Die Susur: Ein neues Instrument aus dem Drucker

Bern

Gregor Pfäffli kreiert in seinem Atelier in der Berner Matte eine Mischung aus Saxofon und Klarinette. Das neue Instrument, die Susur, soll in einem Jahr auf den Markt kommen.

Gregor Pfäffli entwickelt eine «Susur».

Gregor Pfäffli entwickelt eine «Susur».

(Bild: Stefan Anderegg)

«Das Saxofon ist flink, aber laut, die Klarinette ist leiser aber träge», sagt Gregor Pfäffli. Der 42-jährige Instrumentenbauer beherrscht beide. «Wer zwischen diesen Instrumenten hin und her wechselt, hat unweigerlich den Wunsch, die besten Eigenschaften der beiden Instrumente zu vereinen.»

Saxofon und Klarinette

Gregor Pfäffli betreibt im Mattequartier ein Holzblasinstrumentenatelier. Dort verkauft er nicht nur Instrumente, er entwickelt derzeit ein völlig neues, das eben jene Vorzüge des Saxofons und der Klarinette vereint. Für die Entwicklung zeitgemässer Musik brauche es ein neues Instrument, ist Pfäffli überzeugt.

«Es ist erstaunlich, dass noch nie jemand ein leises, leichtes Saxofon mit dem Klang einer heiseren Klarinette gebaut hat.» Das will Pfäffli nun tun. Sein neues Instrument ist die Susur. Der ­Name ist vom lateinischen susurro (flüstern, summen) abgeleitet. Vor über 170 Jahren wurde das Saxofon erfunden, eine «Mischung» von Trompete und ­Klarinette; nun soll mit der Susur eine Verbindung zwischen Klarinette und Saxofon ent­stehen.

Maximal 50 Dezibel

Die Susur, ein gerades, schlankes Instrument, besticht unter anderem dadurch, dass es den Schallpegel reduziert. Es soll den dezenten Klang einer Klarinette aufweisen, kombiniert mit dem bequemen Fingersystem des Saxofons.

Gregor Pfäffli: «Wer möchte nicht ein leises Blasinstrument, das Tag und Nacht gespielt werden kann, ohne dass sich die Nachbarn darüber ärgern?» Das neue Instrument komme auf ­maximal 50 Dezibel, was einem zimmerlauten Gespräch entspreche. Die Susur ist als Profiinstrument konzipiert, auf der jede Literatur gespielt werden kann. Sie sei über mindesten zweieinhalb Oktaven spielbar – und zwar sofort von allen, die Erfahrung mit einem Sax oder einer Klarinette hätten.

Die Rohre werden gedruckt

Das Besondere am neuen Instruments ist zudem seine Herstellung: Das 80 Zentimeter lange, dünne Rohr aus Kunststoff fabriziert Gregor Pfäffli nämlich mittels 3-D-Drucker. «Allein das ­Drucken des Rohrs dauert mindestens zweieinhalb Tage.» Aber damit ist es noch lange nicht getan. Die Klappen, die ganze Mechanik fabriziert er in Handarbeit auf der Drehbank in seinem Atelier.

Noch gibt es keine Susur, noch ist Pfäffli am Tüfteln. Der Perfektionist merkte bald, dass Metallrohre «ab der Stange» für die Entwicklung des neuen Instruments nicht brauchbar sind.

«Ich habe Prototypen mit Standardrohren gebaut, aber die Machbarkeit von der Susur mit dem notwendigen, konischen Verlauf rückte schnell in den Bereich des Unmöglichen», erklärt der Instrumentenbauer.

Gregor Pfäffli überlässt nichts dem Zufall. Schon während seiner Ausbildung zum Blasinstrumentenreparateur beschäftigten ihn unter anderem Fragen wie: Was ist Schall? Wie nimmt der Mensch die Musik wahr? Nach seinen Wanderjahren bei namhaften Instrumentenbauern besuchte er Vorlesungen in Physik und Mathematik – und immatrikulierte sich schliesslich an der Uni Freiburg zum Physikstudium.

Pfäffli arbeitet eng mit seinem Cousin zusammen, dem Berner Musiker und Komponisten Don Li, ein virtuoser Klarinettist/Saxofonist. Beide sind davon überzeugt, dass mit der Susur ein Instrument geschaffen wird, das das Potenzial besitzt, Allgemeingut zu werden.

Aber das wird noch eine Weile dauern. Gregor Päffli schätzt, dass es mindestens noch ein Jahr dauert, bevor die erste Susur auf den Markt kommt.

Berner Zeitung

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