestrasse Bern (17.30 Uhr). Fest auf dem Bundesplatz. Dienstag: Start um 13.25 Uhr auf dem Münsterplatz, weiter via Mühleberg in Richtung Sensebezirk. Infos: www.tdsbern.ch.

Hier finden Sie die Marschtabelle der 3. Etappe von Menziken nach Bern (pdf-Datei).

Die 4. Etappe führt am Dienstag von Bern nach Villars sur Ollon:

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